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Mehr Ketzerisches zur Zukunft des Bankgeschäftes

Im Nachgang zu dem Beitrag “Ketzerisches zur Zukunft des Bankgeschäftes“ ein Update aus aktuellem Anlass mit einer Verbeugung an Reinhard, der mich vor einiger Zeit auf Thomas M. Hoenigs Vorschlag aufmerksam gemacht hat.

Thomas M. Hoenig ist Präsident der Federal Reserve Bank von Kansas City und hat am 6. März 2009 und am 21. April 2009 Vorschläge unterbreitet, die dazu geeignet sein sollen Exzesse – wie in der jüngsten Finanzkrise – einzugrenzen und zu vermeiden.

Wir sind noch mitten in den Aufräumarbeiten – Banken und Einleger werden und wurden reihenweise von Staaten und Zentralbanken und einschlägigen Institutionen „gerettet“, „weil die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems ein öffentliches Gut ist“ [sic!]und, weil „eigentlich keine der taumelnden Banken wegen ihrer Systemrelevanz insolvent gehen durfte“ so Hannes Rehm (Sprecher des Soffin) in einem sehr erhellenden FAZ-Gespräch. Diese Konstellation „öffentliches Gut“ einerseits und „Systemrelevanz“ andererseits produziert jenen unschönen Effekt, den Ökonomen „moral hazard“ betitelt haben und der geeignet ist das Entstehen von „Finanzblasen“ zu begünstigen. Ein Teufelskreis.

Es gibt allerlei Denkansätze diesen Teufelkreis zu durchbrechen. Der Ansatz „Making Banking Boring“, eng verwandt mit dem Ruf nach stärker Regulierung, oder – an der Systemrelevanz ansetzend – der Vorschlag der „Refragmentation“ also das Ziel Banken in der Größe zu bescheiden (Smaller banks will not make us safer); aber diese Ansätze gehen m. E. am Kernproblem vorbei.

Kein Vorschlag ist jedoch so radikal wie der von Hoenig und keiner – so meine Ansicht – kommt dem Kern des Problems so nahe.

Walter Eucken hat 1952 in seiner „Bibel“ der marktwirtschaftlichen Ordnungspolitik „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ einige konstituierende Merkmale für eine marktwirtschaftliche Wettbewerbsordnung aufgeführt. Er schreibt über das Prinzip der Haftung:

„Die Haftung hat im Aufbau der wirtschaftlichen Gesamtordnung große Funktionen, wenn die Gesamtordnung eine Wettbewerbsordnung sein soll. Dann soll sie die Auslese der Betriebe und leitenden Persönlichkeiten ermöglichen oder erleichtern. Sie soll weiter bewirken, daß die Disposition des Kapitals vorsichtig erfolgt. Investitionen werden um so sorgfältiger gemacht, je mehr der Verantwortliche für diese Investitionen haftet. Die Haftung wirkt insofern also prophylaktisch gegen eine Verschleuderung von Kapital und zwingt dazu, die Märkte vorsichtig abzutasten.“

Soweit es das Bankgeschäft (aber nicht nur dieses) heute betrifft, wird dieses konstituierende Prinzip der Haftung, das Eucken als so wesentlich für eine marktwirtschaftliche Ordnung ansieht, auf zwei Ebenen durchbrochen.

Da ist zunächst die „beschränkte Haftung“ der Eigentümer von Kapitalgesellschaften, die prinzipiell in einer Marktwirtschaft „systemfremd“ ist. (Wer dieses Thema vertiefen möchte greife zu dem Buch des bekannten amerikanischen Journalisten Walter Lippman – „The Good Society“.)
Zwar haften die Eigentümer einer Aktiengesellschaft, aber sie haften eben beschränkt mit ihrem Kapitaleinsatz und nicht unbeschränkt. Damit ist auch das Interesse der Eigentümer an der Art und Risikoneigung der Geschäftsführung weitestgehend reduziert auf die Erzielung eines Ertrages.

