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US Notenbank etabliert Nullzinspolitik

Der Offenmarktausschuss des FRB hat heute Abend einstimmig den US Leitzins von vormals 1,00% auf eine Spanne von 0 bis 0,25% gesenkt. Am 17.9.2007 hatte die US Notenbank angefangen ihre Geldpolitik zu lockern und ihren Leitzins von 5,25% in 9 Schritten auf ein historisches Tief zu reduzieren. Alles ohne Erfolg, die US Wirtschaft ist in einer tiefen Rezession, ein Ende nicht in Sicht, währenddessen hat sich die Fed ihre Zähne selbst gezogen. Unter diesen Umständen ist ein tatkräftiges Zupacken nahezu erfolglos.

Das Wirtschaftswachstum soll voraussichtlich ein längere Zeit durch “alle zur Verfügung stehenden Werkzeuge” angekurbelt werden:

The Federal Reserve will employ all available tools to promote the resumption of sustainable economic growth and to preserve price stability.  In particular, the Committee anticipates that weak economic conditions are likely to warrant exceptionally low levels of the federal funds rate for some time.

Um ein Bild zu bleiben, beabsichtigt der nunmehr zahnlose Tiger sich eine Zahnprothese einzusetzen.

The focus of the Committee’s policy going forward will be to support the functioning of financial markets and stimulate the economy through open market operations and other measures that sustain the size of the Federal Reserve’s balance sheet at a high level.  As previously announced, over the next few quarters the Federal Reserve will purchase large quantities of agency debt and mortgage-backed securities to provide support to the mortgage and housing markets, and it stands ready to expand its purchases of agency debt and mortgage-backed securities as conditions warrant.  The Committee is also evaluating the potential benefits of purchasing longer-term Treasury securities.  Early next year, the Federal Reserve will also implement the Term Asset-Backed Securities Loan Facility to facilitate the extension of credit to households and small businesses.  The Federal Reserve will continue to consider ways of using its balance sheet to further support credit markets and economic activity.

Quelle: Presseerklärung

Der Zinssenkungsaktionismus der Fed, der EZB, der BoE und der BoJ im Vergleich:

Leitzinssätze im Vergleich

Bund Future – war’s das?

Bund Future
Quelle: Onvista

Men at Work: Die Blase am US Rentenmarkt

Die US Notenbank tut das, was sie am besten kann: Das Entstehen von Blasen fördern.

Gestern äußerte sich Ben Bernanke wie folgt: “Although further reductions from the current federal funds rate target of 1 percent are certainly feasible, at this point the scope for using conventional interest-rate policies to support the economy is obviously limited. One option is for the Fed to buy “longer-term Treasury or agency securities on the open market in substantial quantities.This approach might influence the yields on these securities, thus helping to spur aggregate demand.”

Die Einschätzung von David Rosenberg dazu: “Investors should operate under the assumption that the Fed is going to embark on a new course of balance sheet expansion to mitigate the downside risks to the macro outlook and fight the looming deflation battle. This is bullish for long bonds. The 10-year note yield is now firmly below the 3 percent threshold and this next leg down in yield will undoubtedly represent the classic mania-turn-to-bubble phase that quite plausibly sees an overshoot to or even through the April 1954 lows of 2.3 percent.”

Helmut Wüllenweber

New Deal: “Ihr Einsatz bitte!”

Während der Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, vor einer Verschlimmerung der Finanzkrise warnt (”Das schlimmste steht uns noch bevor”), gibt der designierte US Präsident Barack Obama, Hoffnungsträger der verzweifelten Nationen von Amerika, Hilfestellung bei der Branchenseletion für ein “New Deal” Aktienportefeuille: “We’ll put people back to work rebuilding our crumbling roads and bridges, modernizing schools that are failing our children, and building wind farms and solar panels; fuel-efficient cars and the alternative energy technologies that can free us from our dependence on foreign oil and keep our economy competitive in the years ahead.”

Die richtige Aktie zur richtigen Zeit

Obamas Aussage kann man als Projektionsfläche für eine Ideensammlung börsennotierter Profiteure benutzen, für die Zeit, zu der die Weltökonomie wie Phoenix aus der Asche auferstehen wird. Vorausgesetzt, der von manchen Auguren projizierte US Staatsbankrott läßt diese Überlegungen nicht obsolet werden.

