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Haushaltslöcher hinterlassen ihre Spuren

Der in Philadelphia ansässige The Pew Charitable Trusts hat eine Studie veröffentlicht wie 13 US-amerikanische Städte der Rezession begegnen:

Tough Decisions and Limited Options: How Philadelphia and Other Cities are Balancing Budgets in a Time of Recession

Das größte Haushaltsloch offenbart die Autobauerstadt Detroit, die Finanzierungslücke beläuft sich auf 20 Prozent. Zu schaffen macht den Stadtkämmerern sinkende Steuereinnahmen (Einkommensteuer, Verbrauchssteuer, Grund- und Immobiliensteuer). An erster Stelle der Sorgenliste stehen allerdings die fallenden Aktienkurse; diese bewirken eine zu geringe Kapitalisierung der Pensionsfonds, sodass diese bezuschußt  werden müssen.

Ausgabekürzungen wie Erhöhungen der Einnahmen sind vonnöten. Vier dieser 13 Städte erwägen bereits Steuererhöhungen. Einige Städte versuchen ihre Einnahmen mit dem Verkauf oder Leasing öffentlichen Eigentums aufzubessern.
Ausgabekürzungen heißt Reduzierung der kommunalen Leistungen und damit Personalabbau. Schaut man sich an wie die Städte Detroit, Atlanta und Philadelphia bisher ihren Personalstamm reduziert haben, dann droht noch einiges an Ungemach.

US Staatshaushalt: Einnahmen brechen weg

Der US Staatshaushalt im Monat April markierte ein Defizit von -20,91 Mrd. USD nach einem Überschuss von +159,28 Mrd. USD  im Vorjahresmonat. Üblicher Weise gehört der April zu den steuerstärksten Monaten, die einen Überschuss generieren; private Steuerzahlungen werden im April fällig. Im Jahr 2009 machen steigende Ausgaben wie sinkende Einnahmen einen Strich durch die Rechnung.

Die folgende tabellarische Übersicht verdeutlicht die prekäre Situation; verglichen werden die kumulierten Positionen der Finanzjahre 2007/08 mit 2008/09:

Tabelle

So sind die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um -18,9% gesunken, während die Ausgaben um 20,9% gestiegen sind.

Der Einnahmerückgang von 293,6 Mrd. USD liegt zwar grossteils bei der privaten Einkommensteuer (181,2 Mrd. USD), geringer bei der Unternehmenssteuer (100,4 Mrd. USD). Prozentual macht sich der Rückgang allerdings bei der Unternehmenssteuer deutlicher bemerkbar, -58,6% im Vergleich zu -24,2%.
Auf der Ausgabenseite fallen steigende Sozialausgaben sowie Ausgaben im Rahmen der Immobilienkrise ins Gewicht.

Folgender Chart dokumentiert die fallenden, jährlichen Wachstumsraten der privaten Einkommensteuer wie der Unternehmenssteuer:

US Staatshaushalt

Den April als starker Steuermonat spiegelt folgender Chart wider. In den vergangenen knapp 40 Jahren wurde lediglich 1983 zuvor ein Defizit beobachtet. Der April 2009 fällt hier – wie bereits erwähnt – aus der Reihe.

US Staatshaushalt: Aprildefizit im Vergleich

US Verschuldung im Ausland – viertes Quartal 2008

Nach der Verschuldung der privaten Haushalte (US Verbraucher: Vermögenswerte pulverisieren sich) folgt heute die US Verschuldung im Ausland im vierten Quartal 2008.

Das Gesamtvolumen der US Kreditmarktinstrumente belief sich zum vierten Quartal 2008 bei 52,593 Billionen USD. Zum Bruttoinlandsprodukt ergeben sich nun 370,4%. Rechnet man den Finanzsektor heraus, so ergibt sich immer noch eine Verschuldung von 236,0% zum Bruttoinlandsprodukt.

Nachfolgend ist der langfristige Verlauf dargestellt:

Die vierteljährliche PDF Dokumentation wurde aktualisiert, daraus der abschließende Kommentar:

Die Kreditmarktinstrumenten, insgesamt, wachsen mit 5,5% gegenüber dem Vorjahr, davon weisen mittlerweile die langfristigen US Staatsanleihen mit 24,3% die höchste jährliche Wachstumsrate auf. Beim Aufbauen der Immobilienblase legten die Agency Bonds am deutlichsten zu, beim Aufräumen derselben wird nach dem Staat und somit den US Treasuries verlangt.