Die zweite Ebene auf der das Prinzip der Haftung im Bankgeschäft (und nicht nur dort) zusätzlich durchbrochen ist, manifestiert sich in der Trennung von Eigentum und Management, die heute für die Mehrzahl der großen Kapitalgesellschaften vorherrscht. Das Management riskiert jedoch kein Kapital, sonder allenfalls zukünftiges Einkommen und dies meist nur vorübergehend.

Damit ist aber genau jenes konstituierende Element einer Marktwirtschaft, das (s. o.) wegen der unbeschränkten Haftung, die vorsichtige Disposition des Kapitals und die sorgfältige Planung und Durchführung von Investitionen gewährleisten soll, ausgehebelt.

Und genau an dieser Schwachstelle setzt der Vorschlag von Thomas M. Hoenig an. Hoenigs „Resolution Framework“ will genau diese fehlenden Haftung im Bankensystem wieder herstellen. Unter der Devise „SUCCESS DEPENDS ON FAILURE“ legt Hoenig einen Katalog an Regeln vor, der in der letzten Stufe vorsieht:

“Shareholders at failing banks must lose their investment, and senior management and the board of directors must be replaced for both efficiency and equity purposes. Markets will not be efficient unless those who may benefit from taking risk actions also bear the costs when those actions lead to losses, and equitable treatment requires that the same rules apply to all firms regardless of size.”

(Hoenig, 21-04-09, S. 33)
[Frei übersetzt: Aktionäre fallierender Banken müssen ihr Kapital verlieren, und Vorstand sowie Aufsichtsrat müssen aus Effizienz- und Billigkeitsgründen ersetzt werden. Märkte werden nicht leistungsfähig sein, es sei denn diejenigen, die von Risikomaßnahmen profitieren, tragen auch die Kosten dafür, wenn jene Maßnahmen zu Verlusten führen - wobei der Gleichheitsgrundsatz erfordert, dass die gleichen Richtlinien auf alle Unternehmen unabhängig von der Größe zutreffen.]

Hoenigs Vorschlag läuft also darauf hinaus, die Eigentümer- und Managementhaftung dann wieder einzuführen, wenn das Kind in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist. Aus meiner Sicht ein richtiger Gedanke, der aber leider erst ansetzt, wenn der Schaden entstanden ist.

Wenn es richtig ist, dass „die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems ein öffentliches Gut ist“ (wie Soffin-Chef Rehm s. o. vorträgt), warum sollte man nicht aus der Not eine Tugend machen und die beschränkte persönliche Haftung bei den Eigentümern und dem Management von Banken (ohnehin ein staatliches Privileg der Rechtsordnung) grundsätzlich aufheben? Anders gefragt – ist die Tatsache, dass die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems ein öffentliches Gut ist (das in normalen Zeiten erhebliche Erträge abwirft) ein hinreichender Grund entstehende Verluste auf die Allgemeinheit abzuwälzen?

Ich kann diesen Grund nicht erkennen – ganz im Gegenteil. Der Staat delegiert an das Bankensystem (qua staatlicher Lizenz) einen Teil der staatlichen Hoheitsrechte – nämlich die Versorgung der Allgemeinheit mit Liquidität und Kredit nach bestimmten Regeln. Dieses Privileg der Banken ist machtvoll und (richtig ausgeübt) sehr profitabel. Warum also sollte die Allgemeinheit nicht erwarten dürfen, dass jene, denen der Staat dieses Privileg überträgt, nicht mit ihrem gesamten Vermögen haften?

Ich sehe auch keinen Nachteil den eine solche Regelung hätte, weder national noch international. Allenfalls technische Gestaltungsprobleme; aber die lassen sich über klassifizierte und verbriefte Nachschussverpflichtungen etc. lösen.

Umgekehrt ist der Traum von einem sich selbst tragenden privaten Bankensystem nach dieser Krise ausgeträumt. Der Staat (die Allgemeinheit) wird in letzter Konsequenz immer für das Bankensystem einstehen müssen; und weil das so ist, sollten die, die dieses Geschäft betreiben, zuerst und sehr viel empfindlicher haften.

