Sitemap  |  Feedback  |  RSS  |  Kontakt  |  Links

Markt-Daten.de    web

Bundesbank – Zur Verlustlage der Banken 2008

Alljährlich gibt die Bundesbank eine konsolidierte Analyse zur Ertragslage der deutschen Banken heraus: Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2008. (Referenz: Text)
Für den eiligen Leser nachstehend einige der Kernergebnisse:

Zunächst zur Ertragslage aller Kreditinstitute. Dazu die Bundesbank:

„Der Jahresüberschuss vor Steuern brach im Vergleich zum Vorjahr [2007] um 45,5 Mrd € ein, sodass erstmals ein Fehlbetrag in Höhe von 25,0 Mrd € ausgewiesen werden musste.“

(Graphik 1) (Text Seite 37)

Wen hat es am stärksten getroffen? Gemessen am Jahresüberschuss vor Steuern – die Großbanken (-17,8 € Mrd.), die Landesbanken (-6,1 € Mrd.), die Realkreditinstitute (-2,9 € Mrd.) und die Banken mit Sonderaufgaben (-3,4 € Mrd.). (Übersicht 2 – rechte Spalte). Man beachte auch die Entwicklung der Betriebsergebnisse (vordere & mittlere Spalten) 2007 vs. 2008 (vor Bewertungsmaßnahmen!).

1. Die Struktur der desolaten Ergebnisse wird noch deutlicher in der folgenden Übersicht, die einzelne Aufwandspositionen in Relation zur „Summe aller Überschüsse im operativen Geschäft“ setzt. (Übersicht 3)

Im operativen Geschäft selbst sollte zunächst einmal die Zeile „Netto-Ergebnis aus Finanzgeschäften“ [= Netto-Ergebnis aus dem Eigenhandel mit Wertpapieren, Finanzinstrumenten, Devisen und Edelmetallen] in Augenschein genommen werden. Alle Kreditinstitute zusammen erwirtschafteten 2008 lt. Bundesbank im Eigenhandel einen Verlust von € 17,6 Mrd. Der größte Teil davon nämlich € 15,4 Mrd. entfiel auf die Großbanken (Text S. 41). Eher beiläufig in der Fußnote 4 auf Seite 41 erwähnt die Bundesbank:

„Durch diese Umwidmungen unterliegen die entsprechenden Wertpapiere nicht mehr dem strengen, sondern dem gemilderten Niederstwertprinzip. Folglich sind im Fall einer vorübergehenden Wertminderung außerplanmäßige Abschreibungen nicht mehr verpflichtend, sondern liegen im Ermessen des jeweiligen bilanzierenden Instituts.“

[Einzelheiten zu dem Thema wann das strenge bzw. gemilderte Niedrigstwertprinzip bei Banken zu gelten hat sind diesem Link und dem Text des § 340 HGB insbesondere §340 f zu entnehmen.]

2. Die nächste Zeile der Übersicht 3, die Aufmerksamkeit verdient, lautet „Bewertungsergebnis“ [in Prozent der Überschüsse des „operativen Ergebnisses“]. Dazu die Bundesbank:

„Der Netto-Bewertungsaufwand (Graphik 4) der deutschen Kreditinstitute für Wertpapiere der Liquiditätsreserve, Forderungen und Kredite erhöhte sich nach einem Anstieg um rund 9,6 Mrd € im Jahr 2007 abermals um nahezu 13 Mrd € und übertraf mit einem Niveau von 36,6 Mrd € somit den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2002 (31,2 Mrd €).“

(Text S. 47)

Diese knapp € 13 Mrd. schlagen sich (siehe Übersicht 3) bei allen Banken mit 34, 2 Prozent des operativen Überschusses nieder am stärksten, bei den üblichen Verdächtigen (Großbanken, Landesbanken, Genossenschaftliche Zentralbanken und Realkreditinstitute).
Zu den Ursachen schreibt die Bundesbank:

„Als Hauptursachen für den massiv gestiegenen Netto-Bewertungsaufwand bei Krediten und Forderungen wurden laut den veröffentlichten Geschäftsberichten deutlich gestiegene Abschreibungen im Auslandsgeschäft infolge der Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sowie aufgrund der signifikanten Erhöhung einzelner Länderrisiken im Zusammenhang.
mit der Finanzkrise genannt. Für das inländische Kreditgeschäft, dessen Bedeutung für das Bewertungsergebnis jedoch im Berichtsjahr eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte, wurden vor allem die sich als Folge der Finanzkrise ergebenden eintrübenden Konjunkturerwartungen als wesentliche Determinante für eine höhere Risikovorsorge angeführt.“

(Text S. 48)
Und weiter:

„Auch die Risikovorsorge bei den Wertpapieren der Liquiditätsreserve dürfte laut den veröffentlichten Geschäftsberichten primär durch die Finanzmarktturbulenzen beeinflusst gewesen sein. Von größerer Bedeutung dürften hierbei die im Vergleich zum Vorjahr um rund 80% auf insgesamt 8,8 Mrd € gestiegenen und insbesondere durch ausgeweitete Zinsspreads bedingten Kurswertabschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere gewesen sein, die teilweise in das Bewertungsergebnis einflossen. Zudem wurde der Netto-Bewertungsaufwand durch erhöhte Abschreibungen auf Aktien sowie durch Verluste aus dem Verkauf und der Bewertung eigener Aktien belastet. Leicht gestützt wurde das Bewertungsergebnis laut den veröffentlichten Geschäftsberichten bei einzelnen Banken durch die Auflösung von stillen Vorsorgereserven
(gemäß § 340 f HGB).“

(Text S. 49)

Bleibt als letzte bemerkenswerte Position in der Übersicht 3 die Zeile „Saldo der anderen außerordentlichen Erträge und Aufwendungen“. Dazu die Bundesbank:

„Nachdem die „außerordentliche Rechnung“ – bedingt durch einen Einmaleffekt – im Vorjahr noch annähernd ausgeglichen gewesen war, minderte sie die Ertragsrechnung der deutschen Banken im Berichtsjahr ungewöhnlich stark; ihr Saldo sank von 0,1 Mrd € in 2007 auf – 16,9 Mrd 3 in 2008. Entscheidend für diese massive Verschlechterung war das Ergebnis aus dem Finanzanlagengeschäft (– 13,5 Mrd €, nach 5,0 Mrd € im Vorjahr). Hier schlugen in erster Linie im Zusammenhang mit der Finanzkrise stehende Abschreibungen auf Beteiligungen und Wertpapiere des Anlagebestandes zu Buche.“

(Text S. 50)
Übersicht 5 verdeutlicht die Zusammensetzung dieser Position.

Fassen wir zusammen:
Das Ergebnis aller Kreditinstitute betrug 2008 vor Steuern lt. Bundesbank
€ -25 Mrd. (Gegenüber 2007 eine Ergebnisverschlechterung von immerhin 45,5 Mrd. €)
In diesem Ergebnis sind cum grano salis folgende Aufwendung der Finanzkrise direkt oder indirekt zuzurechnen –

-17,6 Mrd. € aus Eigenhandel (Bundesbank Erläuterungen S. 41 ff)
-13,0 Mrd. € aus Netto-Bewertungsaufwand (Bundesbank Erläuterungen S. 47ff)
-16,9 Mrd. € aus „außerordentlicher Rechnung“ (Bundesbank Erläuterungen S. 50 ff)

In toto ergibt diese Mildmädchenrechnung –47,5 Mrd. € (- eine Milchmädchenrechnung ist es, weil die obigen Aufwandspositionen hier nur saldiert (mit Erträgen) und für alle Kreditinstitute konsolidiert ausgewiesen wird (es gab ja auch Kreditinstitute, die kaum von der Finanzkrise betroffen waren und Erträge in diesen Positionen aufzuweisen haben).

Im Kontrast dazu im Januar 2009 SPO:

„Danach besitzen diese Institute “toxische Wertpapiere” im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro, von denen erst rund ein Viertel abgeschrieben wurde. Der Rest steht noch immer zu mittlerweile illusorischen Werten in den Büchern. Das Finanzministerium selbst geht davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt.“

Tja, looks like – Something’s gotta give :-)

Einen schönen Abend!

4 Kommentare

1 Reinhard - 24.09.2009 um 21:57

Ich denke mal das ist mit den Bankbilanzen wie mit den Geldmengenzahlen … nicht das Papier wert auf dem sie geschrieben wurden … ;-)

2 die Simpsons - 26.09.2009 um 6:22

Sehr richtig, Bankbilanzen die in die Welt der Märchen gehören. Und der Steuerzahler muss diesen Hokus Pokus auch noch bezahlen. 1 Billion Euro Risikopapiere? Die Bilanzen der Banken = Baron Münchhausen oder die Gebrüder Grimm.

3 Jabberwock - 26.09.2009 um 7:05

…einverstanden “nicht das Papier wert auf dem sie geschrieben wurden”, …Baron Münchhausen oder Brüder Grimm. Und ich darf hinzufügen, allles mit staatlicher Genehmigung!
Nun aber erhebt sich doch die Frage:

Warum tragen alle noch ihr Geld zur Bank?

“The truth about the world is that anything is possible. Had you not seen it all from birth and thereby bled it from its strangeness it would appear to you for what it is, a hat trick in a medicine show, a fevered dream, a trance bepopulate with chimeras having neither analogue nor precedent, an itinerant carnival, a migratory tentshow whose ultimate destination after many a pitch in many a mudded field is unspeakable and calamitous beyond reckoning.”
(Cormac McCarthy, Blood Meridian, 1985)

4 Bundesbank erwartet noch mehr Kreditausfälle bei deutschen Banken - 05.01.2010 um 13:08

[...] in finanzieller Hinsicht: „Während die Schwierigkeiten der Banken zunächst vorwiegend aus dem Eigenhandel mit toxischen Papieren resultierten, wird sich die Krise in diesem Jahr auch in einem erhöhten Abschreibungsbedarf auf [...]

du musst angemeldet sein, um zu schreiben.