Nachtrag: Ein aktueller Blick auf die Gewinnerliste bei den ETF´s, zeigt die I-Shares S&P Global Clean Energy (IQQH) in der Führungsposition. Offensichtlich sind heute Nachmittag schon andere Leute auf die oben beschriebene Idee gekommen.

Helmut Wüllenweber

Der Preis der Angst – Regierungsanleihen

Der Zusammenhang zwischen Anleihe- und Aktienmärkten ist komplex und es liegt mir (sehr) fern, mit diesem Beitrag eine Diskussion darüber loszutreten, ob und wann diese beiden Asset-Klassen positiv oder negative korreliert sind.

Aber die Flucht vieler Anleger in die vermeintliche Sicherheit von Staatsanleihen wird ihren Preis fordern. Das ist hier das Thema!

In den USA verdeutlicht der letzte Bericht des Conference Board
Conference Boards (CB) wo das Problem begraben liegt. Für das 4. Quartal 2009 prognostiziert der CB einen Zinssatz für 10-jährige Treasuries von 4,48 %(CPI 2,8%). Für das 1. Quartal 2010 ist die Prognose sogar 4,71% (CPI 2,9%).

Demgegenüber liegt die Rendite Treasuries aktuelle Rendite von 10-jährigen Treasuries bei 3,2%. Das ist ein Spread von 128 Basispunkten (+40%) für ca. 12 und von 151 Basispunkten (+47,2%) für ca. 15 Monate. De facto ist dieser Spread in beiden Fällen höher als die Rendite der 2-jährigen Treasuries, die derzeit bei 1,1 Prozent liegt.
Sollte also die Prognose des CB Wahrheit werden, müssen die Gläubiger der US-Treasuries (via Kursverfall) einen sehr hohen Preis für ihr Sicherheitsstreben bezahlen.

In Deutschland sieht es graduell etwas weniger krass, aber prinzipiell nicht anders aus, wie ein Blick auf Rendite Bundesanleihen Renditetabelle der Bundesbank zeigt. Eine zehnjährige Bundesanleihe (DE000 113537-4) rentiert aktuell mit 3,42 %, eine 2-jährige (DE000 113516-8) mit 2,17%.

Der Sachverständigenrat schätzt den Anstieg der Verbraucherpreise in 2009 mit 2,1 Prozent. Die WestLB (Nov. 08) wiederum beziffert die Zinserwartung (Konsensus-Bandbreite) für 10-jährige Staatsanleihen zwischen 3,4 und 4,4 Prozent. Die Postbank legt sich im Nov. 2008 mit der Perspektive 2009 auf 4,3 fest, die BayernLB (Nov. 08) auf 4,2%. In Bausch und Bogen sind das also auch 100 Basispunkte (ca. 30%), die irgendjemand am Anleihemarkt lassen muss.

Vielleicht ahnen die Future-Märkte was kommt
Bund Future
Bund Future
10 yr Treasury Note Future (TYZ09.CBT)
10 yr Treasury Note Future

Zum Abschluss noch ein Blick auf die internationalen Zinsstrukturen: internationale Zinsstrukturen

“There is no safety in numbers, or in anything else.”
(James G.Thurber)

Ein schönes Wochenende!

Chapeau & Quellen:
Conference Board: Conference Board
Bloomberg: Bloomberg
Bundesbank: Bundesbank
WestLB
WestLB
Postbank: Postbank
BayernLB: BayernLB
Onvista: Onvista
Inside Futures: Inside Futures
Comdirekt: comdirekt

US-Kreditrichtlinien im Oktober 2008 – Unternehmen

Aus dem letzten Senior Loan Officer Opinion Survey der FRB mit dem Stand – Oktober 2008 – ergeben sich für Unternehmen engere Kreditlinien. Z. T. bewegten sich die erhobenen Daten auf Rekordhochs.

Ca. 60 einheimische Banken und 24 US Filialen ausländischer Banken werden bezüglich ihrer Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher befragt. Ermittelt wird zudem die Kreditnachfrage.

Für Unternehmensanleihen an große und mittlere Kreditnehmer gaben 83,6% der Banken engere Kreditlinien an. Noch vor drei Monaten lag der Prozentsatz bei 57,6%. Entsprechend sah das Bild für kleine Kreditnehmer aus; nach 65,3% im Juli gaben jetzt 74,5 Prozent der befragten Banken schwierigere Vergabebedingungen an.