Die neue Haftungsregel – nun für alle Vorstände – ist geradezu lächerlich, weil Aktionäre und Gläubiger kein Klagerecht haben. Text der Neuregelung: § 93 Absatz 2 des Aktiengesetzes wird folgender Satz angefügt:
„Schließt die Gesellschaft eine Versicherung zur Absicherung
eines Vorstandsmitglieds gegen Risiken aus dessen beruflicher Tätigkeit für die Gesellschaft ab, ist ein Selbstbehalt von mindestens 10 Prozent des Schadens bis mindestens zur Höhe des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung des Vorstandsmitglieds vorzusehen.“

Wochenendgrüße!

Der Aufschwung

Kreditrichtlinien im Vergleich

Die Bundesbank, die EZB und das FRB haben den ‘Bank Lending Survey’ bzw. den ‘Senior Loan Officer Opinion Survey’ für den Juli 2009 publiziert und dabei für Unternehmen wie Verbraucher die Kreditrichtlinien und Kreditnachfrage bei Banken ermittelt.

Folgende Charts zeigen jeweils den internationalen Vergleich mit Deutschland, dem europäischen Raum und den USA.

Für große Unternehmen – die Kreditrichtlinien:

Kreditlinien großer Unternehmen

Die Kreditvergabepraxis hat sich zum Vorquartal weiter gelockert, immer weniger Banken berichten für Großunternehmen von einer engen Kreditlinie.  In den USA gaben dies aber noch 31,5%, in Europa 25% und in Deutschland lediglich 8% der Banken an.

Für große Unternehmen – die Kreditnachfrage:

Kreditnachfrage großer Unternehmen

Von einer zunehmenden Kreditnachfrage berichteten deutsche Banken (21%); rückläufig war diese allerdings in den USA (-44,4%) und für Europa (-33%).

Für Haushalte Konsumentenkredite – Kreditrichtlinien:

Kreditlinien für Haushalte (Konsumentenkredite)

Erschwerte Vergabebedingungen für Verbraucherkredite, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt, wurden von allen drei Zentralbanken ermittelt; Bundesbank bei 16% der Banken, EZB bei 21% und das FRB bei 33,3% der befragten Banken.

Für Haushalte Konsumentenkredite – Kreditnachfrage:

Kreditnachfrage privater Haushalte (Konsumentenkredite)

Die Kreditnachfrage amerikanischer wie europäischer Konsumenten gestaltet sich weiter rückläufig (USA -21,2%, Europa -26%); 8% der deutschen Banken registrierten eine höhere Nachfrage.

Quellen: ‘Bank Lending Survey’ (Bundesbank), ‘Bank Lending Survey’ (EZB) und ‘Senior Loan Officer Opinion Survey’ (FRB).

Diversifizierung wann und wohin?

PIMCOs Curtis Mewbourne hat jüngst in einem Beitrag ein interessantes Thema aufgegriffen:

Welche Rendite bieten diverse Anlageklassen in den verschiedenen Phasen eines kompletten Konjunkturzykluses ?

Das Ergebnis (für die Konjunkturzyklen von 1988-2008) ist in nachstehender Matrix zusammengefasst:

Return-Matrix

Überraschend (für mich) war, dass Aktien nur in einer Konjunkturphase („Late Expansion“) besser abschnitten als diverse Anleihekategorien. Auch die Tatsache, dass Aktien bereits in der nächsten Konjunkturphase („Early Recession“) die schlechteste Performance zeigen, dürfte hohe Anforderungen an die „timing skills“ der Aktienanleger stellen.

