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Fragen Sie nicht den Bankier um Rat!

So lautet eines der acht Gebote zur Geldanlage, die Herman Zickert zu Lebzeiten (1885 – 1954) aufgestellt hat.

1. Gebot: Arbeiten Sie mit Ihrem Kapital!

2. Gebot: Streben Sie nach Rente, nicht nach Kursgewinn!

3. Gebot: Kaufen Sie nur marktgängige Sachen!

4. Gebot: Lassen Sie sich nicht durch Versprechungen blenden!

5. Gebot: Prüfen Sie, bevor Sie kaufen!

6. Gebot: Fragen Sie nicht den Bankier um Rat!

7. Gebot: Versäumen Sie nicht den rechtzeitigen Verkauf!

8. Gebot: Machen Sie keine Bankschulden!

Quelle: Karlheinz Heeb – „Hermann Zickert: Der deutsche Börsenpionier“, München 2009

Zu den politischen Ursachen der Subprime-Krise in den USA

Das „COMMITTEE ON OVERSIGHT AND GOVERNMENT REFORM” (*) des US Repräsentatenhauses hat am 7. Juli 2009 einen Untersuchungsbericht mit dem Titel “The Role of Government Affordable Housing Policy in Creating the Global Financial Crisis of 2008” herausgegeben.

Der Bericht untersucht die langjährigen gesetzgeberischen und politischen Initiativen zum Thema „affordable housing“ in den USA, die letztlich die regulatorischen Voraussetzungen und den politischen Druck für das Entstehen des Subprime-Hypothekenmarktes schufen.

Er beleuchtet auch die Grauzone der Interessenkonflikte und des „profit-sharings“ zwischen Gesetzgebern einerseits und den mächtigen Government Sponsored Enterprises (GSE) Fannie Mae und Freddie Mac sowie deren politischen Aufsichtsorganen HUD, OPHEO und deren Zusammenspiel mit der Bewegung, die als „Affordable Housing Coaltion“ in den USA bekannt wurde.

Als interessante Wochenendlektüre ist diese Untersuchung all jenen empfohlen, die sich um ein tieferes Verständnis für die Ursachen der Finanzkrise bemühen und schon immer den Verdacht hatten, dass ‘gute’ politische Absichten kein Gewähr für gute Ergebnisse sind.
(Im gleichen Kontext sei diesem Interessentenkreis das kleine Buch von Thomas Sowell, The Housing Boom and Bust, 2009 empfohlen – Video [34 Min.] hier.)

(*) Dieses Komitee ist praktisch ein ‘permanenter Untersuchungsausschuss’ des US-Repräsentantenhauses mit sehr breiten Vollmachten, das in unterschiedlicher Form seit 1816 existiert.

US Immobilienkrise: gelebte Statistik

Die Eigentümer des Anwesens, 121 W Avenida San Antonio im südkalifornischen San Clemente, haben die US-Immobilienblase in vollen Zügen miterlebt. Zu Beginn der Blase wurde eine Immobilie erworben, mehrfach refinanziert, von einer hypothekenbesicherten Kreditlinie massiv Gebrauch gemacht, schlussendlich nachdem die Blase geplatzt war, wurde die Immobilie zum Verkauf gestellt, dabei mehrfach der Preis reduziert.

Doch im Einzelnen, dem Irvine Housing Blog (HELOC Abuse San Clemente Style) sind folgende Daten entnommen:

  • die erwähnte Immobilie wurde am 5.1.1996 für 310.000 USD gekauft, der Eigenkapitalanteil lag bei 10%, die aufgenommene Hypothek bei 279.000 USD.
  • 03.12.1998: Refinanzierung der Hypothek, nun 341.000 USD, dabei den kompletten Eigenanteil + 31.000 USD entnommen.
  • 29.09.1999: Refinanzierung der Hypothek, nun 368.000 USD
  • 17.10.2000: erste hypothekenbesicherte Kreditlinie, HELOC (Home Equity Line of Credit), von 30.000 USD.
  • 02.08.2001: HELOC von 50.000 USD
  • 18.06.2002: Refinanzierung der Hypothek, jetzt 495.000 USD
  • 25.03.2003: HELOC von 242.000 USD
  • 07.06.2005: Refinanzierung von nun 750.000 USD mit kurzfristig, variablem Zinssatz (ARM)
  • 29.11.2005: HELOC von 150.000 USD
  • 09.02.2007: HELOC von 250.000 USD
  • 26.06.2007: Refinanzierung der Hypothek, nun 980.000 USD
  • 26.06.2007: HELOC von 140.000 USD