Rechts nebenstehend der entsprechende Chart.

Gesehen wurden historische Höchststände; die Datenhistorie besteht seit 1990. 75% der ausländischen wie 40% der inländischen Banken nannten ihre eigene aktuelle oder erwartete Kapitaldecke als Ursache.

Die Banken berichteten über eine nachlassende Nachfrage nach Unternehmensanleihen; gesehen wurde dieses bei 16,7% der größeren und mittleren Kreditnehmer und 7,4% der kleinen Kreditnehmer. Zuvor lag die Nachfrage noch bei -3,8% resp. -15,4%.

Der Großteil der einheimischen Banken, die über eine nachlassende Nachfrage berichteten, wiesen auf einen geringeren Investitionsbedarf (Unternehmensausbau, Lagerhaltung) ihrer Kunden hin. Geringere Mittel wurden auch für Fusionen/Übernahmen nachgefragt.

Weiter mit den gewerblichen Immobilienkrediten, diese werden nicht nach der Unternehmensgröße unterschieden. Seit 1990 war es noch nie so schwer für Unternehmen Immobilienkredite zu erlangen. 87% der Banken teilten verschärfte Kreditbedingungen für den Oktober mit nach 80,7% im Juli.

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Einhergehend mit verschärften Vergabebedingungen sank die Nachfrage auf ein historisches Tief bei -55,6%.

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Der zweite Teil des Senior Loan Officer Opinion Survey zu Kredite an Verbraucher kommt später.

Bank of Japan Cuts Rate to 0.3% to Fend Off Prolonged Recession

Oct. 31 (Bloomberg) — The Bank of Japan cut its benchmark interest rate to 0.3 percent in a split decision to help stave off a prolonged recession.

Governor Masaaki Shirakawa cast the deciding vote to lower the key overnight lending rate from 0.5 percent after four of the eight board members dissented, the central bank said in Tokyo today. Three wanted to cut the rate to 0.25 percent, and one voted to leave it unchanged, Shirakawa said.

Shirakawa, 59, came under pressure to lower borrowing costs for the first time in seven years after the Nikkei 225 Stock Average slumped to the lowest level since 1982 on concern that the global financial rout would deepen Japan’s downturn. Until today, the bank had kept rates unchanged in the face of cuts by counterparts worldwide, arguing they were already “very low.”

“A rate cut will probably do little to prop up the economy; nevertheless the bank was probably fearful they’d be viewed as clinging to an overly rigid stance in the middle of a global crisis” if they didn’t move, said Teizo Taya, a former Bank of Japan board member who now advises the Daiwa Institute of Research.

The yen rose to 96.87 per dollar at 5:54 p.m. in Tokyo, from 98.43 before the decision. Japan’s currency climbed as high as 90.93 a week ago, the strongest in 13 years, threatening exporters’ earnings. The Nikkei plunged 5 percent today, capping a record 24 percent monthly decline.

The central bank slashed its growth forecast for the year ending March to 0.1 percent from 1.2 percent predicted in July. The economy will expand 0.6 percent next fiscal year and 1.7 percent in the period starting April 2010, it said in a twice- yearly outlook published after the rate decision.

India’s Inflation Concerns Persist, Subbarao Says

By Cherian Thomas

Oct. 25 (Bloomberg) — Reserve Bank of India Governor Duvvuri Subbarao said inflation concerns persist, adding pressure on the central bank to do more to support economic growth.

“We can’t drop our guard on controlling inflation,” Subbarao told reporters in Mumbai today. “We have to balance the concerns of preserving financial stability, maintaining price stability and sustaining growth.”

Subbarao yesterday kept interest rates unchanged and signaled he may hold borrowing costs steady in coming weeks as inflation remains a concern, triggering a plunge in stocks and bonds. A weaker rupee may raise import costs and stoke inflation, Subbarao said today.

“The RBI’s status-quo on interest rates held a surprise element for a certain segment of the market,” said Namrata Padhye, an economist at IDBI Gilts Ltd. in Mumbai. “Easing of interest rates at this juncture would have only hurt the rupee.”

India’s rupee dropped for an 11th week yesterday, the longest losing streak since December 2005, as the nation’s benchmark share index plunged the most in four years on signs global economies are headed for a recession.

