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Inflation Rate (HICP) in der EU weiter schwach / update 1

Die Rohstoffpreise schwanken mit hohen Volatilitäten durch die Märkte und durch das Anziehen der Preise werden die Stimmen laut, die Inflation sei auf dem Vormarsch. Die Signale sind klar zu deuten. Besonders am Goldpreis soll dies gut zu erkennen sein, da Gold kurz vor dem Sprung über 1000 Dollar pro Unze sei. So, so…….

Ist das immer wieder ein zwanghafter Wunsch oder ein Muss, dass Inflation in der Zukunft eintreten wird? Egal was die schreibende Zunft herbei sehnen will, die Preise fallen weiter. Die Globalisierung wird den Mechanismus „Preisverfall“ nicht unterbrechen. Die Unternehmen stehen unter einem enormen Konkurrenzdruck und es ist diesen Wirtschaftssubjekten gar nicht möglich, höhere Preise durchzusetzen.

Deswegen werden wir noch lange in einem Umfeld fallender sowie stagnierender Preise in den Güter -und Dienstleistungssektoren leben.

Thomas Wegner

4 Kommentare

1 anonym - 04.09.2009 um 14:28

die annualisierte 3 monats kernrate juli ist bei 1.7% und die annualisierte headline bei 3.4%. die einzigen deflationären sektoren yoy sind transportation und (minimal) housing. woher sollen da die fallenden güter- und dienstleistungspreise herkommen???

p.s: das problem bei yoy inflation ist die vergangenheitsbezogenheit. außerdem kommt der preisverfall ausschließlich aus dem energiesektor.

2 Thomas Wegner - 05.09.2009 um 9:18

@anonym

“woher sollen da die fallenden güter- und dienstleistungspreise herkommen???”

Das aufgeblähte Kreditwachstum hat viele Unternehmen zur Überproduktion verleitet. So wie in den meisten Boomphasen. Es wurden Zukäufe (Umsatz einkaufen) für jeden Preis umgesetzt, um die Wachstumszahlen zu erreichen und zu überbieten. Es entstanden große Überkapazitäten, sprich die Lager sind voll.

Dies fand nicht nur in den großen Industrieunternehmen statt. Ein Kunde berichtete mir, dass in seiner Firma Anfang 2008 bestimmte Manager daraufhingewiesen haben, dass es in Zukunft Nachfrageprobleme geben wird. Ende 2006 ist in diese Firma ein Investor eingetreten und damit begann der Performancedruck. Da wurden Zielrenditen um 20 % p.a. angesetzt. Ja, nicht nur Herr Ackermann nimmt solche Zahlen in den Mund.

In den betroffenen Verwaltungsbüros wunderte man sich, dass immer mehr Aufträge verschoben, storniert und später komplett aufgelöst wurden. Produziert wurde aber auf gleichen Niveau wie im Vorjahr.

Dann kam der massive Nachfrageeinbruch. Das Problem, welches die Firmen haben, ist der massive Rückgang im Welthandelsvolumen. Ein Blick in die EU Bilanz lässt das Ausmaß deutlich erkennen. Das statistische Bundesamt meldete vor ein paar Tagen, dass das Volumen im Güterverkehr in Deutschland den stärksten Einbruch seit 1955 erleiden musste. Neuste Meldungen der Deutschen Bahn zeigten an, dass mindestens 6000 Angestellte ihren Job verlieren werden.

Ein Firmenkunde berichtete mir, welcher als Zulieferer im Automobilsektor tätig ist, dass der Nachfrageeinbruch bei ihm im dritten Quartal 2008 so schwer war, dass er Gedanken zulassen musste, ob die GmbH zahlungsunfähig wird. In seiner 20 jährigen Tätigkeit als Geschäftsführer hat er dies noch nicht erleben müssen.

Ein großes Werk hat bei uns „vor der Haustür“ ein paar Millionen in Produktionsstraßen investiert und nun ist seit Monaten Kurzarbeit, gepaart mit Ausstellungen angesagt.

Die Preise fallen?

Welche Ausgangssituation haben die Firmen in ihrem Wettbewerbsleben? Die letzten Jahre bestanden niedrige Firmenrentabilitäten, alle befanden sich im „Boommodus“. Spreche ich die Angestellten oder Firmeninhabern der oben angesprochenen Firmen auf Lohnerhöhungen an, sehe ich nur verträumte Augen. Seit Jahren wurden kaum Lohnerhöhungen erzielt/durchgesetzt. Sollte das doch erfolgt sein, müssen dafür über andere Wege Zusatzleistungen z.b. mehr unbezahlte Überstunden usw. erbracht werden. Mehr Netto ist nicht vorhanden.

