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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – Jahresbericht

Die BIZ hat am 29. Juni ihren Jahresbericht (1. April 2008 bis 31. März 2009) vorgelegt (Deutsch). Der Berichtszeitraum deckt damit zeitlich den (bisherigen?) Höhepunkt der Finanzkrise ab.

Auf den ersten 100 Seiten des Berichtes gibt die „Bank der Zentralbanken“ einen umfassenden Überblick über die Ursachen der Krise und die Entwicklung bis März 2009. Diese zusammenfassende Analyse gehört m. E. zu Besten was man derzeit über „die Finanzkrise“ ihre Ursachen und die Zusammenhänge lesen kann.

Erfahrungsgemäß verschwinden solche und ähnliche Veröffentlichungen schnell wieder „in der Versenkung“. Für all jene die wirtschaftspolitisch interessiert sind und auch Interesse an historischen Entwicklungen haben, könnte es sich lohnen, die ersten 90 Seiten dieses Berichtes nicht nur zu lesen, sondern auch als Referenzmaterial aufzuheben. Dies auch, weil die BIZ dem interessierten Leser das Datenmaterial (xls) des Berichtes zur Verfügung stellt.

Die nachstehende Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Bericht: „Ein solides Finanzsystem ist eine Grundbedingung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung. Zieht sich die Sanierung des Finanzsystems länger hin, dann könnte dies die politischen Bemühungen in anderen Bereichen behindern. Damit eine wirtschaftliche Erholung in Gang kommt, ist es unabdingbar, dass die staatlichen Stellen die Sanierung des Finanzsystems entschlossen in Angriff nehmen und ebenso zügig wie konsequent umsetzen.” Dass dies derzeit noch nicht der Fall ist kann man allerorts bestätigt finden und sollte deshalb m. E. die Messlatte für die derzeitige „Erwartungsblase“ sein. M.a.W. in einem Kreditgeldsystem wie unserem, wird es einen nachhaltigen Aufschwung ohne voll funktionsfähige Kreditmärkte nicht geben können. Davon aber sind wir noch ein gutes Stück entfernt – jedenfalls solange Banken für den Jahrestender 1 % bezahlen, um dann über die Hälfte der so „eingekauften“ Liquidität für 0,25 % bei der Zentralbank zu parken (€ 242 Mrd. ganz unten ‚deposit facility’).

Wissenswertes zum Bargeldumlauf, Hortung und Transaktionskassen

Im Juni 2009 hat die Bundesbank eine sehr lesenswerte (auch unterhaltsame) Bestandsaufnahme zum Bargeldumlauf vorgelegt.

Nachstehend einige der Kernaussagen:

- Nach Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 stieg der Banknotenumlauf im gesamten Euro-Währungsgebiet ausgehend von einem Niveau von 221 Mrd. € bis Jahresende 2008 auf 763 Mrd € an. [Ein Anstieg von über 245 Prozent.]

- In Deutschland wuchs der Banknotenumlauf im gleichen Zeitraum von 73 Mrd € auf 328 Mrd €. [Ein Anstieg von über 349 Prozent.]

- Eine im Jahr 2008 im Auftrag der Bundesbank durchgeführte repräsentative Bevölkerungsumfrage zum „Zahlungsverhalten in Deutschland“ ergab, dass circa 58% aller dort erfassten Umsätze mit Bargeld und nur 26% mit Debitkarte bezahlt wurden. Bargeld ist dementsprechend in Deutschland nach wie vor das dominierende Zahlungsmittel.

- Auf Grundlage dieser Berechnungen ergibt sich somit in Deutschland ein für Transaktionszwecke umlaufendes Banknotenvolumen von durchschnittlich circa 31 Mrd €, was ungefähr 10% des deutschen Banknotenumlaufs per Ende 2008 entspricht. Dies macht deutlich, dass das Transaktionsmotiv für die gesamte Bargeldnachfrage in Deutschland von relativ geringer Bedeutung ist und kaum zu dem beobachteten starken Anstieg des Banknotenumlaufs beigetragen hat.

- Unter diesen Annahmen könnte die Netto-Banknotennachfrage aus Ländern außerhalb des Euro-Raums bis zum Ende des Jahres 2008 auf eine Bandbreite von 25% bis 35% des in Deutschland ausgegebenen Banknotenvolumens angestiegen sein und somit beachtlich zu dessen Wachstum beigetragen haben.