Kreditmarktinstrumente in ausländischem Besitz steigen um 6,3% auf Jahresbasis – Treasuries mit 31,1%, Agency Bonds fallen im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit dem dritten Quartal 1983 um -15,3%.

Der Anteil der US Verschuldung, die vom Ausland gehalten wird, oszilliert seit ein paar Quartalen um die 15% Marke; im vierten Quartal waren es 14,9%.
Weiterhin wird mehr als die Hälfte der US Treasuries von Ausländern gehalten (50,3%). Der Anteil bei den Agency Bonds beläuft sich auf 16,2%, verringert sich sukzessive in dem Maße wie die Fed diese Anleihen aufkauft.

China hat sich als größter Gläubiger der USA etabliert.

Jedes Quartal grüßt das Murmeltier:
Es bleibt dabei, die USA externalisieren ihre Schulden erfolgreich.

US Verschuldung im Ausland (Flow of Funds) Q4 2008 als PDF – Tabellen und Charts.

Im Bild ein Überblick über den Anteil der US Verschuldung, die vom Ausgang gehalten wird:

vom Ausland getragene Schulden

zum G-20 Treffen

Auf der Seite des Brookings Instiution stehen diverse Artikel zum bevorstehenden G-20 Treffen.

Eine Reihe von Ratschlägen geben Brookings Experten: Recommendations for Global Policy Coordination
- oder als PDF Dokument

Aus dem Artikel Understanding and Addressing Political Instability von Raj Desai stammt ein Chart, der den ungenauen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Volkswirtschaften in Rezession und politischen Unruhen zeigt, trotzdem bedingen die beiden einander. Im Artikel heißt es:

History shows that political instability and recession generally track each other—but very imprecisely.

Rezessionen und Instabilität

Geht man davon aus, dass die Weltbank über 50 Millionen Menschen in die weitere Armut abrutschen sieht und legt die Weltkarte des vorherigen Beitrages zu Grunde, dann lässt sich anhand der roten Flächen das zunehmende Konfliktpotenzial erahnen.

Des weiteren beschäftigen sich Eswar Prasad und Isaac Sorkin mit den globalen Konjunkturprogrammen.
Assessing the G-20 Stimulus Plans: A Deeper Look

Sie präsentieren ein interaktive Landkarte, auf der für jedes Land die Höhe der jeweiligen Subventionen ausgewiesen ist und in Relation zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt ist.
Aus der Publikation stammen folgende Daten, die für die G-20 Staaten zum einen mit der Gesamthöhe der Konjunkturspritzen in Relation zum BIP wie auch der Staatsverschuldung zum BIP.

 Tabelle

Datenquelle ( PDF)

Bei einer aktuellen Staatsverschuldung von 62,6% vom BIP wird für Deutschland ein Konjunkturpaket in der Höhe von 3,4% vom Bruttoinlandsprodukt berechnet. Deutlicher fallen die Konjunkturprogrammen in Saudi-Arabien (9,4%), USA (5,9%), China (4,8%) und Spanien (4,5%) aus.

US Verbraucher: Vermögenswerte pulverisieren sich

Nach der neuesten ‘Flow of Funds’-Publikation für das vierte Quartal 2008 wird die Verschuldung der privaten US-Haushalte hier aktualisiert.

Das vormals beschriebene historische Ausmaß für die Vermögensveränderungen hat sich noch ausgeweitet.

Zunächst die tabellarische Übersicht:

Tabelle

Die Vermögenswerte und damit die Altersvorsorge der US Haushalte schmelzen dahin, sodass das Nettovermögen zum Vorquartal um 9% und auf Jahresbasis um 17,9% sank. Im Vergleich zum Allzeithoch des Nettovermögens im zweiten Quartal 2007 liegt der Verlust bei -20,0%.

Im Bild die jährliche Wachstumsrate des Nettovermögens:

Nettovermögen - Jahresrate

Erneut fokussiert sich der Vermögensabbau auf die Finanzanlagen; der Kollaps der Aktienindizes spiegelt sich hier wider. Alleine im vierten Quartal 2008 verringerte sich das Aktienvolumen der US Haushalte um -23,2%, im Vergleich zum Vorjahr sind es -39,9%. Entsprechend fielen die Fondanteile (-20,8%/-33,2%) und die Pensionsfondsbeteiligungen (-11,9%/-22,4%). Einzig die Spareinlagen legten zu, +2,8% im Vorquartal und + 4,8% zum Vorjahresquartal.

