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Zu den politischen Ursachen der Subprime-Krise in den USA

Das „COMMITTEE ON OVERSIGHT AND GOVERNMENT REFORM” (*) des US Repräsentatenhauses hat am 7. Juli 2009 einen Untersuchungsbericht mit dem Titel “The Role of Government Affordable Housing Policy in Creating the Global Financial Crisis of 2008” herausgegeben.

Der Bericht untersucht die langjährigen gesetzgeberischen und politischen Initiativen zum Thema „affordable housing“ in den USA, die letztlich die regulatorischen Voraussetzungen und den politischen Druck für das Entstehen des Subprime-Hypothekenmarktes schufen.

Er beleuchtet auch die Grauzone der Interessenkonflikte und des „profit-sharings“ zwischen Gesetzgebern einerseits und den mächtigen Government Sponsored Enterprises (GSE) Fannie Mae und Freddie Mac sowie deren politischen Aufsichtsorganen HUD, OPHEO und deren Zusammenspiel mit der Bewegung, die als „Affordable Housing Coaltion“ in den USA bekannt wurde.

Als interessante Wochenendlektüre ist diese Untersuchung all jenen empfohlen, die sich um ein tieferes Verständnis für die Ursachen der Finanzkrise bemühen und schon immer den Verdacht hatten, dass ‘gute’ politische Absichten kein Gewähr für gute Ergebnisse sind.
(Im gleichen Kontext sei diesem Interessentenkreis das kleine Buch von Thomas Sowell, The Housing Boom and Bust, 2009 empfohlen – Video [34 Min.] hier.)

(*) Dieses Komitee ist praktisch ein ‘permanenter Untersuchungsausschuss’ des US-Repräsentantenhauses mit sehr breiten Vollmachten, das in unterschiedlicher Form seit 1816 existiert.

6 Kommentare

1 Reinhard - 26.07.2009 um 15:53

Es ist ja schön, daß es einen solchen Untersuchungsausschuß gibt, aber vermutlich ist er vor allem mit Republikanern besetzt und die Übeltäter, zB Barney Frank, sind Demokraten. Die Hauptursache der globalen Krise sind aber die AAA Schrottpapiere ( Dank der korrupten Ratingagenturen ) die wiederum von kriminellen Investmentbankstern an inkompetente Bankmanager und an naive Sparer über den halben Globus verkauft wurden. Alle diese ” analytischen Erklärungsversuche” haben eines gemeinsam, sie lenken von dem üblen treiben dieser Auserwählten Clicke ab. Daß es diesen US Schurken nur darum geht, nachdem sie jahrelang ihre Tantiemen und Optionen in Milliardenhöhe kassiert hatten, soviel Geld wie möglich vom Steuerzahler zukassieren, zeigt der Fall CIT, eine 100 Jahre alte Firma, die wirklich was für kleine und mittelständische Unternehmen getan hat und vor allem tun könnte (!) hätte wegen “läppischer” 4 Milliarden pleite machen müssen, bzw. wird nun evtl. durch Zahlung von Wucherzinsen gerettet werden. Aber trotzdem Danke für reinstellen … ,-)

2 Jabberwock - 26.07.2009 um 19:01

Lieber Reinhard,
„keep it simple“ ist ein enorm nützliches Bestreben in dieser komplexen Welt zu praktikablen Erklärungen zu gelangen. Aber im Falle dieser Finanzkrise mit simplen oder gar monokausalen Erklärungen zu arbeiten führt imho nicht zu sinnvollen Ergebnissen:

Man muss einfach erkennen, dass hier eine Reihe von Umständen am Werke war, die das Entstehen dieser Blase nachhaltig gefördert haben bzw. ohne deren Existenz die Blase nicht hätte entstehen können. Dazu gehört unabdingbar der politische und gesetzliche Druck auf die Banken die ‚Lending Standards’ (zunächst) für Minoritäten und ‚low income families’ aufzuweichen.

Dass dies nur in einer Phase (politisch gewollt) niedriger Zinsen und steigender Immobilienpreise sinnvoll möglich war, ist ein weitere Umstand der diese Blase befördert hat, ebenso wie die Technik der ‚Securitazation’, die ja relativ neueren Datums ist und sinnvoll erst durch die Deregulierung des US-Bankensystems möglich wurde.

Gier ist, so meine Meinung, ein so allgemeines Phänomen, dass es gar nichts erklärt. Hätten wir anders gehandelt, wenn wir in einer US-Bank gearbeitet hätten? Waren die dortigen Manager die einzigen Nutznießer oder auch die Aktionäre und der Fiskus? Warum haben die zahlreichen Aufsichtsorgane der Banken die Gefahr dieser Wertpapiere nicht erkannt?