Alle diese Konstellationen gehen einher mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Da sprechen wir noch nicht über das Konzept „Leiharbeiter“. In der Summe muss ganz klar anzweifelt werden, dass die betoffenen Firmen aktuell keinerlei Möglichkeiten haben, höher Löhne zu bezahlen oder ihre Preise für Güter und Dienstleistungen zu erhöhen.

Natürlich können Sie jetzt Argumentieren, aber Herr Wegner, viele Bereiche im Dienstleistungssektoren verzeichnen „nette“ Wachstumsraten. Das stimmt! Nur stehen diese Unternehmen massiv unter Kostendruck, da aus Niedriglohnländern immer noch deutlich unter unseren Betriebskosten produziert/Dienstleistungen erbracht werden können.

Damit nicht noch mehr Angestellte in Unternehmen ihren Arbeitsplatz verlieren, werden vorhandene Überstunden abgebaut, Kurzarbeit gewählt und dann kommen Entlassungen.

Die Unternehmen haben höhere Refinanzierungskosten und dass bekannte Problem überhaupt sich Refinanzieren zu können. Um Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Die abgelaufenen markanten Insolvenzen, welche verstärkt aus den Medien entnommen werden können, zeigen die Probleme mehr als deutlich auf.

Der Verschuldunggrad der Unternehmen alleine in Europa ist seit 2000 massiv gestiegen. Bei den Verbrauchern und den Staaten sieht es nicht besser aus. Alle sind verdammt zum Wachstum. Der Druck ist gewaltig gestiegen und nun bezahlen alle den Zins für ihre Gier, immer mehr zu wollen. Konsumverzicht stand nie zur Debatte.

Das Beispiel „Umweltprämie“ hat gezeigt, wie ausweglos die Situation ist. Der Wahn kennt keine Grenzen mehr.

Zusammenfassung:

Meine Meinung ist, dass es in der Summe aller Wirtschaftssubjekte unmöglich sein wird, höhere Preise für Güter oder Dienstleistungen durchzusetzen. Das Prinzip „überleben“ und „neu positionieren“ steht auf der Tagesordnung. Umsatz kann nur mit „billig, Geiz ist geil“ und anderen trickreichen Ideen generiert werden.

Die Angst um den Arbeitsplatzverlust, die Angst um die Zukunft (Altersvorsorge), die Angst um die Zukunft meiner Kinder, die Angst um meine Schulden, welche immer mehr drücken, die Angst noch mehr Geld und Vermögen zu verlieren werden private und gewerbliche Verbraucher zur Vorsicht walten lassen. Das bremst massiv Nachfrage und das Angebot kann nicht bedient werden. Dieses Ungleichgewicht wird noch länger bestehen bleiben. Die Politik strengt sich „ganz dolle an“ alle noch mehr zu verunsichern. Sie kennen die Schlagzeilen.

Der Preisverfall ist das Ergebnis von Gier, Konsumrausch, Kurzsichtigkeit im Denken, Betrug, Lügen und dem Verfall zwischenmenschlicher Beziehungen.

3 Reinhard - 05.09.2009 um 18:25

Dazu meine 2 cent : Der Preisanstieg in vielen Bereichen ist das Ergebnis von massiver Kreditausweitung, Gier, Konsumrausch, Kurzsichtigkeit im Denken, und Betrug. Der Preiseinbruch bei manchen Waren und Dienstleistungen ist durch die plötzliche Kontraktion der Kredite bzw. (Giral)Geldmenge ausgelöst worden. Wenn die Geldmenge wieder steigt, werden mE auch die Preise vieler Güter wieder steigen, unabhängig von der Kapazitätsauslastung. Administrative Preise fallen ja sowieso nie.

4 Psycho - 07.09.2009 um 16:42

sie beide haben nachvollziehbare argumente. seit wochen wäge ich diese positionen gegeneinander ab und komme zu keinem klaren schluss. was mir kurzfristig an dem inflationsszenario nicht passt, ist der von ihnen, herr wegner, erwähnte “hype” in der presse. das haben zuviele auf dem schirm, da stimmt was nicht…ungeachtet des preisdämpfenden elements der globalen überkapazitäten. langfristig allerdings ist das papiergeldsystem mit all seinen schulden und neuen schulden und konjunkturprogrammen und geldmangenaufblähung etc m.e. nicht aufrechtzuerhalten. wo ist der wert dahinter? die frage ist wahrscheinlich der zeitpunkt wann die “große inflation” einsetzt. ich befürchte, wenn man es merkt, ist es zu spät…

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