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im August 2009

Die harten Daten liefern …

… und die deutsche Wirtschaft wächst wieder.
So läßt sich kurz und knapp das Fazit unter den letzten Berichtszeitraum ziehen, der sich für ausgewiesen trendfolgende und trendfortschreibende Wirtschaftsexperten wie eine saisonal sehr frühe, dafür Monate lang hingezogene Weihnachtszeit gestaltete: eine schöne Überraschung jagte buchstäblich die nächste. Nach der Stimmungswende lieferte, getreu dem mantrischen Motto “Stimmung zieht Realwirtschaft” ganz besonders in emotionalen Extremphasen, nun auch die Realwirtschaft die hier seit Monaten erwartete und relativ allein auf weiter Flur gegen die versammelten Propheten des Untergangs angekündigte Wende. Wer sich nun jedoch, spät aber dennoch, vor Freude über den ausgebliebenen Weltuntergang regelrecht zu überschlagen droht, muss dennoch aufpassen, dabei nicht auf die Nase zu fallen. So wie erhebliche Skepsis mindestens beim letzten Dax-Achttausender zum Jahreswechsel 2007/08 zwingend angesagt war und vorsichtig zunehmende Euphorie im Frühjahr 2009 ob der mehrheitlich panisch-depressiven Untergangs- und Ausverkaufsstimmung, so ist inzwischen der Blick kritisch auf das rasant hingelegte gewaltige Anstiegstempo vieler Assets in diesem fantastischen halben Jahr zu richten.

In dem Tempo kann, darf und wird es nicht permanent weitergehen. Der mediale Mainstream und, last but extremely least, die ausgewiesen zukunftsorientierten Prognose-Experten entdecken die wirtschaftliche Erholung, während sich in einigen vorlaufenden Daten bereits vermehrt wieder leichte Bremsspuren zeigen. Zwar haben sich die “Erwartungs-Gap´s” nicht ins Extrem vergrößert, sondern zuletzt sogar wieder verringert und damit einem möglichen Enttäuschungspotential durch die rechtzeitige Lieferung kräftig positiver harter Daten deutlich die Brisanz genommen – dennoch befinden wir uns noch nicht mittendrin in einem neuen Aufschwung, sondern bis dato “nur” weiter überaus erfreulich auf dem Weg zurück in die wirtschaftliche Normalität nach dieser größten geistig-moralischen Krise seit den punischen Kriegen. Zwischen “dato” und dem möglichen nächsten Aufschwung liegt erstens noch einiges an Zeit, weil Konjunktur nun mal ein langsamer stetiger Prozess ist, und zweitens der Wiedereintritt in die Erdumlaufbahn der konjunkturklimatischen Normalzone, der noch erfolgreich zu bewältigen wäre und trotz bislang erfolgreicher Mission in sich noch relative Risiken birgt. Damit wie gewohnt zum ungefähr chronologischen Datenfluss der letzten Wochen:

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im August 2009

hier bitte weiterlesen…

Globale Rezession – Update der Landkarten

Die zuletzt tiefrote Landkarte der USA bekommt zusätzliche Farbakzente. Von Moody’s Economy.com wird mittlerweile die Konjunktur in fünf Bundesstaaten der USA an der Grenze zur Rezession eingeschätzt (blau im Bild unten). Die Staaten Iowa, North Dakota, Rhode Island, Texas und Vermont sollten also demnächst dieses Etikett loswerden.

Hier die Landkarte:

USA: Bundesstaaten in Rezession

In der globalen Übersicht hat sich wenig verändert; Norwegens Volkswirtschaft befindet sich nun offiziell in einer Rezession.  Die amtlichen Statistiken weisen für China und Indien weiterhin ein Wachstum aus; Australien behauptet sich.

Globale Rezession - Übersicht

Das Tool um die Rezession selbst zu verfolgen: Recession Watch

Die globale Stimmung hat sich zunehmend verbessert

Der Moody’s Economy.com Survey of Business Confidence lag die Woche bis zum 7.8.2009 bei -3,1 und hat sich von den Tiefständen im Oktober letzten Jahres merklich erholt.

Global business confidence turned positive last week for the first time since early October. The gains in sentiment are evident across the entire global economy and all industries. Broad assessments of the current economic environment and the outlook into early 2010 are particularly upbeat. Business responses to questions about the strength of sales and hiring intentions remain negative on net but have notably improved in recent weeks. The weakest responses are with regard to inventory investment and the demand for office space. Despite the steady improvement in confidence, it remains consistent with a global economy that is still in recession.