Und schließlich, um ABS zu verkaufen bedarf es zweier Parteien. Wer ist da zu tadeln – der Verkäufer, der ein Wertpapier anbietet, das der Käufer nicht versteht? Oder der Käufer, der den Grundsatz ‚caveat emptor’ über Bord geworfen hat, weil diese Papiere eine höhere Verzinsung boten?

Und last not least – unser Kreditgeldsystem basiert letztlich auf Vertrauen. Technisch gesehen ist jede Bank jeden Tag pleite, wenn alle Konteninhaber ihre Sichtguthaben als Zentralbankgeld abfordern. Ist es sinnvoll ein solches (Banken-)System – auch angesichts der Volatilität und Korrelation der Asset-Preise – mit einer Eigenkapitalquote arbeiten zu lassen, die jedes Unternehmen kreditunwürdig machen würde?

Nein, diese Krise hat viele Ursachen und wir sollten sehr genau hinsehen, wenn wir nach den Ursachen suchen!

“A crisis is a terrible thing to waste.”
(Economist Paul Romer, Stanford)

Grüße

3 Anonymous - 28.07.2009 um 11:34

“Wer ist da zu tadeln – der Verkäufer, der ein Wertpapier anbietet, das der Käufer nicht versteht? Oder der Käufer, der den Grundsatz ‚caveat emptor’ über Bord geworfen hat, weil diese Papiere eine höhere Verzinsung boten?”

Mein Lieber, natürlich gibt es keine einzelne kausale Ursache. So sind z.B. Greenspam und seine Kollegen, die Ackermanns, die Manager der LBs oder Assman`s Chef genauso verantwortlich, sonst wäre es eine US womöglich eine Immo Krise geblieben. aber kann man einen privaten Anleger in HK oder Ffm. Gier vorwerfen wenn sie/er ein AAA Papier (!) von Lehman gekauft hat das vermutlich gar nicht mal soviel mehr rentierte ?
Natürlich steht ein Manager unter Performance Druck, aber dafür kassiert er ja 100 mal im Monat als ein Angestellter im Jahr.
Geht Deine Argumentation nicht ein wenig in Richtung “selber Schuld wenn sie so einen kurzen Rock tragt” ?

LG

4 Jabberwock - 28.07.2009 um 12:17

Auf Deine rhetorische Frage: “aber kann man einen privaten Anleger in HK oder Ffm. Gier vorwerfen wenn sie/er ein AAA Papier (!) von Lehman gekauft hat…” kann ich nur mit – JA antworten -
6. Gebot: Fragen Sie nicht den Bankier um Rat!

Im Übrigen ist die Finanzkrise nicht entstanden, weil irgendwelche (Retail-)Bankberater (mal wieder) ihren Kunden Produkte empfohlen haben, die die Kunden nicht verstanden haben.

Lassen wir’s dabei: Herr Ackermann und Herr Greenspan Bernanke sind Schuld!

5 Anno - 28.07.2009 um 19:00

“Schuld” und “Ursache” sind jedoch nur eine Betrachtungsweise…

…die Wirkung auf das globale Wirtschaftswachstum, auf die globale Entwicklung eine andere.

Denn eines sollte man nicht vergessen:
auf Grundlage der Immobilienblase
konnte+wurde wunderbar “Konsum-auf-Pump” betrieben.
Und dieser “immobiliengesicherte-Konsum-auf-Pump” war de facto die Wachstumsquelle der letzten Jahre.

…solange alles schön aufwärts ging,
hat sich jedenfalls niemand darüber beschwert;
auch nicht, als die BIZ 2005 die ersten Warnmeldungen aus gab.

Dabei müsste man sich nur die Handelsbilanzen der einzelnen Nationen anschaun’ um zu erkennen,
dass dies keine Nachhaltige Entwicklung sein kann:
Exportnationen, welche ständig mehr liefern auf der einen Seite;
Importnationen, welche sich permanent verschulden müssen, um weiterhin wie gehabt nachfragen zu können.

…und seit die HELOC’s ausgereizt,
und dadurch der private Konsum-auf-Pump am Schrumpfen ist,
wird nun der Versuch unternommen,
den Laden mit “staatl. Investitionen auf Pump” weiter am Laufen zu halten.

Besonders nachhaltig erscheint mir dies jedoch auch nicht.

Die wirtschaftliche – und somit auch die gesellschaftliche – Zukunft bleibt jedenfalls ungewiss und spannend.

6 Jabberwock - 28.07.2009 um 20:07

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