Jährliche WachstumsratenErstmals seit Bestehen der vierteljährlichen Datenreihe (1952) sind die Verbindlichkeiten auf Jahresbasis rückläufig, um -0,6%. Den Großteil der Verbindlichkeiten machen Hypotheken mit 10,45 Bill. USD oder 73% der Gesamtverschuldung aus. Rechts nebenstehend sind die jährlichen Wachstumsraten der Hypothekenkredite wie der Konsumentenkredite abgebildet.

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Der Anteil des Immobilienbesitzes, den die US Haushalte ihr  Eigen nennen, hat sich weiter reduziert. Zuletzt lag der Anteil bei 43,0%. Bevor sich im Herbst 2005 die Dynamik im US Immobilienmarkt abschwächte, befand sich der Prozentsatz bei 58,7%. Sukzessive hat sich der Bankenanteil auf nahezu 60 Prozent erhöht.

Im Bild der langfristige Verlauf:

Owners’ equity as percentage of household real estate

Die langfristige Entwicklung des Immobilienvermögens zum Bruttoinlandsprodukt bzw. Einkommen impliziert einen weiteren Rückgang der Immobilienpreise.

Das Immobilienvermögen/Bruttoinlandsprodukt hat sich bereits von maximal 166,3% auf zuletzt 129,1% reduziert; der langfristige Durchschnitt liegt allerdings bei 102,3%, während die lineare Trendlinie bereits unterschritten wurde. Das Immobilienvermögen im Verhältnis zum frei zur Verfügung stehenden Einkommen beläuft sich aktuell auf 172,1%, ein deutlicher Rückgang von dem Allzeithoch bei 229,7%. Auch hier wurde die lineare Trendlinie unterboten und der langfristige Mittelwert bei 142,2% ist noch ein Stück entfernt.

Letzteres ist nachfolgend dargestellt:

Immobilienvermögen/Einkommen

Zuletzt ein Chart, der ebenfalls weiteren Korrekturbedarf impliziert bzw. ein längerfristiges Konsolidieren der Haushaltslage der US Verbraucher. Die Gesamtverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt wie zum Einkommen hat sich seit den Allzeithochs vor einem Jahr gering reduziert, von 102,1% auf 100,3% resp. von 138,4% auf 133,7%, aber das Zauberwort heißt weiterhin “Deleveraging” und ist damit das Gebot der Stunde.

Gesamtverschuldung / Einkommen

In Kürze dann weiteres zur US Verschuldung im Ausland.

US Staatshaushalt: sinkende Einnahmen, exponentiell steigende Ausgaben

Die jüngst veröffentlichten Daten zum US Staatshaushalt (Monthly Treasury Statement) ergaben für den Januar ein Defizit von -83,82 Mrd. US-Dollar nach einem Überschuss von + 17,84 Mrd. US-Dollar im Vorjahresmonat.

Die sinkenden Einnahmen (blau) wie auch die rasant steigenden Ausgaben sind in folgendem Chart dargestellt; die monatlichen Fluktuationen glättet der 12-Monatstrend:

US Staatshaushalt: Einnahmen/Ausgaben

Da die Einzelpositionen von Monat zum Monat stark differieren, lassen sich sinnvollerweise die kumulierten Positionen der Fiskaljahre miteinander vergleichen. Die Monate Oktober bis Januar des Fiskaljahres 2008/2009 ergaben für die Ausgaben einen Anstieg von +41,3% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zeitgleich schrumpften die Einnahmen um -10,2%.

 TabelleNebenstehende Tabelle vergleicht jeweils den Zeitraum Okt. – Jan.; ins Auge fällt vor allem der Zuwachs der “Commerce and housing credit“, also der Hilfsmaßnahmen für den notleidenden Immobilienmarkt, von 1,69 Mrd. US-Dollar auf 311,5 Mrd. US-Dollar.

Ins Gewicht fallen weiter steigende Sozialausgaben. Bei einem sinkenden Zinssatz lagen die Zinsausgaben deutlich unter denen des Vorjahreszeitraumes.

