Bild des Tages
Realisierte (grün) und erwartete (rot) Wertberichtigungen der Banken

Quelle: Global Financial Stability Report
Details zum Bild: Seite 10 des IMF-Berichtes
Leseempfehlung für die ersten 18 Seiten
Realisierte (grün) und erwartete (rot) Wertberichtigungen der Banken

Quelle: Global Financial Stability Report
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Die Veröffentlichung der Flow of Funds – Daten wurde bereits angesprochen (Flow of Funds Accounts (Q2 2009) – private Haushalte entschulden weiter, öffentliche Haushalte legen nach ); heute folgen nun einige Aspekte der US Verbindlichkeiten im Ausland.
Tabellarische Übersicht:

Die US Verschuldung von 52,8 Bill. USD wird zu 14,6% oder mit 7,716 Bill. USD vom Ausland finanziert.
Im Bild der historische Verlauf:

Die Wachstumsgeschwindigkeit der Auslandverschuldung hat sich deutlich reduziert; im zweiten Quartal 2009 lag sie nur noch bei 1,8% im Vergleich zum Vorjahr. Rückläufig war weiterhin das ausländische Interesse an US Unternehmensanleihen (-12,6%) und Agency Bonds (-16,6%), während langfristige US Staatsanleihen mit einer jährlichen Rate von 34,3% Abnehmer im Ausland fanden.
Nachfolgender Chart zeigt das jährliche Wachstum sämtlicher US Kreditmarktinstrumente:

Zuletzt ein Chart zu den US Treasuries; im zweiten Quartal 2009 hielten Zentralbanken 73,7% von den Anleihen in ausländischer Hand, der Rest lag bei privaten Investoren. Für beide Gruppen ist der nominale Verlauf in Mrd. USD dargestellt, insbesondere der sprunghafter Anstieg der letzten Jahre dürfte Sorgenfalten bei asiatischen Zentralbänkern hervorrufen.

Das PDF Dokument zur US Verschuldung, die vom Ausland gehalten wird, wurde aktualisiert.
das
On June 3, 1975, Fed Chairman Arthur Burns, sent a “Memorandum For The President”
to Gerald Ford, which among others CC:ed Secretary of State Henry Kissinger and future Fed
Chairman Alan Greenspan, discussing gold, and specifically its fair value, a topic whose prominence,
despite former president Nixon’s actions, had only managed to grow in the four short years since the
abandonment of the gold standard in 1971. In a nutshell Burns’ entire argument revolves around the
equivalency of gold and money, and furthermore points out that if the Fed does not control this core
relationship, it would “easily frustrate our efforts to control world liquidity” but also
“dangerously prejudge the shape of the future monetary system.” Furthermore, the memo
goes on to highlight the extensive level of gold price manipulation by central banks even after the
gold standard has been formally abolished.
http://www.zerohedge.com/article/smoking-gun-fed-controlling-gold
More banks feeling pressure from bad loans
By Wendell Cochran
Sept. 16, 2009
The tide of bad loans and foreclosed properties just keeps rising at the nation’s banks and credit unions, according to an analysis of the most recent federal banking records conducted by the Investigative Reporting Workshop.
At the end of June, troubled assets at the nation’s 8204 banks insured by the Federal Deposit Insurance Corp. totaled more than $323 billion, up from $237 billion six months ago and just $170 billion a year ago.
[Freie Übersetzung: Die 8204 Banken, deren Einlagen bei der Federal Deposit Insurance versichert sind, wiesen Ende Juni [2009] Problemkredite und requirierte Immobilien (troubled assets) von mehr als US $ 323 Mrd. aus, verglichen mit 237 Milliarden Dollar vor einem halben Jahr und nur 170 Milliarden Dollar vor einem Jahr.]
The much smaller credit union sector also has seen large increases in bad loans and foreclosed properties. A year ago, credit unions had about $6.2 billion in troubled assets. At the end of June 2009, that had risen to nearly $10.5 billion.
In the Workshop analysis, troubled assets at banks include loans more than 90 days past due, loans on which banks are no longer claiming interest income (nonaccrual loans) and properties aquired through foreclosure. For credit unions, troubled assets are the combination of loans past due more than 60 days and properties aquired through foreclosure.