- Der besonders starke Anstieg des Banknotenumlaufs in Deutschland in den ersten Jahren nach der Euro-Bargeldeinführung steht in engem Zusammenhang mit der Auflösung der DM-Horte im Vorfeld der Umstellung.

- Geht man von einer Transaktionskassenhaltung von 10% des Banknotenumlaufs aus und legt man des Weiteren eine Auslandsnachfrage von 25% bis 35% zugrunde, so bleibt für die Hortung der Löwenanteil von 55% bis 65% übrig. Dieser Wert ist, da er als Residualgröße ermittelt wird und die Transaktions- und Auslandsanteile auch nur geschätzt werden können, mit vielen Unsicherheiten behaftet.

- Als Folge der Zuspitzung der Krise an den Finanzmärkten im Herbst letzten Jahres wich die Bargeldnachfrage erheblich von ihrem zuvor beobachteten Muster ab. Zwischen der 39. und 43. Kalenderwoche 2008 unterschied sich der Saldo der Ein- undAuszahlungen bei der Bundesbank deutlich gegenüber dem des Vorjahres.

Financial Stability Report England (Juni 2009)

Nur ein Schlaglicht auf den Financial Stability Report der Bank of England, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde.

Der Bericht zeigt unter anderem, dass der Wertverfall der Vermögenswerte bei einer Auswahl repräsentativer Geschäftsbanken noch keineswegs zum Stillstand gekommen ist. Erkennbar ist auch, dass die Restaurierung der Eigenkapitalpositionen bisher weit hinter diesen Wertverlusten der Aktiva zurück bleibt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass auch in England das Kreditwachstum praktisch zum Erliegen gekommen ist.

ECRI Frühindikatoren drehen ins Plus

Genauer gesagt weist die Wachstumsrate der ECRI Frühindikatoren erstmals seit der Woche zum 24.8.2007  mit + 2,1 einen positiven Wert auf. Der Index selbst markiert mit 117,6 ein 37-Wochen-Hoch nach abwärts revidierten 117,0. In den vergangenen 28 Wochen erholte sich die Wachstumsrate stetig von dem Allzeittief des Wertes bei  -29,7.

Der  nachstehende Chart unterstreicht die positive Korrelation zwischen dem Rezessionsende in den USA und dem Drehen der Wachstumskurve ins Positive.

ECRI Frühindikatoren - Wachstumsrate

Ein weiterer Parameter, der das Rezessionsende anzeigt, hat noch nicht eindeutig gedreht. Die jährliche Wachstumsrate der ‘Continued Claims’  lässt noch auf sich warten:

In den nächsten Wochen wird die Veröffentlichung der harten Fakten ein Rezessionsende untermauern müssen. Die Stimmungsindikatoren sind dem bekannterweise voraus gelaufen. Wir warten auf die ‘Green Shoots’ …

Da sich das NBER in der Vergangenheit sehr zurückhaltend gezeigt hat eine Rezession offiziell für beendet zu erklären, gilt es auch hier Geduld zu beweisen. Äußerungen von Martin Feldstein, dem Vorsitzenden des entsprechenden NBER-Ausschusses, bekommen mehr Gewicht.

Da gerade die jüngsten Flow of Funds Daten einen langwierigen ‘Deleveraging’-Prozess bei den Verbraucher Finanzen erwarten lassen, wird der US Verbraucher nur sehr bedingt als Konjunkturlokomotive zur Verfügung stehen. Ein Fortführen vergangener Wachstumsjahre erscheint unwahrscheinlich, vielmehr rückt eine ‘Double-Dip’- Rezession und ein Szenario vergleichbar den 80er Jahre in den Fokus.

Abschreibungen im Bankensektor (Update)

In ‘Banken in Schwierigkeiten‘ hatten wir das globale, potenzielle Abschreibungsvolumen im Finanzsektor laut letzter Schätzung des IMF tabellarisch dargestellt – siehe nachstehende Tabelle:

Tabelle

Von den geschätzten 4.054 Mrd. US-Dollar sind alleine 2.712 Mrd. US-Dollar in den USA beheimatet.

Doch wie sehen die aktuellen Zahlen aus?