Auf der Einnahmenseite halbierten sich die Einkünfte der Unternehmenssteuer nahezu (-44,3%). Die Einkommenseinbußen der privaten Einkommensteuer lag nominal in vergleichbarer Höhe, in Anbetracht der deutlich größeren Gesamtposition, lag der prozentuale Rückgang bei -10,1%.

.Die jährlichen Wachstumsraten der gleitenden 12-Monatsdurchschnitte sind für die Unternehmenssteuer (dunkelblaue Linie) und der privaten Einkommensteuer (gelbe Linie) abgebildet:

jährlichen Wachstumsraten der Unternehmenssteuer/Einkommensteuer

Auktionsergebnisse von Bundesanleihen

Die Finanzagentur Bundesrepublik Deutschland, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, ist bekanntlich damit beauftragt, die Auszahlungen von Bundeswertpapieren (Zins und Tilgung) durch die Ausgabe von neuen Papieren zu finanzieren.

Grafisch dargestellt sind die Ergebnisse der Bemühungen seitens der Finanzagentur bei der Versteigerung von Bundesanleihen und Bundesobligationen.

Zuteilungsquote (Zuteilungsvolumen / Bietvolumen)

sowie: Bietquote (Bietvolumen / Emmisionsvolumen)

Ergänzung am13.02.2009:

Anläßlich des Kommentars durch ThomasW  vom 13.02.2009 um 8:23 ergänze ich meinen Beitrag mit Wochencharts des Bund Future inklusive einiger der oben gezeigten Auktions-Indikatoren, um einen “tieferen Einblick in den Bundfuture Handel” zu gewährleisten. :-)

Der letzte Indikator zeigt den prozentualen Anteil der Gebote ohne Angabe eines Kurs- bzw. Renditelimits (bestens) am Bietvolumen insgesamt.

Helmut Wüllenweber

Kalifornien kurz vor der Zahlungsunfähigkeit

Während Washington den Wall Street Bankern großzügig mit Steuergeldern unter die Arme greift, könnten Kaliforniens Empfänger von staatlicher Hilfe – hilfsbedürftige Familien, alte oder behinderte Menschen – in naher Zukunft unter der Zahlungsunfähigkeit ihres Bundesstaates leiden. Die Damen und Herren Politiker im Sonnenstaat sind weiterhin uneins, über die Finanzierung des Staatsdefizits.

In seiner Rede vom 15. Januar stellt Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger fest: “The reality is that our state is incapacitated until we solve the budget crisis. The truth is that California is in a state of emergency. As a result of all of this faces insolvency within weeks.”

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Bundesstaat Kalifornien, größter Emittent von US Kommunalobligationen, repräsentiert für sich betrachtet die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt und diese Volkswirtschaft steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit! Ein Schicksal, dass in naher Zukunft der gesamten amerikanischen Nation droht, schließlich ist das Wohlwollen ausländischer Anleger und ihr Investitionsverhalten das Lebenselixier für den US-Dollar.

Bloomberg: “California to Delay Payments for Bills, Tax Refunds”:

http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=a0mWeLZuTAtA

Rede A. Schwarzenegger: http://gov.ca.gov/index.php?/speech/11390/

Helmut Wüllenweber

III. Verschuldung der privaten US-Haushalte

Zuvor:

Zunächst ein Überblick über die finanzielle Situation der privaten US-Haushalte im dritten Quartal 2008:

Tabelle

Die Entwicklung hat mittlerweile wahrhaft ein historisches Ausmaß angenommen.

Nettovermögen

Das Nettovermögen der US-Haushalte befand sich laut ‘Flow of Funds’-Bericht zum 3. Quartal 2008 bei 56,540 Billionen USD.

Prozentual sank das Nettovermögen um -4,7% zum Vorquartal; das erste Mal seit 1952, dass dieses vier Quartale infolge rückläufig war, lediglich im 2. Quartal 1962 wurde ein größerer Rückgang gemessen (-5,0%).

Die Jahresrate liegt bei -11,1% nach -6,7% im Vorquartal.

Der unten stehende Chart zeigt die Entwicklung seit 1952:

Nettovermögen - Jahresrate

Ein ähnlicher Werteverfall wurde bisher nicht beobachtet.