And with profits at many banks turning into losses and eating up capital over the past year, the number of institutions with a “troubled asset ratio” of greater than 100 has skyrocketed. In June 2008, only 77 FDIC-insured banks had more troubled assets on their books than they had capital and loan loss reserves. A year later, that figure has climbed to 298. The troubled asset ratio is calculated by dividing total troubled assets by the amount of capital plus loan loss reserves.
Quelle
Alljährlich gibt die Bundesbank eine konsolidierte Analyse zur Ertragslage der deutschen Banken heraus: Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2008. (Referenz: Text)
Für den eiligen Leser nachstehend einige der Kernergebnisse:
Zunächst zur Ertragslage aller Kreditinstitute. Dazu die Bundesbank:
„Der Jahresüberschuss vor Steuern brach im Vergleich zum Vorjahr [2007] um 45,5 Mrd € ein, sodass erstmals ein Fehlbetrag in Höhe von 25,0 Mrd € ausgewiesen werden musste.“
(Graphik 1) (Text Seite 37)
Wen hat es am stärksten getroffen? Gemessen am Jahresüberschuss vor Steuern – die Großbanken (-17,8 € Mrd.), die Landesbanken (-6,1 € Mrd.), die Realkreditinstitute (-2,9 € Mrd.) und die Banken mit Sonderaufgaben (-3,4 € Mrd.). (Übersicht 2 – rechte Spalte). Man beachte auch die Entwicklung der Betriebsergebnisse (vordere & mittlere Spalten) 2007 vs. 2008 (vor Bewertungsmaßnahmen!).
1. Die Struktur der desolaten Ergebnisse wird noch deutlicher in der folgenden Übersicht, die einzelne Aufwandspositionen in Relation zur „Summe aller Überschüsse im operativen Geschäft“ setzt. (Übersicht 3)
Im operativen Geschäft selbst sollte zunächst einmal die Zeile „Netto-Ergebnis aus Finanzgeschäften“ [= Netto-Ergebnis aus dem Eigenhandel mit Wertpapieren, Finanzinstrumenten, Devisen und Edelmetallen] in Augenschein genommen werden. Alle Kreditinstitute zusammen erwirtschafteten 2008 lt. Bundesbank im Eigenhandel einen Verlust von € 17,6 Mrd. Der größte Teil davon nämlich € 15,4 Mrd. entfiel auf die Großbanken (Text S. 41). Eher beiläufig in der Fußnote 4 auf Seite 41 erwähnt die Bundesbank:
„Durch diese Umwidmungen unterliegen die entsprechenden Wertpapiere nicht mehr dem strengen, sondern dem gemilderten Niederstwertprinzip. Folglich sind im Fall einer vorübergehenden Wertminderung außerplanmäßige Abschreibungen nicht mehr verpflichtend, sondern liegen im Ermessen des jeweiligen bilanzierenden Instituts.“
[Einzelheiten zu dem Thema wann das strenge bzw. gemilderte Niedrigstwertprinzip bei Banken zu gelten hat sind diesem Link und dem Text des § 340 HGB insbesondere §340 f zu entnehmen.]
2. Die nächste Zeile der Übersicht 3, die Aufmerksamkeit verdient, lautet „Bewertungsergebnis“ [in Prozent der Überschüsse des „operativen Ergebnisses“]. Dazu die Bundesbank:
„Der Netto-Bewertungsaufwand (Graphik 4) der deutschen Kreditinstitute für Wertpapiere der Liquiditätsreserve, Forderungen und Kredite erhöhte sich nach einem Anstieg um rund 9,6 Mrd € im Jahr 2007 abermals um nahezu 13 Mrd € und übertraf mit einem Niveau von 36,6 Mrd € somit den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2002 (31,2 Mrd €).“
(Text S. 47)
Diese knapp € 13 Mrd. schlagen sich (siehe Übersicht 3) bei allen Banken mit 34, 2 Prozent des operativen Überschusses nieder am stärksten, bei den üblichen Verdächtigen (Großbanken, Landesbanken, Genossenschaftliche Zentralbanken und Realkreditinstitute).
