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Ketzerisches zur Zukunft des Bankgeschäftes

Lange bevor Nassim N. Taleb seinen Bestseller „Der schwarze Schwan“ veröffentlichte, hat Chuck Palaniuk den Protagonisten seiner existenzialistisch anmutenden Novelle „Fight Club“ (verfilmt mit Bratt Pitt und Edward Norton) sagen lassen: „On a long enough timeline, the survival rate for everyone drops to zero.”

Wir wissen nun (und eigentlich nicht erst seit heute), dass diese Aussage auch für Banken, ja sogar für das gesamte Geld- und Kreditsystem gilt, das staatliche Weisheit für uns vorgesehen hat.
Noch sind wir mit der Reparatur „am System“ beschäftigt und verspüren nicht die Notwendigkeit die systemischen Konsequenzen dieser Reparaturmaßnahmen für die Zukunft des Bankgeschäftes zu analysieren. Aber es ist unschwer vorherzusagen, dass die weltweite staatliche Rettungsaktion des Bankensystems mit in der Höhe unvorstellbaren Summen und Garantien (und zukünftigen Finanzierungsproblemen der öffentlichen Haushalte) gravierende Folgen haben wird.

Emsig basteln unsere Gesetzgeber noch an neuen Regelungen für „Bad Banks“ für die „Angemessenheit von Vorstandsvergütungen“ und für die persönliche Haftung von Managern in der trügerischen Hoffnung an mehr als den Symptomen rumzukurieren, ohne den Abgrund zu sehen an dem sie stehen. Denn am Ende der Krise bleibt eines mit Gewissheit: Der Vorstand jeder größeren Bank weiß zukünftig, dass seine Bank vom Staat um jeden Preis gerettet werden wird.

Dieses Wissen hat gravierende Konsequenzen und wurde in der Theorie hinreichend und tiefschürfend unter dem Begriff „moral hazard“ abgehandelt. Neu ist nun allerdings, dass dieser „moral hazard-Konflikt“ weltweit eine ganze Branche betrifft, die im kapitalistischen System vor allem als staatlicher Erfüllungsgehilfe zur Kreditversorgung der Privatwirtschaft zu funktionieren hat. Konsequent haben die Staaten ihre Erfüllungsgehilfen „gerettet“, weil die Unterlassung den Bestand der Staaten selbst gefährdet hätte.

Aber nun ist eine Konstellation entstanden, die historisch kein Banksystem je vorgesehen hat. Einlagen der Privatwirtschaft bei Banken werden in Zukunft de facto eine staatliche Garantie haben. Da muss man nicht die Bundeskanzlerin zitieren („Die Bundesregierung sagt am heutigen Tag, dass wir nicht zulassen werden, dass die Schieflage eines Finanzinstituts zu einer Schieflage des gesamten Systems wird.“ [05.10.2008]). Diese Garantie liegt vielmehr in der Natur der Sache: Ein Kreditgeldsystem lebt von Vertrauen. Schwindet dieses Vertrauen und gefährdet dieses schwindende Vertrauen das Bankensystem als Ganzes, wird der Staat zukünftig gefordert sein, den Bestand des Bankensystems zu garantieren – um des Bestandes des Staates wegen.

Als Ausfluss dieser Zusammenhänge ist es deshalb nur konsequent, wenn der Staat seine „Rettungsaktionen“ auf die Realwirtschaft selbst ausdehnt. Neben der Verhinderung von weiteren Kreditausfällen, die das Bankensystem weiter belasten würden, hat der Staat hier die Erhaltung seiner aktuellen Steuerbasis im Auge. Denn ohne diese würden seine Rettungsaktionen über kurz oder lang unglaubwürdig.

Wie Bill Gross (PIMCO) in seinem Investment Outlook vom April d. J. schrieb, wird zumindest die nahe Zukunft des Bank- & Investmentgeschäftes durch delevering, deglobalization, and reregulating gekennzeichnet sein. Das klingt zunächst plausibel und unspektakulär. Aber darum wird es nur an der Oberfläche gehen. Denn die wirkliche Absicht dahinter ist es, dass die Staaten damit versuchen, die drückende fiskalische Last einer erneuten Rettungsaktion des Bankensystems wieder abzuschütteln.
Das wird nicht gelingen. Spar-, Sicht- und Termineinlagen haben zukünftig den Charakter staatlich garantierter Forderungen gegen die Banken.

Einen schönen Abend.

4 Kommentare

1 Anonymous - 25.05.2009 um 7:35

Deshalb wird der Staat als nächster einen Garanten benötigen um das Vertrauen in das System zu erhalten …

2 Marc Dimanch - 27.05.2009 um 23:01

Nach dieser “Aussage” herrscht kein richtiger Markt mehr, weshalb die exorbitanten “ZOCKERLÖHNE” gedeckelt werden müssen. Ohne das Risiko scheitern zu dürfen, müsste der Staat sich überlegen, selber Kredite zu vergeben. So kann wenigstens das Volk mitverdienen, wenn es schon bürgt.

3 Mehr Ketzerisches zur Zukunft des Bankgeschäftes | Markt-Daten Blog - 29.08.2009 um 19:02

[...] Nachgang zu dem Beitrag “Ketzerisches zur Zukunft des Bankgeschäftes“ ein Update aus aktuellem Anlass mit einer Verbeugung an Reinhard, der mich vor einiger Zeit auf [...]

4 contract Cleaning - 03.09.2016 um 9:05

contract Cleaning…

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