Ursächlich für den Abfall sind zum einen die fallenden Vermögenswerte (-8,6% zum VJ), auf der anderen Seite steigen die Verbindlichkeiten mit +3,0% auf Jahresbasis.

A. Widmen wir uns zuerst dem Vermögensverlust:

Die Sachanlagen sollen im dritten Quartal 2008 um 6,6% zum Vorjahr gesunken sein. Der Rückgang der Immobilienwerte wird mit 9,8% veranschlagt; bemerkbar macht sich hier der landesweit gesunkene Hauspreis.

Die US Amerikaner haben zudem  ihr tatsächliches Immobilienvermögen durch Cashout-Refinanzierungen und geringe bis keine Eigenkapitalbeteiligung beim Immobilienkauf reduziert. Der Anteil der Immobilien, den die Hausbesitzer ihr Eigen nennen (’Owners’ equity as percentage of household real estate’), lag zuletzt bei 44,7%. Noch vor drei Jahren befand sich der Prozentsatz bei 58,8%.

Auch hier die Entwicklung seit 1952:

Die Finanzanlagen, die ca. 60% des Gesamtvermögens ausmachen, sanken alleine im dritten Quartal 2008 um 4,5% zum Vorquartal und 9,6% zum Vorjahr. Vornehmlich waren dies Aktien (-27,3%), Fondanteile (-17,5%) und Pensionsfondbeteilungen (-12,5%). Der Wertverlust der Finanzanlagen alleine betrug 2,148 Billionen USD; davon waren 943 Mrd. USD bei den Aktien, 597 Mrd. USD bei Fondanteilen und 600 Mrd. USD bei Pensionsfondbeteilungen angesiedelt. Allesamt größer als der Wertverlust der Immobilien von 557 Mrd. USD, der letztendlich vom Volumen her ein Viertel des Verlustes der  Finanzanlagen ausmacht.

Nimmt man das Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder das frei verfügbare Einkommen (DPI) als Bezugsgröße für die Finanzanlagen, so ergibt sich ein deutlicher Rückgang seit dem zweiten Quartal 2007. Bezogen auf das BIP sank der Anteil von 360,5% auf zuletzt 313,9% und bezogen auf das frei verfügbare Einkommen fiel der Wert von 490,9% auf 423,8%.

Der Chart rechts zeigt den historischen Verlauf.

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B. Steigende Verbindlichkeiten:

Gesamtverschuldung / BruttoinlandsproduktDie gesamten Verbindlichkeiten der privaten US Haushalte beliefen sich im dritten Quartal 2008 auf 14,574 Mrd. USD; das sind zwar 0,9% mehr als im Vorquartal, die Wachstumsrate auf Jahresbasis liegt aber mit +3,0% auf dem niedrigsten je gemessenem Niveau.

Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt machte das zuletzt 101,1% – siehe Chart.

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HypothekenverschuldungAusschlaggebend sind hier die rückläufigen Hypothekenkredite bzw. deren geringeres Wachstum. Erstmals seit dem 1. Quartal 1983 sanken diese zum Vorquartal, zuletzt um -0,4%; im Vergleich zum Vorjahr wurden lediglich +1,5% beobachtet.

Im rechten Chart ist die Hypothekenverschuldung in Relation zu den frei verfügbaren Einkommen abgebildet.

Zuletzt notierte diese bei 98,9%.

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Wachstumsrate der privaten VerschuldungIm Vergleich zu den Hypothekenkredite ist das Volumen der Konsumentenkredite deutlich geringer (10,571 Mrd. USD zu 2,590 Mrd. USD); aber auch hier macht sich eine geringere Verschuldungsbereitschaft bemerkbar. Das Jahreswachstum notierte mit +3,5% auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren.

Nebenstehend sind beide Wachstumsraten abgebildet.

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VerbraucherkrediteDie monatlich publizierten Verbraucherkredite weisen die Autokredite als wesentlichen Bremsklotz aus. Mit zuletzt +1,2% befindet  sich deren jährliche Wachstumsrate auf einem 15 Jahrestief und spiegelt sich in den hier mehrfach im Blog beschriebenen reduzierten Umsätzen der Automobilindustrie wieder. Das Volumen der Kreditkartenkredite wächst gebremst weiter; zuletzt lag die jährliche Wachstumsrate bei +4,0%. Die Wachstumsraten der Verbraucherkredite sind rechts nebenstehend abgebildet.