Zu den Ursachen schreibt die Bundesbank:
„Als Hauptursachen für den massiv gestiegenen Netto-Bewertungsaufwand bei Krediten und Forderungen wurden laut den veröffentlichten Geschäftsberichten deutlich gestiegene Abschreibungen im Auslandsgeschäft infolge der Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers sowie aufgrund der signifikanten Erhöhung einzelner Länderrisiken im Zusammenhang.
mit der Finanzkrise genannt. Für das inländische Kreditgeschäft, dessen Bedeutung für das Bewertungsergebnis jedoch im Berichtsjahr eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte, wurden vor allem die sich als Folge der Finanzkrise ergebenden eintrübenden Konjunkturerwartungen als wesentliche Determinante für eine höhere Risikovorsorge angeführt.“
(Text S. 48)
Und weiter:
„Auch die Risikovorsorge bei den Wertpapieren der Liquiditätsreserve dürfte laut den veröffentlichten Geschäftsberichten primär durch die Finanzmarktturbulenzen beeinflusst gewesen sein. Von größerer Bedeutung dürften hierbei die im Vergleich zum Vorjahr um rund 80% auf insgesamt 8,8 Mrd € gestiegenen und insbesondere durch ausgeweitete Zinsspreads bedingten Kurswertabschreibungen auf festverzinsliche Wertpapiere gewesen sein, die teilweise in das Bewertungsergebnis einflossen. Zudem wurde der Netto-Bewertungsaufwand durch erhöhte Abschreibungen auf Aktien sowie durch Verluste aus dem Verkauf und der Bewertung eigener Aktien belastet. Leicht gestützt wurde das Bewertungsergebnis laut den veröffentlichten Geschäftsberichten bei einzelnen Banken durch die Auflösung von stillen Vorsorgereserven
(gemäß § 340 f HGB).“
(Text S. 49)
Bleibt als letzte bemerkenswerte Position in der Übersicht 3 die Zeile „Saldo der anderen außerordentlichen Erträge und Aufwendungen“. Dazu die Bundesbank:
„Nachdem die „außerordentliche Rechnung“ – bedingt durch einen Einmaleffekt – im Vorjahr noch annähernd ausgeglichen gewesen war, minderte sie die Ertragsrechnung der deutschen Banken im Berichtsjahr ungewöhnlich stark; ihr Saldo sank von 0,1 Mrd € in 2007 auf – 16,9 Mrd 3 in 2008. Entscheidend für diese massive Verschlechterung war das Ergebnis aus dem Finanzanlagengeschäft (– 13,5 Mrd €, nach 5,0 Mrd € im Vorjahr). Hier schlugen in erster Linie im Zusammenhang mit der Finanzkrise stehende Abschreibungen auf Beteiligungen und Wertpapiere des Anlagebestandes zu Buche.“
(Text S. 50)
Übersicht 5 verdeutlicht die Zusammensetzung dieser Position.
Fassen wir zusammen:
Das Ergebnis aller Kreditinstitute betrug 2008 vor Steuern lt. Bundesbank
€ -25 Mrd. (Gegenüber 2007 eine Ergebnisverschlechterung von immerhin 45,5 Mrd. €)
In diesem Ergebnis sind cum grano salis folgende Aufwendung der Finanzkrise direkt oder indirekt zuzurechnen –
-17,6 Mrd. € aus Eigenhandel (Bundesbank Erläuterungen S. 41 ff)
-13,0 Mrd. € aus Netto-Bewertungsaufwand (Bundesbank Erläuterungen S. 47ff)
-16,9 Mrd. € aus „außerordentlicher Rechnung“ (Bundesbank Erläuterungen S. 50 ff)
In toto ergibt diese Mildmädchenrechnung –47,5 Mrd. € (- eine Milchmädchenrechnung ist es, weil die obigen Aufwandspositionen hier nur saldiert (mit Erträgen) und für alle Kreditinstitute konsolidiert ausgewiesen wird (es gab ja auch Kreditinstitute, die kaum von der Finanzkrise betroffen waren und Erträge in diesen Positionen aufzuweisen haben).