Laut Bloomberg hat der Finanzsektor weltweit bisher Verluste der Kredit und Finanzkrise in der Höhe von 1.469,4 Mrd. US-Dollar (19.6.2009) abgeschrieben. Regional verteilen sich diese wie folgt; Amerika 66%, Europa 31% und Asien 3%. Rekapitalisiert wurden dabei global per 19.6.2009 1.255,1 Mrd. US-Dollar; zu 59% in den USA, 35% in Europa und 6% in Asien – siehe Chart, links:

Es fällt die aktuelle Finanzierungslücke für den USA ins Auge. Zieht man zudem einen früheren Datenbestand heran, so hat die USA trotz des höheren Bedarfs erst später mit den Abschreibungen begonnen.

Money for Nothing?

Der Dire Straits Song „Money for Nothing“ macht heute den Titel in einem Kommentar der Börsen-Zeitung. Kommentiert wird die neueste, in dieser Woche anlaufende, geldpolitische Aktion der EZB, die bereits in den dunkelsten Tagen der Finanzkrise prinzipiell beschlossen wurde (März/April 2009) und heute allseits Rätsel aufgibt.

Erstmals in der Geschichte der EZB stellt sie den Banken Geld für ein volles Jahr zu einem Zinssatz von 1 Prozent zur Verfügung – und das in beliebiger Menge.

Ein Blick auf die Einlagenfazilitäten* der Bundesbank zeigt, dass die Banken über hinreichend Liquidität verfügen. Der augenblickliche Zinssatz für diese Guthaben bei der Zentralbank beträgt 0,25 Prozent.
Der EURIBOR-Zinssatz für 12-Monats-Geld betrug gestern 1,585 Prozent, der für 3-Monats-Geld 1,206 Prozent.
Wenn sich die Banken nun in beliebigem Umfang für 1 Prozent bei der Zentralbank refinanzieren können, wird dies den Geldhandel zwischen Banken nicht beflügeln.
Noch rätseln die Auguren in welchem Umfang das Angebot der Zentralbank von den Banken in Anspruch genommen werden wird (Horrorschätzung gehen bis zu einer Billion!).

Unabhängig davon muss man sich fragen – was soll das? Offensichtlich verfügen die Banken nicht nur über genügend Liquidität, sondern Dank Öffnung der Schleusentore der Zentralbank auch über genügend konventionelle Refinanzierungsmöglichkeiten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Einlagenfazilitäten mit magerer Verzinsung so hohe Guthaben ausweisen?
Woran es den Banken zu mangeln scheint sind solvente Kreditnehmer, die lassen sich jedoch nicht mit noch mehr billigem Geld aus dem Hut zaubern.

Nachtrag: Wie Bloomberg eben meldet wurden € 442 Mrd. Kredit an 1.121 Banken unter dieser neuen Fazilität gewährt. (Bloomberg Meldung)

*Die sog. Einlagenfazilität wird von den Banken benutzt, um kurzfristige Liquiditätsüberschüsse bei der Bundesbank zinstragend anzulegen.

Abbau der US Nettovermögen geht weiter

Aus dem ‘Flow of Funds’ Bericht folgt jetzt die Darstellung der privaten US Haushalte (B.100 Balance Sheet of Households and Nonprofit Organizations).

Die Entwicklung der Vermögenssituation der privaten US Haushalte setzt sich fort, im Einzelnen heißt das:

  1. das Nettovermögen schwindet dahin
  2. Verbindlichkeiten werden abgelöst
  3. trotz sinkender Einkommen ist eine Sparneigung zu beobachten
  4. auf der Suche nach sicheren Finanzanlagen wurde das Portfolio umgeschichtet
  5. die US Hausbesitzer nennen nur noch 41,4% des Immobilienvermögens ihr Eigen; im Vorquartal waren dies 42,9%

Zunächst die Übersicht:

Tabelle

Das Nettovermögen beläuft sich auf 50,4 Billionen USD, hat im Vergleich zum Vorquartal um -2,6% oder auf Jahresbasis um -16,2% abgenommen. im vierten Quartal 2008 lag das Tempo des Vermögensabbau aus bei jährlich -17,4%. Seit dem Hoch im zweiten Quartal 2007 notiert der Verlust bei 13,9 Billionen USD oder 19,5%.