Das macht eine Gesamtverschuldung von 1.120.000 USD; vom Dezember 1998 bis Juni 2007 wurden 841.000 USD eingecasht,  Mortgage Equity Withdrawal (MEW). Pro Monat gab es ein zusätzliches, steuerfreies Einkommen von 8.245 USD, auf das Jahr hochgerechnet waren es knapp 100.000 USD.

Einmal Appetit bekommen, konnten die fiktiven Besitzer Joe und Jane während des Immobilienbooms ihre Kreditlinie stetig ausweiten, da diese sich an den steigenden Immobilienpreisen orientierte. Doch nach der Gier kam auch hier die Angst. Mit fallenden Immobilienpreisen schnurrte die Kreditlinie zusammen.

Erstmals zum Verkauf gestellt, wurde das Anwesen am 13.10.2007 für 1.299.000 USD. Da sich offensichtlich kein Käufer fand, wurde der Preis sukzessive nach unten angepasst.

  • 22.11.2007: 1.199.000 USD
  • 01.02.2008: 1.099.000 USD
  • 02.04.2008: 995.000 USD
  • 07.05.2008: 799.000 USD
  • 04.06.2008: 798.000 USD

Inwieweit die Immobilie in die Zwangsvollstreckung geht und die Besitzer den finalen Akt des Immobilienbooms miterleben, ist nicht bekannt.

Im Bild zum einen die regionalen Hauspreisindizes (Case-Shiller-Indices) sowie der zeitliche Ablauf der Finanzierungen:

Dies ist sicherlich ein extremer Fall, zeigt aber umso eher, warum zum einen die Hypothekenverschuldung der US Amerikaner exponentiell stieg, zum anderen der Eigenanteil am Immobilienbesitz sank, aber letztendlich ein fortwährender Konsum gewährleistet war.

Laut dem letzten Survey of Consumer Finances (SCF) hatten in 2007 18,4% der Immobilienbesitzer mit einer Hypothek eine HELOC (Home Equity Line of Credit), Gebrauch davon machten allerdings nur 12,4%. Zu Beginn der Immobilienblase waren dies 1995 7,9% respektive 4,4%.

Das US Treasury Departement berichtet in seinem letzten Monthly Bank Lending Survey für den Berichtsmonat Mai, dass neue HELOCs oder Erhöhungen für die beobachteten 21 Banken mittlerweile 32,6% unter denen des Volumens vom Oktober 2008 liegen. Einzelne Banken wie Morgan Stanley haben die Kreditlinien gänzlich eingefroren.

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im Juli 2009

Rezessionsende in Sicht

Der neue Berichtszeitraum begann, wie der alte geendet hatte: äußerst erfreulich.
Der ZEW-Index stieg zum achten Mal in Folge, diesmal um 13.7 Zähler von 31.1 auf 44.8 und damit inzwischen sogar weit über seinen historischen Mittelwert von 26.3 Punkten. Selbst die Lage-Komponente für Deutschland verbesserte sich erstmals von 86.6 auf 89.7, was von ZEW-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz so kommentiert wurde: “Dieser vorsichtige Optimismus sollte nicht durch übermäßig pessimistische Mutmaßungen bereits im Keim erstickt werden.” Wohl wahr. Jedoch “Es fehlt der Glaube”, schrieb das Handelsblatt. Dieser Glaube ist jedoch eine eindeutig philosophisch religiöse und keine real wirtschaftliche Komponente.