Im Kontrast dazu im Januar 2009 SPO:
„Danach besitzen diese Institute “toxische Wertpapiere” im Volumen von knapp unter 300 Milliarden Euro, von denen erst rund ein Viertel abgeschrieben wurde. Der Rest steht noch immer zu mittlerweile illusorischen Werten in den Büchern. Das Finanzministerium selbst geht davon aus, dass der gesamte deutsche Bankensektor Risikopapiere mit einer Summe von bis zu einer Billion Euro in den Büchern führt.“
Tja, looks like – Something’s gotta give
Einen schönen Abend!
und zu dem immer wieder gern behaupteten Zusammenhang von schwacher Konjunktur und Deflation :
…… The deflation of the early 1930s was not caused by tight money. It was the result of panic purchases of fixed-dollar priced gold. From the end of 1929 until early 1933 the Consumer Price Index fell by 27%.
By mid-1932 there were public fears of a change in the gold-dollar relationship. In their classic text, “A Monetary History of the United States,” economists Milton Friedman and Anna Schwartz wrote, “Fears of devaluation were widespread and the public’s preference for gold was unmistakable.” Panic ensued and there was a rush to buy gold…..
….The consumer price index from early 1933 through mid-1937 rose by about 15% in spite of double-digit unemployment. And that’s the story.
The lessons here are pretty straightforward. Inflation can and did occur during a depression, and that inflation was strictly a monetary phenomenon.
Letzten Donnerstag veröffentlichte das FRB den Flow of Funds Accounts Bericht für das zweite Quartal 2009; daraus der Schuldenstand in der Übersicht:

Der Bericht lässt sich auf die einfache Formel bringen, die privaten Haushalte fahren ihre Verschuldung weiter runter und die öffentlichen Haushalte nehmen weiter Schulden auf.
Der gesamte Schuldenstand notierte bei 52,8 Billiarden US-Dollar nach 52,9 Billiarden US-Dollar im Vorquartal. Auf Quartalsbasis ist dies das zweite Mal seit der vierteljährlichen Datenerfassung, 1952, dass der Schuldenstand sank; jetzt um -0,2%. Zuvor war dies im ersten Quartal 1954 (-0,4%) der Fall. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Verschuldung um + 3,0%. Rückläufig war die Verschuldung der privaten Haushalte (-0,4%), des Finanzsektors (-3,1%) und der Unternehmen (-0,5%). Während privat entschuldet wird, fordern die staatlichen Subventionen Tribut; der Bundeshaushalt nimmt weitere Schulden auf, + 7,0% zum ersten Quartal 2009 und + 35,7% im Jahresvergleich.
Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt notierte die US Verschuldung im zweiten Quartal 2009 bei 373,1%; die des Finanzsektors bei 116,6%, die der Unternehmen bei 78,8% und die der privaten Haushalte bei 96,8%. Für diese drei Sektoren wie auch für die Gesamtverschuldung (inklusive der öffentlichen Hand) ist die Entwicklung seit 1920 in folgendem Chart dargestellt:

Die US Verbindlichkeiten im Ausland und Vermögenslage der US Haushalte wird später gesondert abgehandelt.
die aktuelle Ausgabe des KID Konjunktur-Indikators Deutschland:

http://www.huffingtonpost.com/2009/09/07/priceless-how-the-federal_n_278805.html
Das Chart von Helmut „US Konsumentenkredite“ zeigt recht deutlich, dass die Nachfrage nach Konsumentenkredite aktuell historisch betrachtet negative Veränderungsraten aufweist.
Ist es diesmal anders? Können die Verbraucher in den USA an das alte Konsumverhalten anknüpfen? Blicken wir auf den S&P 500 mit seinen monatlichen Veränderungsraten in Prozent, entsteht der Eindruck, das steigende Aktienkurse eventuell eine expansive Nachfrage nach Kredite auslösen.
Um das Bild etwas klarer hervorzuheben, habe ich die monatlichen Veränderungsraten über die S&P 500 Schlusskurse mit einem 12 Monatsdurchschnitt geglättet. Steigende Aktienkurse könnten grundsätzlich als Motivation für Konsumentenkredite dienen. Rein visuell suggeriert das Chart eine positive Korrelation zwischen Aktienkurse und Kreditnachfrage.
Nun wird sich die Geschichte entscheiden, was wir in Zukunft diskutieren dürfen. Werden die Probleme der hohen Verschuldung amerikanischer Verbraucher ernsthaft angegangen und die motivierte Entschuldung favorisiert? Die Sparrate der verfügbaren Einkommen spricht bis jetzt eine klare Sprache. Dies könnte bedeuten, die Aktienkurse in den befindlichen Aufwärtstrend werden ein Ende finden. Unter anderem Vermögenswerte verkaufen, um Schulden zu tilgen? Die Kreditnachfrage bleibt weiter schwach oder geht noch weiter zurück? Wie können Banken die Zunahme weiterer insolventer Verbraucher geschäftspolitisch verarbeiten?