The rupee slid as much as 0.7 percent to 50.165 per dollar, an all-time low, before closing at 49.96 in Mumbai yesterday. The Sensitive index plunged 11 percent.

The governor yesterday held the repurchase rate at 8 percent, after lowering it by 1 percentage point on Oct. 20. He also kept the cash reserve ratio, or the proportion of deposits lenders need to set aside as reserves, at 6.5 percent after cutting it by 2.5 percentage points since Oct. 11.

Lower Growth Forecast

Subbarao also cut India’s growth forecast to between 7.5 percent and 8 percent for the year to March 31, from the 8 percent estimated in July.

He kept the inflation estimate unchanged at 7 percent by March 31, while betting the decline in commodity prices will slow price increases. India’s key wholesale price inflation is 11.07 percent, more than double the 5 percent aim of the central bank.

India will be “much less” influenced by a global recession than many other countries because growth in the nation’s $1.2 trillion economy, Asia’s third-largest, is driven by domestic consumer demand, Subbarao said.

“In a globalizing world, where financial integration is so deep, it is futile to think that any country can be decoupled” from a global recession, Subbarao said. “Having said that, if there is any major emerging economy that can decouple, it is India.”

The governor said he has “concerns” on the inflation front.

Inflation to Decline

“In a mathematical sense, inflation is coming down, and indeed, when we project 7 percent inflation by March, we believe it will continue to decline,” Subbarao said.

While wholesale price inflation is the key price index in India, the central bank also studies trends in the consumer prices, he said.

Consumer prices for agriculture and rural labor have risen by 11 percent, while that for industrial workers is at 9 percent, Subbarao said.

While the winter crop harvest is “promising,” the forecast for production is 115 million tons, lower than the 121 million tons estimated earlier, he said.

Oil prices are also subject to volatility, the governor said.

“If supply is cut as the OPEC did yesterday, or the dollar weakens, then there is upward pressure on oil,” Subbarao said. “On the other hand, if recession is weaker than it is, then there will be downward pressure. So we don’t know how these forces will play.”

To contact the reporter on this story: Cherian Thomas in New Delhi at Cthomas1@bloomberg.net.
Last Updated: October 25, 2008 05:06 EDT

Risikoaufschlag Unternehmensanleihen zu amerikanischen Staatsanleihen

Was ist in diesen Tagen schon historisch? Ein Blick lässt ein aktuelles Beispiel hier einbringen.

Die Risikoprämien amerikanischer Unternehmensanleihen mit der Moodys Einstufung BAA haben ihre Risikoprämien zu 10 jährigen amerikanischen Staatsanleihen deutlich vergrößert. Historisch betrachtet ist die aktuelle Situation “neu”. Die Renditen der Staatsanleihen sind im Verhältnis gefallen und die Renditen der Unternehmensanleihen dafür deutlich angestiegen.

Ob man den Verschuldungsgrad zwischen Staat und Unternehmen einbeziehen soll lassen wir aktuell dahingestellt.

Nun könnte man fast die opportune Idee bekommen Unternehmensanleihen zu kaufen.  Wenn nicht jetzt, wann dann?

BAA_TRSY10Y Ratio

Thomas Wegner


Update: TED-Spread

Das Misstrauen im Interbankenhandel hat weiter zugenommen; der Zinssatz, den sich die Banken im Londoner Handel untereinander berechnen (LIBOR), hat sich weiter ausgeweitet.

Demzufolge befindet sich der TED – Spread, also die Differenz vom 3-monatigen LIBOR zu den 3-monatigen Treasury Bills, auf einem neuen Höhenflug. Für den heutigen Tag gab Bloomberg den Spread mit 3,82 an.

Der aktualisierte Chart seit 1987:

What Happens During Recessions, Crunches and Busts?

Die Ökonomen Stijn Claessens, M. Ayhan Kose und Marco E. Terrones vom IWF haben sich mit ebendieser Frage beschäftigt und zu diesem Zwecke 122 Rezessionen, 112 Kreditklemmen und 114 Phasen mit Immobilienpreisrückgängen sowie 234 Baissephasen am Aktienmarkt von 1960 bis 2007 anhand der Daten von 21 OECD-Ländern ausgewertet.