Auch das Kieler IfW, der Internationale Währungsfonds IWF und die Deutsche Bank sehen nun bereits für den Sommer 2009 ein mögliches Ende der Krise – erwartungsgemäß, siehe dazu die KID-Prognose zur weiteren Entwicklung vieler Prognosen im Jahresverlauf. Nach allgemeiner Stimmungswende dreht jetzt mit Zeitversatz auch die Stimmung der Experten. Selbst Nouriel Roubini, dem die Finanzkrise zum Guru-Status eines “Propheten des Untergangs” verhalf, sieht nun ein baldiges Ende der Rezession, wenn auch mit in Folge nur langsamer Erholung speziell in Europa, wo man, seiner Meinung nach, viel zu sehr mit Steuergeldern geize. Den “geilen Geiz” an grundsätzlichem Optimismus in der alten Welt kennt er als US-Amerikaner iranisch-türkisch-israelischer Herkunft offenbar nicht. DIW-Präsident Klaus Zimmermann hatte schon 2008 erklärt, der mediale Wettlauf von Wirtschaftsforschungsinstituten und Bankanalysten in Richtung immer düsterer Prognosen würde Schwere und Länge der Wirtschaftskrise hierzulande verschärfen. Im Gegensatz zu einer Rezession ist und bleibt die Depression ein grundsätzlich psychologisches und kein ursprünglich volkswirtschaftliches Geschehen. Man kann sich dort ergo prima hineinreden und hineinsteigern – oder es bleiben lassen. Der realen wirtschaftlichen Entwicklung bleibt in dieser Hinsicht letztendlich aber auf Dauer nichts anderes übrig, als der kollektiv unbewussten Grundsatzentscheidung einer überwiegenden Mehrheit als letztendlich selbsterfüllender Prophezeiung zu folgen.

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im Juli 2009

hier bitte weiterlesen…

Wöchentlichen Arbeitsmarktdaten: Rezessionsende in den USA

Die Frühindikatoren des ECRI haben das Rezessionsende bereits angezeigt, heute folgten die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche zum 11.7. wurden mit 522.000 publiziert, nach revidierten 569.000 in der Vorwoche; alleine in den letzten drei Wochen reduzierten sich die Anträge um gut 100.000. Saisonale Verwerfungen dürften hier angesichts des US-amerikanischen Unabhängigkeitstages eine Rolle spielen.

Die Anzahl der Menschen, die permanent arbeitslos sind, die sogenannten ‘Continued Claims’ haben in der Vorwoche noch ein Allzeithoch bei 6,915 Mio. notiert, die jährliche Wachstumsrate ist jetzt aber deutlich rückläufig. Von ihrem zyklischen Hoch bei 119,7% vor vier Wochen hat sich die Rate mit zuletzt 101,3% markant entfernt. Diese Zeitreihe zeigt sich nicht annähernd so volatil wie die Erstanträge, eignet sich daher eher um eine Rezessionsende zu datieren.

Im Bild die jährliche Wachstumsrate:

Um es fest zu halten: Ende der US Rezession im Juni/Juli mit positivem Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2009.
Weit aus dem Fenster gelehnt, hoffentlich ohne Absturz ;-)

CEO Confidence Survey (Q2 2009) – der Optimismus kehrt zurück

Im jüngsten CEO Confidence Survey meldet das Conference Board einen Anstieg des Index von 25 Punkten auf 55. Ein Indexstand von mehr als 50 Punkten indiziert eine vorwiegend positive Beurteilung. Die vierteljährliche Befragung von ca. 300 CEOs erbrachte noch im vierten Quartal 2008 ein Allzeittief bei 24 Punkten.

Der Anstieg des Index  im zweiten Quartal 2009 wird zum einen verursacht durch die optimistischere Erwartungshaltung hinsichtlich des eigenen Geschäftes wie auch der Gesamtwirtschaft, Indexveränderungen von 26 auf 45 resp. 17 auf 55, wie auch eine positivere Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage. 32% stellen eine Verbesserung der Gesamtlage im Vergleich zum Vorquartal fest (zuvor: 0); im Bezug auf das eigene Geschäft waren dies dann 24% im Vergleich zu 1%.

Ein Gewinnwachstum in den nächsten 12 Monaten antizipierten 46%; ausschlaggebend seien Kostenreduzierungen (56%). Eine Entspannung des Arbeitsmarktes wird sich somit hinauszögern.