Oder die andere Möglichkeit kommt alternativ in Betracht und die Symptome „zum Wachstum verdammt“ werden als Alternative gewählt. Der Konsum geht weiter, die Nachfrage nach Krediten wird wieder belebt und die aktuellen Probleme geraten vorerst in Vergessenheit. Nur wie lange?
Viel wird von einer Erwartungsrallye in den meisten Aktienindizes gesprochen, welche bald auslaufen werden. Denn es drohen weitere schlechte Wirtschaftsnachrichten und genau diese sollten die Aktienbörsen in neue Abwärtsbewegungen abdrehen lassen.
Wir betrachten heute ausschließlich den 200 Tagesdurchschnitt, über welchen immer viel geschrieben wird. Ein Überschreiten der 200 GD soll in der technischen Analyse als langfristiges Kaufsignal gedeutet werden.
Der Indikator “InidzesWelt-200GD” {graue Linie} stellt dar, dass 95 % der Weltindizes über ihrem 200 Tagesdurchschnitt notieren. Für den Indikator habe ich als Grundlage die 36 wichtigsten Aktienindizes weltweit einprogrammiert.
So scheint es nun, dass die meisten Aktienindizes weltweit in einem stabilen Aufwärtstrend sich befinden. Wie immer gibt es genügend Argumente, um seinen eigenen Standpunkt zu begründen.
Aktualisierung des Beitrags “Industrieproduktion im internationalen Vergleich” vom 12.3.2009.
Im Vergleich die Industrieproduktion jeweils des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland, den USA und Japan. Dort, wo der größte Abschwung zu beobachten war, erholt sich das Gewerbe am deutlichsten.
In Japan fiel die Industrieproduktion maximal um 36,9% im Vergleich zum Vorjahr, in Deutschland um -22,5% und in den USA um -15,4%. In den drei Ländern wurde der Tiefstpunkt in unterschiedlichen Berichtsmonaten markiert; in Japan im Februar, in Deutschland im April und in den USA im Juni 2009.
Nachfolgender Chart zeigt den historischen Verlauf:

Schon Agamemnon klagte gegen den ‚Seher’ Kalchas:
„Unglücksehender, der nie auch ein heilsames Wort mir geredet!
Immerdar nur Böses erfreut dein Herz zu verkünden!
Gutes hast du noch nimmer geweissagt oder vollendet!“
(Homers Ilias, 1. Gesang, 106 ff)
Die Seher der modernen Industriegesellschaft sind die Ökonomen. Und die haben nach Medien und Volkes Meinung versagt. Sie haben die Krise nicht kommen sehen. Und das macht sie schuldig. Auch die Queen war nicht „amused“ und fragte anläßlich eines Besuches der London School of Economics konsterniert: „Why had nobody noticed that the credit crunch was on its way?” Die kollektive Antwort der Ökonomen auf diese einfache Frage der Queen ist hier in Worte gefasst.
Ganz schrecklich war es um den Zustand des professionellen “Obersehers” des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, im Dezember 2008 bestellt: Er gestand der staunenden Öffentlichkeit: „Wir sollten langsam aufhören, immer neue Horrorprognosen zu produzieren“. Im April 2009 schließlich drohte Zimmermann sogar mit Arbeitsverweigerung wegen seiner ungeeigneten „Werkzeugkiste“: „Sein Institut werde keine Prognose für das kommende Jahr [2010] veröffentlichen“.
Inzwischen hat sich die seherische Kraft und der Arbeitswille des Herrn Zimmermann wieder eingestellt: Gemäß DIW soll die Weltwirtschaft 2010 wieder mit 2 Prozent wachsen! Eingedenk der Agamemnonschen Klage verbreitet er nun lieber gute Nachrichten.
Und vielleicht liegt hier des sprichwörtlichen Pudels Kern? Wer hört schon gerne schlechte Prognosen? Das Leben ist doch auch so schon schwer genug und ändern kann man ohnehin nichts…. Vielleicht sind auch viele der ökonomischen Seher einfach nur rücksichtsvoll und wollen uns nicht mit traumatischen Prognosen belasten?