Quelle: Moody’s Economy.com

Der US Arbeitsmarktbericht schickt den Euro auf Talfahrt

Kurz vor der Veröffentlichung des monatlichen US Arbeitsmarktberichtes notierte der Euro zum US-Dollar knapp unter 1,44. Pünktlich um 14.30 (abgebildet GMT) publizierte das BLS die Arbeitsmarktdaten für den abgelaufenen Juli und schickte den Euro den dritten Monat in Folge auf Talfahrt (nachfolgender Chart).

EUR/USD

Die Markterwartungen wurden von der BLS-Publikation geschlagen; die Kerndaten im Einzelnen:

Tabelle - Arbeitsmarktbericht

Erneut lohnt ein Blick hinter die Fassade.

Die Arbeitslosenrate sank von 9,5% auf 9,4%; der unerwartete Rückgang kam zu Stande, da sich die Anzahl der Arbeitslosen zwar verringerte. Die Bezugsgröße, die ‘Civilian labor force’, fiel weniger deutlich (-422.000). Allerdings verließen 637.000 Menschen den Arbeitskräftepool, da bleibt zu spekulieren, ob diese nicht der Arbeitslosenfraktion hinzugerechnet werden müssen. Macht man dies, dann erhöht sich die Quote auf 9,8%.
Die Arbeitslosenquote notiert weiterhin nahe des 25-Jahre Höchststandes.

Die breiter gefasste, alternative Arbeitslosenquote U-6 reduzierte sich allerdings von 16,5% auf 16,3%.

Im Juli sollen 237.000  Stellen vernichtet worden sein; der Vormonatswert wurde von -467.000 auf -443.000 nach oben revidiert. Die Konsensschätzungen von -333.000 wurden deutlich geschlagen. seit dem August 2008 ist dies der geringste Stellenabbau. Seit Rezessionsbeginn wurden gut 6,5 Millionen Stellen reduziert, das sind dann durchschnittlich 327.000 pro Monat. Die jährliche Wachstumsrate beläuft sich auf -4,2% und hat damit das zurückliegende Tief aus dem Mai 1958 eingestellt.

Das CES Net Birth/Death Model steuerte im Berichtsmonat 32.000 Stellen bei. Seit der Einführung dieser Berechnung ist dies die höchste Julikorrektur. Ursprünglich waren der Januar und Juli die Monate, in denen das statistische Modell zu einer Stellenreduzierung führte. So ist es schon verwunderlich, dass während der Rezession von einer erhöhten, verdeckten Wachstumsrate ausgegangen wird, die Berücksichtigung erfährt (historische Tabellen).

Die Wochenarbeitszeit konnte um 0,1 Stunden auf 33,1 Stunden zulegen; die jährliche Wachstumsrate der aggregierten Wochenarbeitszeit oszilliert seit ein paar Monaten um die Marke von -6%. Eine Stabilisierung ist hier wahrscheinlich. Aktuell notierte diese bei -6,7% nach -6,9% im Monat zuvor.

Dauer:

Von Monat zu Monat vergrößert sich die Schere zwischen dem Anteil der Menschen, die weniger als 5 Wochen und die, die mehr als 15 Wochen arbeitslos sind. Erfahrungsgemäß steigen bzw. fallen die Anteile erst nach Rezessionsende. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit ist von dem Allzeithoch bei 17,9 Wochen auf 15,7 Wochen gefallen, während die gemittelte Dauer bei 25,1 Wochen, dem ATH liegt.

ein schönes Wochenende!

Revision 2009: das BEA schreitet zur Tat

Gestern publizierte das Bureau of Economic Analysis die Datenreihe ‘Private Einkommen/Verbrauch’ von Beginn an. Bemerkbar soll sich diese erst ab 1997 machen; dies ist nur schwer verifizierbar, da die Datenreihe erst ab 1995 Online zur Verfügung steht.

