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Ein nicht so neues Spiel – die Verbriefung von Lebensversicherungen

Die New York Times berichtet heute unter dem Titel „Wall Street Pursues Profit in Bundles of Life Insurance“ über die Absicht der Banken Lebensversicherungen aufzukaufen, diese zu bündeln und als strukturierte Anleihen zu verkaufen. Und G&S hat sogar schon einen Index für das zukünftige Geschäft entwickelt.

Das beabsichtigte Modell ist einfach: Kranke oder in Finanznot geratene Personen, die eine Kapital-Lebensversicherung haben, könnten ihren Vertrag verkaufen. Je höher die Wahrscheinlichkeit für das nahe zeitliche Ableben, umso höher der Preis für die laufende Versicherung. Diese Versicherungsverträge würden dann gebündelt und strukturiert. Ein AAA Rating würden jene Verträge erhalten, die krankheits- oder altersbedingt statistisch unmittelbar vor dem „Versicherungsfall“ stehen – und umgekehrt.

Das Geschäft mit Lebensversicherungen und Annuitäten ist keinesfalls neu und hat eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. „Betting on Lives“ erreichte seinen historischen Höhepunkt in England zwischen 1688 und 1774 als dieses ‚Gesellschaftsspiel’ dann endgültig von englischen Parlament (aus moralischen Gründen) verboten wurde.

Finanztheoretisch interessant ist die Tatsache, dass diese Geschäfte (häufig auch als Mittel der Staatsfinanzierung in Form von Annuitäten und in Kombination mit Lotterien verwendet) mit Lebensversicherungen (oder Tontines) zu einem Zeitpunkt populär wurden, als weder die Sterbestatistik noch die finanzmathematischen / statistischen Grundlagen hinreichend entwickelt waren. Bis ins späte 17. Jahrhundert wurden Lebensversicherungen ohne Berücksichtigung des Alters des Versicherten gehandelt!

[Die mathematische Wahrscheinlichkeitsrechnung begann ja erst mit der Lösung des sog. „Teilungsproblems“ durch Pascal und Fermat nach 1654. Zwar machte der Holländer Jan de Witt um 1671 einen ersten Versuch das Problem der Lebenserwartung zu lösen, aber es war der Engländer Edmund Haley, der mit Sterbedaten der Stadt Breslau 1693 erstmals eine einigermaßen belastbare Sterbetabelle vorlegte, die es dann Abraham de Moivre (Annuities upon Lives, 1725) ermöglichte, die mathematisch korrekte Berechnung zu entwickeln.]

Wir dürfen also gespannt sein, wie die Banken die Verbriefung der Lebensversicherungen angehen werden. Auch wenn die finanzmathematischen Probleme heute gelöst scheinen, die Realität spielt der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit den „fat tails“ immer wieder Streiche. Die durchschnittliche Lebenserwartung erhöhte sich im 20. Jh. in den USA um 30 Jahre. In 1910 hatte eine 60-jährige Frau in Deutschland noch eine Lebenserwartung von 14,2 Jahren. Hundert Jahre später waren es knapp 10 Jahre mehr. (Quelle)

Wie würde sich eine globale Epidemie auf die Zahlungsfähigkeit der Versicherer auswirken? Wie die Entwicklung eines Heilmittels gegen Krebs?
Wir dürfen gespannt sein – no risk, no fun!

Einen schönen Sonntagabend!