Demnächst mehr zu den US Kreditkarten.

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C. Im Ergebnis führte dies zu:

  • Zahlungsverzögerungen
  • Zwangsversteigerungen
  • Insolvenzen

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Die finanzielle Situation der privaten US Haushalte spitzt sich zu. So hat sich laut Equifax und Moody’s Economy.com das Volumen der notleidenden Kredite in den letzten zwei Jahren nahezu verdoppelt, seit 2000 hat sich das Gesamtvolumen gut vervierfacht. Der Zuwachs in den letzten zwei Jahren war bei den Zahlungsverzögerungen von 90 bis 120 Tagen am deutlichsten ausgeprägt (+ 155%), während der bei Zahlungsverzögerungen bis 30 Tagen am geringsten ausfiel (41%).

Der unten stehende Chart zeigt das annualisierte Volumen der notleidenden Darlehen ab 2000:

Volumen notleidenden Darlehen

Der Fokus liegt zunächst auf dem Immobiliensektor; Kreditkartenbelastungen wie Schulden aus den Automobilkauf werden später gesondert abgehandelt.

Immobiliensektor:

Grundlage ist der vierteljährlich publizierte National Delinquency Survey der Mortgage Bankers Association’s (MBA).

Die Gesamtzahl der Zahlungsverzögerungen bei Hypothekendarlehen stieg auf ein neues Allzeithoch bei 6,99%. Dieser Wert beinhaltet keine Schuldner, die bereits im Zwangsversteigerungsprozess stecken. Für den Anstieg der Gesamtzahl waren vor allem Zahlungsverzögerungen, die 90 oder mehr Tage überfällig waren, verantwortlich. Die Entwicklung wurde grossteils in den Brennpunkten Kalifornien und Florida gesehen. Der Prozentsatz der Schuldner, die weniger als 30 Tage überfällig sind, liegt momentan unter dem Niveau aus 2002.

Zahlungsschwierigkeiten sind vor allem in den Darlehen mit niedriger Bonität sowie auch variabelem Zinssatz fokussiert. Wie folgender Chart zeigt, ist der Prozentsatz der Schuldner mit so genannten Subprime-Krediten kräftig gestiegen; am deutlichsten dabei, wenn zudem eine kurze Fälligkeit gewählt wurde.

Der Zahlungsnot liegen laut einer MBA Studie grossteils (41,5%) Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbußen zu Grunde. Angesicht der zuletzt publizierten Arbeitsmarktdaten lohnt so ein Blick auf die Zwangsversteigerungen wie die Stellenveränderungen.

Wie der unten stehende Chart zeigt, hat die Arbeitsmarktsituation einen gewissen Vorlaufeffekt auf die kommenden Zwangsversteigerungen. Gewählt wurde der drei Monatsschnitt der Stellenveränderungen (inverse Darstellung) und Zwangsversteigerungen bei Hypothekendarlehen mit hoher Bonität.

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Wie erwähnt werden die Kreditkartenschulden später abgehandelt; deshalb nur kurz zur Übersicht zwei Charts, die die zunehmenden Zahlungsverzögerungen und Ausfallraten dokumentieren. Links die Kreditkartenschulden und rechts die Autokredite:

KreditkartenschuldenAutokredite

Die zunehmende Zahl der Insolvenzen lässt sich nur schwer im historischen Kontext darstellen, da das US-Insolvenzrecht im Oktober 2005 geändert wurde. Nichtsdestotrotz hier ein Chart der privaten Insolvenzen seit 1980:

Demnächst folgt dann mehr zur Staatsverschuldung, zudem der Blick auch auf andere Länder und Sektoren geworfen.

II. US Verschuldung im Ausland

Zuvor: I.  Verschuldung der USA – Überblick

Der Anteil der US Verschuldung, der vom Ausland gehalten wird, belief sich im dritten Quartal 2008 auf 15,2%. Dies war nur marginal unter dem Allzeithoch von 15,3% aus dem Vorquartal. Bei einer gesamten Verschuldung von 51,8 Bill. USD waren es 7853,3 Mrd. USD, die vom Ausland getragen werden. Die Jahresrate beläuft sich auf 12,8%.