Daraus drei Charts, die für sich sprechen; zunächst die privaten Einkommen. Laut BEA wurden die Jahre 2006/07 nach oben revidiert; die Jahresrate verändert sich allerdings kaum. Vielmehr ergab die Revision deutlich rückläufige Werte in 2009, bisher konnte man von einem marginalen Wachstum ausgehen.

Ausschlaggebend war die Revision der Löhne und Gehälter; diese erbrachte einen weitaus größeren Rückgang als zunächst veröffentlicht. Eine Begründung dieser Maßnahme hat sich mir leider nicht erschlossen.
Die folgende Tabelle weist beide Datenreihen für die Monate Januar bis Mai aus:

Tabelle

Im Bild die Jahresrate der privaten Einkommen:

Private Einkommen
Es folgt der Chart des privaten Konsums (jährliche Wachstumsrate):
Privater Konsum

Die Sparrate brachte keine Überraschung ;-)

Wie in den vergangenen Jahren wurde diese nach oben revidiert:

Sparrate

Plötzlich werden die Herren Ökonomen kritisch …

Banks Win, Taxpayers Lose: Stiglitz Wants “National Debate” on Bernanke

Even Nobel Prize-winning economist Joseph Stiglitz of Columbia University, a stalwart critic of the bank bailouts, admits the banking system is on firmer footing today. But that doesn’t mean he’s suddenly warmed up to the architects of the bailouts, notably Ben Bernanke, Tim Geithner and Larry Summers.

Among others, those three championed the deregulatory and easy money policies that helped cause the crisis. And none seems to have learned from past mistakes, Stiglitz says, citing their ongoing “deference to the financial sector.”

link

und sogar

Mr. Krugman Rewarding Bad Actors

US Immobilienmarkt: freier Fall der Bauausgaben gestoppt?

Die US Bauausgaben für den Juni wurden heute mit einem leichten Zuwachs von + 0,3% im Vergleich zum Vormonat nach revidierten -0,8% gemeldet. Die Jahresrate verbesserte sich von -11,7% auf  -10,2%. Ausschlaggebend war erneut der Anstieg der öffentlichen Bauausgaben von +1,0% (+5,1% J/J). Die privaten Bauausgaben fielen um -0,1% (-16,3% J/J).

Während der Abwärtsbewegung der letzten dreieinhalb Jahre stabilisierten die öffentlichen Bauausgaben den Bausektor bzw. ließen ihn nicht noch weiter abrutschen.

Seit dem Herbst 2005 befinden sich die Bauausgaben für den Einfamilienhäuser-Sektor nahezu im freien Fall. Kontinuierlich markierte der Sektor in Monatsvergleich seit dem März 2006 rückläufige Werte. Aufhorchen lässt der Berichtsmonat Juni; erstmals nach 39 Monaten gab es einen kleinen Zuwachs von + 2,4%. Der Jahresvergleich notiert bei -51,1%.

Auf dem Zenit der Immobilienblase hatte der Einfamilienhäuser-Sektor einen Anteil von 39,8% an den gesamten Bauausgaben; das vorläufige Tief von 9,5% wurde im Mai markiert.

Im Bild die Ausgaben für Einfamilienhäuser, Jahresrate (blau Linie)   vs. Bauvolumen in Mrd. US-Dollar:

 US Immobilienmarkt: Bauausgaben für Einfamilienhäuser

Ein weiteres Indiz bieten die Baubeginne für Einfamilienhäuser; der Vergleich der nicht saisonbereinigten Daten weist für 2009 (rote Linie) einen Jahreszeiten typischen Anstieg auf niedrigstem Niveau aus:

Baubeginne für Einfamilienhäuser

Nichtsdestotrotz waren die privaten Immobilieninvestitionen im zweiten Quartal 2009 mau. Der Anteil, den diese am Bruttoinlandsprodukt haben, lag zuletzt bei 2,4%. Der Chart zeigt den historischen Verlauf der letzten sechs Jahrzehnte mit dem aktuellen Tiefststand:

private Immobilieninvestitionen/BIP

Der Immobilienmarkt steht in der aktuellen US Rezession im Zentrum; hier müssen Veränderungen vonstatten  gehen, damit sich die Konjunktur nachhaltig erholt. Monatliche Daten deuten Richtung Erholung.