Schaut man sich zudem grafisch die Entwicklung des Index und die jährliche Wachstumsrate der privaten Anlageinvestitionen an, deutet sich hier eine weitere Verzögerung an. Die jährliche Wachstumsrate der Anlageinvestitionen (gelb) ist in dem folgenden Chart um vier Quartale nach  hinten verlegt, der Tiefpunkt steht somit noch ins Haus.

US Haushaltssaldo weitet sich aus

Das US Haushaltssaldo weitet sich bei sinkenden Einnahmen und steigenden Ausgaben aus.

Der Überblick  mit den kumulierten Haushaltspositionen der Fiskaljahre 2007/08 und 2008/09 per Juni im Vergleich:

Tabelle

Während die Ausgaben per Juni im Fiskaljahr 2008/09 20,5% über denen des Vorjahreszeitraumes lagen, notieren die Einnahmen 17,9% unter denen des Vergleichszeitraumes 2007/08. Dabei brechen auf der Einnahmenseite die Unternehmenssteuer weg (-56,9%), aber auch die Einkommenssteuer liegt 20,9% tiefer (Chart weiter unten).

Im Bild die Ausgaben wie die Einnahmen im 12-Monatstrend seit 1980:
US Staatshaushalt: Einnahmen/Ausgaben

Die Unternehmenssteuer (blau) wie die private Einkommenssteuer (gelb); auch hier der gleitende 12-Monatstrend:

US Staatshaushalt: Einkommensteuer/Unternehmenssteuer

Die Ausgaben steigen exponentiell, die Einnahmen trocknen aus; wie Barack Obama angesichts einer derartigen Entwicklung bis zum Ende seines ersten Präsidentschaftsterms das Defizit herunterfahren will, bleibt ein Rätsel.

Die ‚herzige’ Drohung des Peer Steinbrück – nun zittern sie alle!

Selten um markige Sprechblasen verlegen, erneuert der Finanzminister seine „Drohung“ gegenüber den Banken bezüglich der in seinen Augen zögerlichen Kreditvergabe.
Ob dieser Drohung wird die Bankenwelt nun zittern:

„Die Bankinstitute werden sicher Verständnis dafür haben, dass ich es nicht bei Appellen belasse, falls es nicht gelingt, die deutsche Wirtschaft zu angemessenen Konditionen mit Krediten zu versorgen“.

(Vielleicht denkt er an Ben Bernankes Hubschrauberflotte?)

Es entbehrt nicht der tragischen Ironie, dass diese Drohung just an dem Tage vorgetragen wird, an dem Peer Steinbrück auch veröffentlichen muss, dass die Körperschaftssteuereinnahmen (gegenüber Vorjahr) im Juni um knapp 54 Prozent gesunken sind. Auch Peer Steinbrück weiß natürlich, dass Körperschaftsteuern ertragsabhängige Steuern eben jener krisengeschüttelten Unternehmen sind, denen die Banken in dieser desolaten Lage nun forciert Kredite „zu angemessenen Konditionen“ geben sollen. Will unser Finanzminister die eben geretteten Banken nun in ein neues Fiasko drängen? (Das Kreditvolumen an Unternehmen und Privatpersonen ist übrigens vom Mai 2008 bis Mai 2009 um knapp 4 Prozent gestiegen – Quelle: Bundesbank – Mittlere Spalte. Wie viele dieser zusätzlichen Kredite durch öffentliche Garantien unterlegt sind, wird nicht ausgewiesen.)

Ein Blick in den „Financial Stability Review – June 2009 issue“ der EZB hätte den Finanzminister auch nicht dümmer gemacht. Dort steht wörtlich: „ECB estimates put further losses for the euro area banking sector at USD 283 billion”. Diese Graphik (anklicken) verdeutlicht die Berechnung der EZB. (Quelle)

Als böswillige Irreführung muss man schließlich den folgenden Appell des Herrn Steinbrück interpretieren:

„Vergeben Sie Kredite zu vernünftigen Konditionen an die Unternehmen! Wer dies zurzeit nicht kann, der kann auf unser Bad Bank [Glossar]-Modell zurückgreifen, das ihn dazu in die Lage versetzt.“

Das Bad-Bank-Modell für die Geschäftsbanken ist (trotz der gegenüber dem ursprünglichen Entwurf eingebrachten Verbesserungen) letztlich nur ein Modell, dass es den Banken erlaubt, die potentiellen Verluste aus den „toxic assets“ zeitlich zu strecken. Das ist zwar eine Hilfe, wird aber die Kreditvergabestandards der Banken kaum beeinflussen. Im Übrigen sprechen die Fakten für sich selbst: Keine einzige Geschäftsbank hat bisher eine Bad-Bank gegründet.