Im Bild zunächst die eingebrochene, jährliche Wachstumsrate:

jährliche Wachstumsrate der Nettovermögen

Folgend ist das nominale Nettovermögen in Billionen USD dargestellt:

Nettovermögen in Billionen US-Dollar

Im Vergleich zum vierten Quartal 2008 liegen die Verbindlichkeiten um 0,8% niedriger; zum Vorjahreszeitraum notieren diese 2,1% tiefer. Dabei markiert die jährliche Wachstumsrate der Hypothekenverschuldung mit -1,0% ein Allzeittief, die Rate der Verbraucherkredite liegt mit -0,4% auf dem tiefsten Niveau seit dem zweiten Quartal 1992; nachfolgend sind beide abgebildet:

Jahresrate der Hypothekenverschuldung/Verbraucherkredite

Die Gesamtverschuldung zum frei verfügbaren Einkommen beläuft sich auf 131,1%, zuletzt waren dies noch 133,9%. Das Allzeithoch datiert vom vierten Quartal 2007 bei 138,6%. Hier manifestiert sich eine Trendwende.

Der historische Verlauf ist im nachfolgenden Chart abgebildet:

Gesamtverschuldung / Einkommen

Bei nachgebenden Aktienkursen haben die US Verbraucher ihre Finanzanlagen umgeschichtet. Insgesamt legte das Volumen der Kreditmarktinstrumente im Vergleich zum Vorquartal um 13,3% zu. Die Zunahme von knapp 500 Mrd. USD fokussiert sich auf US Staatsanleihen (+377,3 Mrd. USD) und Unternehmensanleihen (+451,2 Mrd. USD). Getrennt haben sich die privaten US Haushalte von Agency Bonds (-344,0 Mrd. USD).

US Verschuldung vom Ausland gehalten (Flow of Funds) – Q1 2009

Letzte Woche publizierte das FRB in die Daten zu den Flow of Funds Accounts für das erste Quartal 2009.

Die Entwicklung der Gesamtverschuldung in den letzten zwei Quartalen in der Übersicht:Tabelle

Die privaten US Haushalte reduzieren ihre Verbindlichkeiten, während die der öffentlichen Haushalte expandieren.

Die gesamten Kreditmarktinstrumente wachsen 4,4% gegenüber dem Vorjahr und beliefen sich im ersten Quartal 2009 auf 52,9 Billionen USD. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt lag die Verschuldung bei 375,9%. Der historische Verlauf ist weiter unten im Chart zu sehen.

Verschuldung/Bruttoinlandsprodukt

Außerhalb des Finanzsektors liegt die Verschuldung bei 33,9 Billionen USD oder 241,1% vom Bruttoinlandsprodukt.

Der Anteil der US Verschuldung, der vom Ausland gehalten wird, belief sich im ersten Quartal 2009 auf 15,0%. Das Allzeithoch von 15,2% wurde im zweiten Quartal 2008 markiert. Bei einer gesamten Verschuldung von 52,9  Bill. USD waren es 7931,0 Mrd. USD, die vom Ausland getragen werden. Die Jahresrate beläuft sich auf 5,1%.

Abgebildet der Anteil der US Verschuldung,  der vom Ausland gehalten wird:

Das Volumen der US Treasuries wurde erneut kräftig ausgeweitet, im Jahresvergleich lag der Zuwachs bei 29,3%. 49,1% der US Treasuries befindet sich in ausländischem Besitz – der langfristige Verlauf ist im Chart unten zu sehen.

China hat sich als größter Halter von langfristigen US Staatsanleihen etabliert; die TIC-Daten für den Berichtsmonat April wiesen für China ein Volumen von 763,6 Mrd. USD oder 23,4% der US Treasuries aus; es folgen Japan mit 685,9 Milliarden USD (21,0%), karibische Bankencenter mit 204,7 Mrd. USD (6,3%) und Ölexportierende Staaten mit 189,5 Mrd. USD (5,8%).

Das Ausland hat seine Agency Bonds weiter merklich reduziert; so werden nun noch 16,2% getragen. Im Vergleich zum Vorjahr notiert der Bestand 17,9% tiefer.

Die Zentralbanken halten mittlerweile nahezu 70% der US Staatstitel – US Treasuries (67,6%) und Agency Bonds (69,6%).

Abgebildet ist jeweils der Anteil der Zentralbanken:

Ergänzend findet sich eine aktualisierte Version von ‘Flow of Funds Accounts’ – US Verschuldung im Ausland entweder als PDF oder bei den Einzel-Themen zusammen mit älteren Ausgaben.

Jetzt mit korrigiertem Link für die PDF.

