Sitemap  |  Feedback  |  RSS  |  Kontakt  |  Links

Markt-Daten.de    web

Abschreibungen im Bankensektor (Update)

In ‘Banken in Schwierigkeiten‘ hatten wir das globale, potenzielle Abschreibungsvolumen im Finanzsektor laut letzter Schätzung des IMF tabellarisch dargestellt – siehe nachstehende Tabelle:

Tabelle

Von den geschätzten 4.054 Mrd. US-Dollar sind alleine 2.712 Mrd. US-Dollar in den USA beheimatet.

Doch wie sehen die aktuellen Zahlen aus?

Laut Bloomberg hat der Finanzsektor weltweit bisher Verluste der Kredit und Finanzkrise in der Höhe von 1.469,4 Mrd. US-Dollar (19.6.2009) abgeschrieben. Regional verteilen sich diese wie folgt; Amerika 66%, Europa 31% und Asien 3%. Rekapitalisiert wurden dabei global per 19.6.2009 1.255,1 Mrd. US-Dollar; zu 59% in den USA, 35% in Europa und 6% in Asien – siehe Chart, links:

Es fällt die aktuelle Finanzierungslücke für den USA ins Auge. Zieht man zudem einen früheren Datenbestand heran, so hat die USA trotz des höheren Bedarfs erst später mit den Abschreibungen begonnen.

Money for Nothing?

Der Dire Straits Song „Money for Nothing“ macht heute den Titel in einem Kommentar der Börsen-Zeitung. Kommentiert wird die neueste, in dieser Woche anlaufende, geldpolitische Aktion der EZB, die bereits in den dunkelsten Tagen der Finanzkrise prinzipiell beschlossen wurde (März/April 2009) und heute allseits Rätsel aufgibt.

Erstmals in der Geschichte der EZB stellt sie den Banken Geld für ein volles Jahr zu einem Zinssatz von 1 Prozent zur Verfügung – und das in beliebiger Menge.

Ein Blick auf die Einlagenfazilitäten* der Bundesbank zeigt, dass die Banken über hinreichend Liquidität verfügen. Der augenblickliche Zinssatz für diese Guthaben bei der Zentralbank beträgt 0,25 Prozent.
Der EURIBOR-Zinssatz für 12-Monats-Geld betrug gestern 1,585 Prozent, der für 3-Monats-Geld 1,206 Prozent.
Wenn sich die Banken nun in beliebigem Umfang für 1 Prozent bei der Zentralbank refinanzieren können, wird dies den Geldhandel zwischen Banken nicht beflügeln.
Noch rätseln die Auguren in welchem Umfang das Angebot der Zentralbank von den Banken in Anspruch genommen werden wird (Horrorschätzung gehen bis zu einer Billion!).

Unabhängig davon muss man sich fragen – was soll das? Offensichtlich verfügen die Banken nicht nur über genügend Liquidität, sondern Dank Öffnung der Schleusentore der Zentralbank auch über genügend konventionelle Refinanzierungsmöglichkeiten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Einlagenfazilitäten mit magerer Verzinsung so hohe Guthaben ausweisen?
Woran es den Banken zu mangeln scheint sind solvente Kreditnehmer, die lassen sich jedoch nicht mit noch mehr billigem Geld aus dem Hut zaubern.

Nachtrag: Wie Bloomberg eben meldet wurden € 442 Mrd. Kredit an 1.121 Banken unter dieser neuen Fazilität gewährt. (Bloomberg Meldung)

*Die sog. Einlagenfazilität wird von den Banken benutzt, um kurzfristige Liquiditätsüberschüsse bei der Bundesbank zinstragend anzulegen.