Umgekehrt zeigt die vierteljährliche „Lending Survey“ der EZB vom April 2009, dass es vor allem die allgemeine konjunkturelle Situation und die wirtschaftliche Lage der potentiellen Kreditnehmer sind, die zusätzliche Kredite bremsen (Quelle). Der dramatische Rückgang des Körperschaftssteueraufkommens im Juni hat dies nur augenfällig bestätigt.

Natürlich sieht und weiß der Finanzminister dies auch – zur adäquaten Kreditversorgung gehören zwei Parteien: Eine Bank die Kredit geben kann und ein Kreditnehmer, der mittels freiem Cash-Flow und entsprechenden Sicherheiten belegt, dass er den Kredit fristgerecht bedienen und zurückzahlen kann. Nun aber wird erkennbar, dass man über die Bankenrettung, die zweite Partei der Kreditversorgung – die breite Wirtschaft – weitgehend vergessen hat. Ohne die und frisches Geld gibt es aber keinen Aufschwung. Und für dieses Dilemma – so scheint es mir – wird rechtzeitig vor der Wahl noch schnell ein Schuldiger gesucht: Die üblichen Verdächtigen – die bösen Banken.

Vom Sturzflug in den gleitenden Sinkflug

….so kann man die Aussagen von US-Kommentaren der vergangenen Woche zur weiteren ökonomischen Entwicklung zusammenfassen.

Am vergangenen Sonntag gestand VP der USA Joe Biden auf ABC „We have misread how bad the Economy was“! [4 Minuten]

Am vergangenen Donnerstag gaben Robert Shiller und Nouriel Roubini bei Bloomberg ein längeres Interview [54 Minuten], dessen Tenor auf weitere sechs Monate Rezession und eine flache Erholung ausgerichtet war.

Ähnlich ein Interview mit Warren Buffet ebenfalls am vergangenen Donnerstag auf ABC.

Ganz schwarz sieht Robert Reich in seinem Blog vom Donnerstag: When Will The Recovery Begin? Never

Diese Meinung wiederum wird am Freitag kontrastiert von einigen Ökonomen und Instituten in dem Blog Real Time Economics des Wall Street Journals, wo z. B. die Vorhersager „Macroeconomic Advisors“ sogar davon reden, dass das GDP im zweiten Quartal bereits schwarze Zahlen aufweisen könnte. Die Mehrzahl der „Experten“ geht jedoch davon aus, dass – trotz der guten Außenhandelszahlen der USA – das zweite Quartal weiterhin negative Zahlen ausweisen wird.

Wir hingegen suchen ob dieser ‘Confusion de confusiones’ weiterhin Trost bei den Worten von Henry Miller (1891-1980) “Confusion is a word we have invented for an order which is not yet understood”.
Sonntagsgrüße

Globaler Abschwung – Update

Einblick zurück auf das erste Quartal 2009:

Es ging mit zunehmender Geschwindigkeit weiter bergab mit der globalen Bruttowertschöpfung. In Japan schrumpfte die Jahresrate des realen, saisonbereinigten Bruttoinlandsproduktes um -8,4%, in Deutschland um -6,9%, in der Euro-Zone um -4,9% und in den USA um -2,5%. Noch im vierten Quartal 2008 notierten die revidierten Werte deutlich höher (Japan -4,4%, USA -0,8%, EU -1,7%, Deutschland -1,8%).

Im Bild der aktualisierte Chart:

Bruttoinlandsprodukt im Vergleich

Etwas zeitnäher ist die Industrieproduktion des verarbeitenden Gewerbes; für Japan und Deutschland deutet sich hier eine Bodenbildung ab. Der Fall der Industrieproduktion in den USA wie der EU hat allerdings an Tempo zugelegt; letztere ist jedoch erst per April veröffentlicht.
Die saisonbereinigte Veränderung auf Jahresbasis notiert in Japan zuletzt bei -27,5%, in den USA bei -15,2%, in der EU bei -20,4% und in Deutschland bei -18,1%.