US Industrieproduktion: größter Rückgang seit knapp 63 Jahren

Die US Industrieproduktion nimmt weiter Fahrt auf in der Abwärtsbewegung; im Berichtsmonat Mai sank diese um 1,1% zum Vormonat nach revidierten -0,7% (zuvor: -0,5%). Bis auf den Oktober 2008 sank die Industrieproduktion in den letzten 16 Monaten. So ergibt sich eine jährliche Wachstumsrate von -13,4%, im Vergleich zum Vorjahr der deutlichste Rückgang seit dem Juli 1946 (-16,0%)

Die Autobauer notierten einen Rückgang von -7,9% zum Vormonat oder -38,4% auf Jahresbasis, somit sank die Produktion im verarbeitenden Gewerbe um -1,0%/-15,2% (M/J). Aber auch ohne die Autobauer befindet sich die Industrieproduktion im Rückwärtsgang mit -0,9%/-12,2% (M/J).

Dank der Produktion der Verbrauchsgüter hielt sich der Rückgang der Konsumgüter in Grenzen (-0,8%/-7,1%); gemäßigt auch der Abfall der Versorger (-1,4%/-3,4%). Lange Zeit trotzte die Hightech – Branche der Rezession, seit Mitte letzten Jahres geht es kontinuierlich abwärts, zuletzt mit -1,1% zum April und -14,9% zum Vorjahresmonat.

Im Bild die Jahresrate der gesamten Industrieproduktion:

US Industrieproduktion

Das Frühlingserwachen der Industrieproduktion lässt auf sich warten; “Green Shoots” lassen sich nicht ausmachen.

Where does all the money go?

(Excess Bank Reserves: Guthaben der Banken bei der Zentralbank über die gesetzlichen Reserve-Anforderungen hinaus.)
Die Antwort ist hier zu finden.

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im Juni 2009

V-förmige Erholung (?)

Auch die erste Woche des neuen Berichtsmonats begann sofort mit einem erneuten Knaller: Der ZEW-Index legte satte 18.1 Zähler auf 31.1 nach 13 Punkten zu. Er notiert dadurch jetzt sogar wieder deutlich über seinem historischen Mittelwert bei aktuell 26.2 und erreichte im Mai den höchsten Stand seit Juli 2006. Wer den direkten Chartvergleich wagt, sieht sofort, dass der ZEW-Index, von zwischenzeitlichen Schwankungen abgesehen, seine Hoch- und Tief-Punkte stets mit mehreren Monaten Vorlauf vor dem DAX aufs Parkett legt und damit ganz klar ein Trendsetter ist. Der DAX folgte sofort dieser Vorgabe und zeigte am 19. Mai zum ersten Mal seit Jahresanfang wieder die 5 vorn. Der V-DAX (neu) sank vice versa am nächsten Tag zum ersten Mal seit September 2008 wieder unter die 30er Vola-Marke. WTI Crude Oil nutzte parallel den anstehenden Kontraktwechsel von Juni auf Juli zu nahezu mühelosem Überwinden der 60-Dollar-Marke und erreichte mit 62.26 umgehend ein neues Halbjahreshoch. Dezember 2009 notierte über 65.-, Dezember 2010 bei runden 70.- US-Dollar, bei deutlich reduziertem Contango. Die Normalität kehrt mit großen Schritten zurück.

Einen kleinen Ausreißer nach unten zeigten diesmal die wöchentlichen US-Chain-Store-Sales. Schwächer fielen auch die Baugenehmigungen und Neubaubeginne am US-Immobilienmarkt für den April aus. Dagegen schoss, wie hier vorhergesagt und zeitlich ideal passend am Himmelfahrtstag der TCB US-Leading-Index gleich um einen vollen Prozentpunkunkt von revidierten 98.- auf 99.- in die Höhe und verdoppelte im Anstieg praktisch die vorherige Konsens-Erwartung. Er hat damit nun auch die vom KID zuvor angezeigte Bewegungsrichtung nachvollzogen. Der aus dem April noch fehlende deutsche Erzeugerpreis-Index brachte im Vergleich mit dem Vorjahresmonat einen optisch kräftigen Rückgang um -2.70%. Jedoch muss man dabei, wie auch noch in den nächsten Monaten, die relative Vergleichsgröße der überaus kräftigen Preissteigerungsraten des Vorjahres berücksichtigen. Das Fazit lautet also auch hier: zunächst nur Rückkehr zur Normalität, keinerlei erkennbare deflationäre Tendenzen. Für einen versöhnlichen Wochenausklang sorgten hoffnungsvolle Signale aus Japan, ein weit über den Erwartungen liegender Vorab-Wert bei den Euroland-Einkaufsmanagern, der Baltic Dry mit einem rasanten weiteren Anstieg bis auf 2707 Punkte, sowie ein mit 111.10 weiter freundlicher ECRI Weekly Leading Index, der in der im Trend steil anziehenden Wachstumsrate inzwischen wieder den Stand von Anfang September 2008 mit einem 35-Wochen-Hoch egalisierte. “It is increasingly obvious, that the ‘Green Shoots’ will blossom this Summer”, lautete der blumig-freundliche Kommentar dazu. Wir nutzen diesen Vergleich für eine kurze Gedenkminute mit Rückblick auf die Einleitung vom Februar-KID und auf den Trampel, der ohne Verstand und Weitblick mit seinen alten konjunkturellen Winterstiefeln blindwütig durch die Frühlingsblumen stampft.