Zusammenfassend kommen sie zu folgendem Schluß:

In light of these findings, we examine the prospective implications of recent macroeconomic and financial developments in the United States and conclude that there are indications that the current slowdown in U.S. output is not atypical of the onset of previous recession episodes. Yet at the same time, the sharp decline in total investment (mainly driven by a large drop in residential investment), the drop in house prices and, to lesser extent, the credit contraction suggest that the slow down is more severe than in a typical onset of a recession. This suggests that, if a recession were to occur in the United States, its amplitude might be deeper and its duration longer than that of a typical recession.

Rezessionen, die mit sinkenden Häuserpreisen einhergehen, haben mit 4,6 Quartalen die längste Dauer, wobei die Preiskorrektur am Häusermarkt selbst, erst nach durchschnittlich 18 Quartalen beendet ist.

What Happens During Recessions, Crunches and Busts? (pdf)

Helmut Wüllenweber

TED – Spread geht durch die Decke

Die Emotionen schäumten letzte Woche an den Finanzmärkten über; so kletterte die Vola – VIX intraday am 18. September bereits >40.

Der TED – Spread, also die Differenz vom 3-monatigen LIBOR zu den 3-monatigen Treasury Bills, notierte auf dem höchsten Niveau seit dem Oktober 1987. Dies lag zum Teil an fallenden Renditen für die US-Treasuries; die FT (‘Panic grips credit markets’) meldete diese auf dem tiefsten Stand seit Januar 1941; wie auch steigenden Zinsen für den Londoner Interbankenhandel.
Am 17.9. wurde das alte Topp mit 3,02 aus 1987 überflügelt; am 18.9. markierte der TED – Spread ein neues ATH bei 3,13 und beruhigte sich am folgenden Tag mit 2,33.

Nachfolgend ist der Chart seit 1985 zu sehen:

TED - Spread

Zinsdifferenz von AAA Unternehmensanleihen zu US Staatsanleihen

Nachdem im Juni 2007 der Zinsaufschlag für Anleihen erstklassiger Schuldner des Unternehemenssektors im Vergleich zu Staatsanleihen auf dürftige 64 Basispunkte zusammengeschmolzen war, konnte man am 17. März diesen Jahres – die Krise um Bear Stearns erreichte ihren Höhepunkt – 213 Basispunkte Mehrertrag für Unternehemensanleihen vereinnahmen.

Zwischenzeitlich hatte der Risikoappetit der Anleihekäufer schon wieder zugenommen, wobei man sich in der jüngsten Vergangenheit wieder eines Besseren besonnen hat.

Im Verlauf der Baisse am Aktienmarkt in den Jahren 2000 bis 2003, dargestellt ist der S&P 500 Index, hatte sich die Zinsdifferenz in Krisenzeiten am 21. Sept 2001 und 9. Okt 2002 in der Spitze auf 267 bzw. 251 Basispunkte ausgeweitet.

Helmut Wüllenweber


AAA: Ansammlung abschreibungswürdiger Anlagen?

Landläufig versteht man unter Anlageklassen mit AAA-Rating, solche, mit besonders hoher Bonität und Sicherheit. Das dem nicht immer so sein muß, darauf macht Mark Pittman von Bloomberg unter der Überschrift “Moody’s, S&P Defer Cuts on AAA Subprime, Hiding Loss” aufmerksam.

Bislang haben die Ratingagenturen auf die unabdingbare Herabstufung von Anleihen, die mit subprimen Hypotheken hinterlegt und dennoch mit AAA bewertet sind, verzichtet. Sollte dies in den nächsten Wochen nachgeholt werde, könnte es an den internationalen Finanzmärkten noch mal sehr ungemütlich werden. Ich zitiere auszugsweise:

March 11 (Bloomberg) — Even after downgrading almost 10,000 subprime-mortgage bonds, Standard & Poor’s and Moody’s Investors Service haven’t cut the ones that matter most: AAA securities that are the mainstays of bank and insurance company investments.
None of the 80 AAA securities in ABX indexes that track subprime bonds meet the criteria S&P had even before it toughened ratings standards in February, according to data compiled by Bloomberg. Sticking to the rules would strip at least $120 billion in bonds of their AAA status, extending the pain of a mortgage crisis that’s triggered $188 billion in writedowns for the world’s largest financial firms.

AAA debt fell as low as 61 cents on the dollar after record home foreclosures and a decline to AA may push the value of the debt to 26 cents, according to Credit Suisse Group.