Auch hier der Chart:

Industrieproduktion im Vergleich

Wer regiert die Welt?

Normal 0 21 MicrosoftInternetExplorer4 In seiner neuen Enzyklika mit dem Titel «Caritas in Veritate» schreibt der Papst, “das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität sei dringend nötig.” Anlässlich dieses „katholischen Selbstgesprächs“ (Daniel Deckers FAZ) stellt sich die Frage: Wer regiert denn bisher diese Welt?

Geld regiert die Welt

So lautet eine mögliche Antwort auf diese Frage. Glaubt man den Schätzungen des CIA, dann betrug das Weltbruttoinlandsprodukt im Jahr 2008  62,250 Bio US-Dollar. Eine Analyse allein der 100 größten Industrieunternehmen weltweit ergibt, dass der Umsatz dieser Unternehmen im Jahr 2008 zusammen allein 14,94 % des Welt-BIP repräsentiert hat.

In der Umsatz Top 25 befinden sich 10 Mineralöl- und 2 Energiekonzerne, die 4,87 % der weltweiten Wertschöpfung hervorbringen. Es werden 7 Automobilkonzerne gelistet, die 1,83 % des Welt-BIP auf die Räder stellen. Desweiteren befinden sich 3 Unternehmen aus dem Bereich Computer und Elektronik, sowie ein Stahl- und ein Mischkonzern in dieser Liste.

Bei einer zunehmenden Anzahl von Menschen sorgt eine solche Zusammenballung wirtschaftlicher Macht für Unwohlsein. Wie sehr unsere Gesellschaft mittlerweile von Großkonzernen erpressbar geworden ist, sieht man am Beispiel der aktuellen Finanzkrise, so dass bereits die Zerschlagung allzu großer Finanzkonzerne diskutiert wird.

Der Finanzwelt empfiehlt der Papst übrigens, “die eigentlich ethische Grundlage ihrer Tätigkeit wieder entdecken, um nicht jene hoch entwickelten Instrumente zu missbrauchen, die dazu dienen können, die Sparer zu betrügen”.

Die Spielregeln dazu sind bei uns bereits im § 263 StGB geregelt. Einen besonders schwerer Fall von Betrug begeht demnach, „wer eine andere Person in wirtschaftliche Not bringt, einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeiführt oder in der Absicht handelt, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten zu bringen.“

Quellen:
CIA World Factbook
FAZ: Die 100 größten Unternehmen

Helmut Wüllenweber

G-8 Treffen: die BRIC-Staaten kratzten am Status des US-Dollars

Im Vorfeld des G-8 Treffens haben Russland und China erneut den US-Dollar als Leitwährung in Frage gestellt; Reuters berichtet (’Russia, China to push global currency at G8 summit‘). Seit Monaten propagiert China die SDRs als Alternative; im März schrieben wir dazu (’China bläst zum Sturm auf die Dollar-Bastion). Brasiliens Lula sitzt mit im Boot und Indien zeigt sich einer Diskussion nicht abgeneigt und erwägt eine Diversifizierung.

Die Suche, die aktuelle Währungsverteilung der globalen FOREX-Reserven der Zentralbanken zu ergründen, gestaltete sich schwierig. Hilfe wird hier gern entgegengenommen ;-)

Am 30.6. hat der IWF die vierteljährlichen Daten zur globalen Währungsreserve mit Devisenaufschlüsselung publiziert – Currency Composition of Official Foreign Exchange Reserves (COFER). Von den gesamten 6,531 Trillionen US-Dollar sind lediglich 62,1% einzelnen Währungen zugeordnet. Länderspezifische Daten waren nicht zu erhalten.

Die Aufschlüsselung der einzelnen Währungen ergab im ersten Quartal 2009 für den USD einen Anteil von 65,0%, EUR (25,9%), GBP (4,0%), JPY (2,9%), CHF (0,1%) und andere (2,1%).