KID Konjunktur-Indikator Deutschland im Juni 2009

hier bitte weiterlesen…

US Arbeitsmarkt im Mai 2009: kritische Anmerkungen

Zunächst die vordergründigen Eckpunkte:

Herauspickt wird zunächst die Stellenveränderung. Die positive Meldung lag bei einem Abbau von 345.000; die Konsensschätzungen hatten bei -550.000 gelegen. Zudem wurde der Vormonatswert von -539.000 auf -504.000 revidiert.

Eine Wende im Arbeitsmarkt lässt sich konstatieren, aber in der Ausprägung?

Das CES Net Birth/Death Model generierte im abgelaufenen Mai 220.000 Stellen. Laut dem BLS soll das Stellenwachstum von Unternehmensgründungen abgedeckt werden  “employment growth generated by new business formations”. Diesen Optimismus nehmen wird zur Kenntnis, insbesondere da die Stellenschöpfung 25,0% über der des Vorjahres lag.

Die offizielle Arbeitslosenanzahl von gut 14 Millionen befindet sich auf einem Allzeithoch. Hinzugerechnet werden muss allerdings die Anzahl der Menschen, die entmutigt sind (5.861 Tsd.); somit sind mehr als 20 Millionen Menschen arbeitslos. Nicht zu vergessen die Anzahl der Menschen, die bedingt durch die aktuelle  Konjunkturlage Teilzeit arbeiten, derzeit gut 9 Millionen.

Immer wieder thematisiert, die alternative Arbeitslosenquote (U-6); berücksichtigt werden hier auch die Menschen, die lediglich einen Teilzeitjob finden oder ansonsten die Kriterien für den Arbeitslosenstatus nicht erfüllen. Diese Quote notierte im Mai bei 16,4%.

Hier im Bild mit der offiziellen Arbeitslosenquote:

Zuletzt die aggregierte Wochenarbeitszeit; diese fällt um -6,7% zum Vorjahr. Die Menschen, die Arbeit haben, arbeiten spürbar weniger. Ein vergleichbarer Rückgang wie vergleichbares Niveau wurde zuletzt in den siebziger Jahren gesehen (siehe Chart).

TED-Spread aktualisiert

Mehrere Anfragen kamen den TED-Spread Chart zu aktualisieren:

Haushaltslöcher hinterlassen ihre Spuren

Der in Philadelphia ansässige The Pew Charitable Trusts hat eine Studie veröffentlicht wie 13 US-amerikanische Städte der Rezession begegnen:

Tough Decisions and Limited Options: How Philadelphia and Other Cities are Balancing Budgets in a Time of Recession

Das größte Haushaltsloch offenbart die Autobauerstadt Detroit, die Finanzierungslücke beläuft sich auf 20 Prozent. Zu schaffen macht den Stadtkämmerern sinkende Steuereinnahmen (Einkommensteuer, Verbrauchssteuer, Grund- und Immobiliensteuer). An erster Stelle der Sorgenliste stehen allerdings die fallenden Aktienkurse; diese bewirken eine zu geringe Kapitalisierung der Pensionsfonds, sodass diese bezuschußt  werden müssen.

Ausgabekürzungen wie Erhöhungen der Einnahmen sind vonnöten. Vier dieser 13 Städte erwägen bereits Steuererhöhungen. Einige Städte versuchen ihre Einnahmen mit dem Verkauf oder Leasing öffentlichen Eigentums aufzubessern.
Ausgabekürzungen heißt Reduzierung der kommunalen Leistungen und damit Personalabbau. Schaut man sich an wie die Städte Detroit, Atlanta und Philadelphia bisher ihren Personalstamm reduziert haben, dann droht noch einiges an Ungemach.