Alles nicht richtig! Der junge Ökonom D.J. (Dirk) Bezemer der Universität Groningen räumt diesen Verdacht aus der Welt. Es gab Ökonomen, die vor dieser Krise gewarnt haben. Nicht ein oder zwei Stimmen – nein, 12 prominente Ökonomen haben ganz konkret und schriftlich vor der nahenden Krise gewarnt.
Hier die
Liste der weitsichtigen Seher.
(Auf meiner persönlichen Liste wäre auch William H. White – ehemaliger Chefökonom der BIZ erschienen.)
Der gesamte Aufsatz von Bezemer ist unter dem Titel “No One Saw This Coming” nachzulesen.
Merke: “In economics, the majority is always wrong.” [zugeschrieben - John Kenneth Galbraith (1908-2006)]
Die New York Times berichtet heute unter dem Titel „Wall Street Pursues Profit in Bundles of Life Insurance“ über die Absicht der Banken Lebensversicherungen aufzukaufen, diese zu bündeln und als strukturierte Anleihen zu verkaufen. Und G&S hat sogar schon einen Index für das zukünftige Geschäft entwickelt.
Das beabsichtigte Modell ist einfach: Kranke oder in Finanznot geratene Personen, die eine Kapital-Lebensversicherung haben, könnten ihren Vertrag verkaufen. Je höher die Wahrscheinlichkeit für das nahe zeitliche Ableben, umso höher der Preis für die laufende Versicherung. Diese Versicherungsverträge würden dann gebündelt und strukturiert. Ein AAA Rating würden jene Verträge erhalten, die krankheits- oder altersbedingt statistisch unmittelbar vor dem „Versicherungsfall“ stehen – und umgekehrt.
Das Geschäft mit Lebensversicherungen und Annuitäten ist keinesfalls neu und hat eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. „Betting on Lives“ erreichte seinen historischen Höhepunkt in England zwischen 1688 und 1774 als dieses ‚Gesellschaftsspiel’ dann endgültig von englischen Parlament (aus moralischen Gründen) verboten wurde.
Finanztheoretisch interessant ist die Tatsache, dass diese Geschäfte (häufig auch als Mittel der Staatsfinanzierung in Form von Annuitäten und in Kombination mit Lotterien verwendet) mit Lebensversicherungen (oder Tontines) zu einem Zeitpunkt populär wurden, als weder die Sterbestatistik noch die finanzmathematischen / statistischen Grundlagen hinreichend entwickelt waren. Bis ins späte 17. Jahrhundert wurden Lebensversicherungen ohne Berücksichtigung des Alters des Versicherten gehandelt!
[Die mathematische Wahrscheinlichkeitsrechnung begann ja erst mit der Lösung des sog. „Teilungsproblems“ durch Pascal und Fermat nach 1654. Zwar machte der Holländer Jan de Witt um 1671 einen ersten Versuch das Problem der Lebenserwartung zu lösen, aber es war der Engländer Edmund Haley, der mit Sterbedaten der Stadt Breslau 1693 erstmals eine einigermaßen belastbare Sterbetabelle vorlegte, die es dann Abraham de Moivre (Annuities upon Lives, 1725) ermöglichte, die mathematisch korrekte Berechnung zu entwickeln.]
Wir dürfen also gespannt sein, wie die Banken die Verbriefung der Lebensversicherungen angehen werden. Auch wenn die finanzmathematischen Probleme heute gelöst scheinen, die Realität spielt der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit den „fat tails“ immer wieder Streiche. Die durchschnittliche Lebenserwartung erhöhte sich im 20. Jh. in den USA um 30 Jahre. In 1910 hatte eine 60-jährige Frau in Deutschland noch eine Lebenserwartung von 14,2 Jahren. Hundert Jahre später waren es knapp 10 Jahre mehr. (Quelle)
Wie würde sich eine globale Epidemie auf die Zahlungsfähigkeit der Versicherer auswirken? Wie die Entwicklung eines Heilmittels gegen Krebs?
Wir dürfen gespannt sein – no risk, no fun!
Einen schönen Sonntagabend!