Marktsentiment: Bären auf dem Rückzug

Die Befragung der privaten US Investoren notierte in der vergangenen Woche mit 31,4% den geringsten Bären-Anteil seit Mitte Mai 2008.

Im Bild das bärische Sentiment der “American Association of Individual Investors” und der S&P500:

Marktsentiment

Bankster bitten zur Kasse

Rechtzeitig zur anstehenden Abstimmung im Repräsentantenhaus über ein Gesetz eine Obergrenze für Bonuszahlungen von Bankmanager einzuführen, veröffentlichte New Yorks Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo am 30. Juli eine Untersuchung von neun Banken, die zum einen in 2008 staatliche Leistungen aus dem Troubled Asset Relief Program (TARP) bezogen haben, zum anderen aber auch ihre Manager mit Bonuszahlungen ausstatteten.

Das Gesetz passierte am 31. 7. laut Bloomberg mit 237 Ja-Stimmen zu 185 Nein-Stimmen den Kongress, steht aber noch im Senat zur Abstimmung an und muss von Barack Obama noch unterzeichnet werden.

Cuomo sieht die gezahlten Boni losgelöst von der Unternehmensperformance. Hilfen von 175 Mrd. US-Dollar standen Boni von 32,6 Mrd. US-Dollar gegenüber.

Zwei Firmen, Citigroup und Merrill Lynch, generierten erhebliche Verluste von jeweils 27 Milliarden US-Dollar, nichtsdestotrotz wurden Boni ausgezahlt. Im Fall von Citigroup waren es 5,33 Mrd. und im Fall von Merrill Lynch 3,6 Mrd..

Im Bericht heißt es weiter:

For three other firms – Goldman Sachs, Morgan Stanley, and JP. Morgan Chase – 2008 bonus payments were substantially greater than the banks’ net income. Goldman earned $2.3 billion, paid out $4.8 billion in bonuses, and received $10 billion in TARP funding. Morgan Stanley earned $1.7 billion, paid $4.475 billion in bonuses, and received $10 billion in TARP funding. JP. Morgan Chase earned $5.6 billion, paid $8.69 bil1ion in bonuses, and received $25 billion in TARP funding. Combined, these three firms earned $9.6 billion, paid bonuses of nearly $18 billion, and received TARP taxpayer funds worth $45 bil1ion. Appendices A and B, attached hereto, provide further information on the 2008 earnings, bonus pools, and TARP funding for the nine original TARP recipients. We note that some of the nine recipients maintain that they did not request or desire TARP funding.

Die Aufstellung im Einzelnen:

Tabelle

Die Untersuchung zum Download (22 Seiten, PDF, 8,6 MB)

NO RHYME OR REASON:
The ‘Heads I Win, Tails You Lose’  Bank Bonus Culture

US Bankinsolvenzen – schwarzer Juli

Der Juli 2009,  fraglos ein schwarzer Monat für die US Banken:

Insgesamt 24 Banken wurden vom US Bankeneinlagensicherungsfond FDIC (Failed Bank List) geschlossen, gestern zuletzt fünf. Allein in diesem Jahr summiert sich die Anzahl der geschlossenen Banken bis dato auf 69, in 2008 lag die Gesamtsumme bei 25. Die Anzahl der so genannten “Problembanken” lag Ende des ersten Quartals 2009 bei 305, dem höchsten Stand seit dem vierten Quartal 1994 (318).

Zahlenmäßig wurden die meisten Insolvenzen in Georgia (16) und Illinois (13) gesehen, gefolgt von Kalifornien (8), Florida (4) und Nevada (3). Das Schwergewicht des Jahres war aber eindeutig mit 12,8 Mrd. US-Dollar die Bank United, FSB in Florida.

Die FRB St. Louis hat eine interaktive Landkarte gestaltet mit den insolventen Banken seit Beginn 2007:

Failed Banks – 2007 to Present