Insgesamt sanken die globalen Reserven um 2,6% zum Vorquartal und 5,2% zum Vorjahresquartal. Die Quartalszahlen werden erst seit 1999 veröffentlicht, seither wurde nun der erste Rückgang auf Jahresbasis notiert.

Der nachfolgende Chart vermittelt zum einen die Gesamtentwicklung der Währungsreserve wie auch die Aufschlüsselung der Devisen:

Die Suche nach den chinesischen Reserven wurde intensiviert. In einem Bericht der Citigroup hieß es im März 2009:

There is clearly a great deal of uncertainty on portfolio composition of China’s FX reserve holdings. We assume that China’s FX reserves have similar percentage shares of portfolio holdings in December as they did in November where we use the percentage shares of Chinese holdings of US assets from a paper published by Council on Foreign Relations after authors adjust for their estimated undercounting.

These portfolio shares assume about 72% of China’s foreign assets are invested in US assets, out of which, 85% are invested in US Treasuries (37% of total Chinese foreign assets) and US agencies (25% of Chinese foreign assets), and a much smaller share is in corporate bonds and equities. We apply these shares to China’s official FX reserves and assume the remaining 28% of FX reserves are in EUR- and JPY denominated bonds with a ratio of 2:1.

Also USD 72%, EUR 18,6% und JPY 9,3%.

Ergänzungen sind herzlich willkommen!

US Verbraucher: Der Gürtel wird enger geschnallt

Eine Umfrage des Gallup Instituts zeigte jüngst, dass der US-amerikanische Konsument in den vergangenen sechs Monaten seine Verschuldung abgebaut hat. Im Juni berichteten dies 35%, im Mai waren es noch 31%. Gestaffelt nach der Höhe der Einkommen lässt sich eine Entschuldungsbereitschaft insbesondere bei Haushalten mit höherem Einkommen feststellen. Oberhalb von einem Einkommen von 90.000 US-Dollar waren dies dann 54%.

Auf Sicht der nächsten sechs Monate beabsichtigen 44% der US-Amerikaner ihre Schulden zu reduzieren. Auch hier liegt die Gruppe der Menschen mit höherem Einkommen vorne (60%).
Gerade diese Gruppe weist zum einen eine höhere Verschuldung auf, hat aber auch die finanziellen Möglichkeiten zu agieren.

Morgen werden die Verbraucherkredite für den Mai gemeldet; mal schauen, ob die Zahlen die Absicht untermauern. Erwartet wird eine geringere Neuverschuldung (-8,8 Mrd. US-Dollar).
Rückläufige Umsätze der Einzelhändler bestätigen das veränderte Konsumverhalten.

Quelle: Upper-Income Consumers Most Inclined to Trim Their Debt

Rezessions-Update

USA: das Land in der RezessionNachdem wir im vergangenen Jahr die zunehmende Anzahl an US Bundesstaaten in Rezession beobachteten, folgt heute die Landkarte, die sämtliche Staaten in Rezession zeigt; links nebenstehend.

Abgebildet ist die wirtschaftliche Lage im April 2009.

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die globale RezessionGlobal hat sich das Bild gewandelt; Lateinamerika weist eine rückläufige, konjunkturelle Aktivität auf; Brasiliens Wirtschaft befindet sich in einer Rezession. Indien und China, zuletzt noch mit dem Rezessionsrisiko behaftet, haben Richtung Expansion gedreht – Chart rechts:

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Deflation oder Inflation?

Die Differenz zwischen dem Bruttoinlandsprodukt, das eine Volkwirtschaft potentiell hervorbringen könnte, und dem tatsächlichen BIP wird als Output Lücke bezeichnet. Die wirtschaftliche Lage ist weltweit geprägt von niedrig ausgelasteten Kapazitäten, wobei die Preissetzungsmacht auf der Anbieterseite, gering ist. Damit einher gehen niedrige Inflationsraten. Das Potentialwachstum der verschuldeten Staaten von Amerika wurde bereits nach unten angepasst. Dennoch ist die Outputlücke nach wie vor sehr groß.

BCA Research stellt diesen Zusammenhang im Kontext der G7 Länder dar.

Helmut Wüllenweber