The 20 ABX indexes are the only public source of prices on debt tied to home loans that were made to subprime borrowers with poor credit histories. About $650 billion of subprime bonds are still outstanding, according to Deutsche Bank. About 75 percent were rated AAA at issuance.

Regulators require banks to hold more capital against lower- rated securities to protect against losses; a downgrade would force them either to sell the securities or bolster reserves. While most banks haven’t disclosed the ratings of their subprime holdings, S&P estimated in January that losses on the debt may exceed $265 billion.

All but six of the 80 AAA ABX bonds failed an S&P test for investment-grade status, which requires credit support to be twice the percentage of troubled collateral. Investment grade refers to all bonds rated BBB- and above by S&P and Baa3 by Moody’s.

The problem extends past the mortgage bonds. Financial firms own high-grade collateralized debt obligations, which package securities such as mortgage bonds and slice them into pieces with varying risk. As the underlying mortgage bonds are downgraded, those securities will also lose their ratings and tumble in value.

A bank would have to increase its capital against $100 million of bonds to $16 million from $1.6 million if a bond was downgraded to below investment grade from AAA, under global accounting rules. The bank would either have to sell the bonds at a loss or make up the difference in cash.

The prospect of losses may be holding the ratings companies back, said Frank Partnoy, a University of San Diego law professor and former Morgan Stanley banker who has been writing about the impact of credit ratings companies since 1997.

“If the 800-pound gorilla moves, it’s going to crush someone, so it’s not going to want to move,” Partnoy said. “They know they will trigger a price collapse. They are understandably reluctant.”

Quelle: Bloomberg.com “Moody’s, S&P Defer Cuts on AAA Subprime, Hiding Loss”

Helmut Wüllenweber

Zentralbanken melden sich zu Wort

Der Auftakt ist gemacht:

Die Bank of Canada hat gerade bekannt gegeben, ihren Leitzinssatzsatz um 50 Basispunkte auf 3,50% zu senken. Man sei zwar mit dem kanadischen Wirtschaftswachstum zufrieden, zudem halte sich die Inflation im Rahmen der eigenen Erwartungen. Aber auch hier spuken die Schreckgespenster US-Rezession und Kreditkrise.
Ein Übergreifen der US-Finanzkrise wie des konjunkturellen Abschwungs auf die globale Wirtschaft wird befürchtet.

Aus der Presseerklärung:

Information received since the January Monetary Policy Report Update (MPRU) indicates that economic growth in Canada through the four quarters of 2007 was broadly in line with expectations. Domestic demand has remained buoyant, as rising commodity prices and high employment have continued to support income growth. Canada’s net exports weakened further in the fourth quarter, reflecting the slowing U.S. economy and the impact of the past appreciation of the Canadian dollar. Overall, the Canadian economy remained above its production capacity at year-end. Core and total CPI inflation – at 1.4 per cent and 2.2 per cent, respectively, in January – have also been consistent with the Bank’s expectations.

At the same time, there are clear signs that the U.S. economy is likely to experience a deeper and more prolonged slowdown than had been projected in January. This stems from further weakening in the residential housing market, which is adversely affecting other sectors of the U.S. economy and contributing to further tightening in credit conditions. The deterioration in economic and financial conditions in the United States can be expected to have significant spillover effects on the global economy. These developments suggest that important downside risks to Canada’s economic outlook that were identified in the MPRU are materializing and, in some respects, intensifying.

Quelle

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Gegensätzlich die heutige Entscheidung der Reserve Bank of Australia, die ihren Leitzinssatz bereits das zweite Mal dieses Jahr um 25 Basispunkte auf nun 7,25% anhob. Ausschlaggebend war eine gestiegene Inflationsrate. Nichtsdestotrotz schaut man auch über den Tellerrand.

The Board took account of events abroad and developments in financial markets. The world economy is slowing and it appears likely that global growth will be below trend in 2008. Recent trends in world commodity markets, however, have further strengthened prospects for Australia’s terms of trade.

Sentiment in global financial markets remains fragile. Australian financial intermediaries are experiencing increases in funding costs, which are being passed on to customers. Some tightening in credit standards for more risky borrowers is occurring.

Quelle

Da lässt sich trefflich spekulieren wie sich die EZB, Bank of England, Bank of Japan und Reserve Bank of New Zealand am Donnerstag/Freitag aus der Affäre ziehen werden. Noch befindet sich der Leitzins der EZB bei 4,00% ……