Im Bild der historischen Verlauf der vom Ausland gehaltenen US Verschuldung:

ausländischer Anteil der US Verschuldung

Das Volumen der US Treasuries wurde dabei kräftig ausgeweitet, im Jahresvergleich lag der Zuwachs bei 30,1%, dem höchsten Niveau seit dem 1. Quartal 1996 (32,5%). Weiterhin wird mehr als die Hälfte der US Treasuries von Ausländern gehalten. Nach 51,6% im Vorquartal hielten die Ausländer nur noch 50,4% der US Treasuries – der langfristige Verlauf ist im Chart unten zu sehen.

China hat mittlerweile Japan als größten ausländischen Halter von US Treasuries abgelöst – siehe auch  den Blog-Beitrag. Der chinesische Anteil belief sich im Oktober 2008 auf 21,5%; der Anteil Japans lag bei 19,2%. Gut 3/4 des Netto Kaufs von US Treasuries ging an asiatische Adressen.

ausländische Anteil von US Treasuries

Erstmals seit dem dritten Quartal 2003 waren die Agency Bonds zum Vorquartal rückläufig; auf Jahresbasis lag der Zuwachs bei 8,5%. Das Ausland reduzierte seinen Anteil von 21,1% auf 19,8%.

Der Appetit des Auslands auf US Unternehmensanleihen hatte merklich nachgelassen; das erste Mal seit dem 4. Quartal 2005 sank der Bestand zum Vorquartal, die Jahresrate erreichte mit 4,9% den niedrigsten Stand seit dem 4. Quartal 1994 (4,6%).

Die Zentralbanken halten mittlerweile nahezu 70% der US Staatstitel – US Treasuries (67,3%) und Agency Bonds (68,1%).

Abgebildet ist jeweils der Anteil der Zentralbanken:

Zentralbankenanteil

Ergänzend findet sich eine aktualisierte Version von ‘Flow of Funds Accounts’ – US Verschuldung im Ausland entweder als PDF oder bei den Einzel-Themen zusammen mit älteren Ausgaben.

I. US – Verschuldung

Wir haben jetzt eine neue Rubrik ‘Verschuldung‘ eingerichtet; in dem Maße wie die Einzelstaaten Rettungsrufe der Unternehmen erhören, wird diese noch weiter in den Fokus geraten.

Überblick

Heute geht es los mit der US Verschuldung; zunächst einen Überblick, dann demnächst die Verschuldung der USA im Ausland, gefolgt von den privaten Haushalten, der öffentlichen Hand …

Einleitend einige Daten und Charts zur stetig wachsenden Verschuldung der US Amerikaner. Grossteils stammen die Daten aus dem vierteljährlich erscheinenden Flow of Funds Bericht.

Die gesamten Kreditmarktinstrumente wachsen 6,2% gegenüber dem Vorjahr und beliefen sich im dritten Quartal 2008 auf 51,8 Billionen USD. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt lag die Verschuldung bei 359,4%. Der historische Verlauf ist im Chart unten zu sehen.

Außerhalb des Finanzsektors liegt die Verschuldung bei 33,0 Billionen USD oder 228,8% vom Bruttoinlandsprodukt.

Verschuldung/Bruttoinlandsprodukt

Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Sektoren ergibt sich für die Verschuldung (Kreditmarktinstrumente) folgendes Bild:

Die Gesamtverschuldung notierte im dritten Quartal 2008 1,4% höher als noch im Vorquartal. Auf Jahresbasis liegt die Veränderung bei 6,2%, dies ist der niedrigste Stand seit dem dritten Quartal 1993 (5,7%). Die Verschuldung außerhalb des Finanzsektors stieg im dritten Quartal 2008 um +1,8% zum Vorquartal und +6,1% zum Vorjahr, dem niedrigsten Stand seit dem dritten Quartal 2001 (+5,9%). Die Jahresrate bietet eine gewisse Vorlauffunktion für das geglättete Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Beides ist in unten stehendem Chart abgebildet.

Aktuell diktiert der Staat (Federal government) das Kreditwachstum; ein fast zehnprozentiger Anstieg zum Vorquartal wie 15,2% auf Jahresbasis zeugen davon.  Erstmals seit Beginn der Datenserie (1952) ist die Veränderungsrate der gesamten privaten Haushalte negativ; ausschlaggebend war  die rückläufige Hypothekenverschuldung.

Jahresrate Verschuldung versus BIP