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Licht am Ende des Tunnels?

Die wöchentlichen Frühindikatoren des Economic Cycle Research Institute (ECRI) haben sich in den letzten Monaten bereits kräftig erholt.

Nach einem beispiellosen Absturz erreichte die Wachstumsrate mit -29,7 in der Woche zum 5.12.2008 ein Allzeittief. Sukzessive erfolgte von dort eine Erholung; die Wachstumsrate befindet sich jetzt auf einem 23-Wochen-Hoch. Für die letzte Märzwoche wurde ein Wert von -22,2 notiert.

Im Bild die Frühindikatoren seit 1968:

ECRI Frühindikatoren - Wachstumsrate

Das Rezessionsende wird häufig markiert, wenn die Wachstumsrate der Frühindikatoren positives Terrain erreicht. Der Arbeitsmarkt dreht frühestens zum Rezessionsende, aber der Aktienmarkt dreht durchschnittlich vier Monate vor dem Ende.

Lakshman Achuthan vom ECRI diskutiert mit CNN einen möglichen Wendepunkt des Konjunkturzyklus. Eine Wende mag er noch nicht ausrufen, aber die momentanen Zeichen deuten auf eine baldige Wende. Üblicherweise manifestiert diese sich dann in zwei bis drei Monaten.

Jobs and Growth Rate Cycle Trough

Scharlatan zu sein ist perfektes Marketing

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Um die wirklichen Ursachen der Finanzkrise zu ergründen, kann ein Seitenblick auf die Kunstszene lohnend sein. Im Interview mit der FAZ beschreibt Wolfgang Joop, der sich von einigen seiner Gemälde von Tamara de Lempika trennen möchte, das Verständnis von modernem Marketing in Amerika:

FAZ: Haben Sie keine Bedenken, dass Sie zu spät dran sind?

W. Joop: Es könnte immer der falsche Moment sein. Damien Hirst hat für seine Auktion den richtigen gefunden. In der “Herald Tribune” stand damals: “The biggest charlatan of the art scene sold to the biggest assholes.” Das fand ich cool. Scharlatan zu sein ist perfektes Marketing. Du musst sie glauben lassen, dass es Kunst ist. Der Preis für Kunst ist eine Behauptung. Er hat es behauptet, und man hat es ihm geglaubt. Am nächsten Tag war dann schon alles anders.

Etymologen leiten das Wort Scharlatan – Aufschneider, Schwindler – aus dem italienischen von ciarlare „schwatzen“ bzw. ciarlatano „Marktschreier, Schaumschläger“ ab.

Übertragen auf die Wall-Street bedeutet dies: „Du musst sie glauben lassen, dass Deine Papiere etwas wert sind. Der Preis für Deine forderungsbesicherten Papiere ist eine Behauptung.“

Quelle: faz.net: Wolfgang Joop im Gespräch: Die Lempickas sind eine phantastische Krisenanlage

US Arbeitsmarktbericht im März

Der US Arbeitsmarktbericht im März markiert wieder neue Tiefst- bzw. Höchststände. Die Kennzahlen in der Übersicht:

Tabelle

Die Arbeitsmarktsituation hat sich in den letzten Monaten zunehmend verschlechtert.

So stieg die Arbeitslosenquote im März von 8,1% auf 8,5% und verharrt auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren. Die alternative Arbeitslosenquote (U-6) kletterte auf 15,6%, dem höchsten Niveau seit 1994, seit dem diese Quote ausgewiesen wird.

Außerhalb der Landwirtschaft wurden 663.000 Stellen gestrichen; seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 wurden 5,1 Mio. Jobs vernichtet, davon alleine 3,3 Mio. in den letzten fünf Monaten. Der Stellenabbau war breit angelegt; so im verarbeitenden Gewerbe (-161.000), Baugewerbe (-126.000), Dienstleistungsgewerbe (-358.000).

Der Anteil der so genannten ‘Jobloser‘, also die Menschen, die arbeitslos sind, da sie ihre Stelle verloren haben, hat mit 63,5% ein Allzeithoch erlangt. Mehrfach wurde hier die Vorlauffunktion für die Arbeitslosenquote erwähnt, daher dazu der Chart:

Jobloser versus Arbeitslosenquote

Heute noch ein Blick auf die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten, die weniger als 35 Stunden in der Woche arbeiten auf Grund der trüben Konjunkturlage. Diese Zahl explodierte förmlich in der aktuellen Rezession, wächst mit einer jährlichen Rate von + 85,3% und verdoppelte sich seit dem Dezember 2007 auf zuletzt 8,942 Mio.. Ohne diese Teilzeitbeschäftigten läge die Arbeitslosenanzahl mittlerweile über 20 Mio.

Der langfristige Verlauf:

Teilzeitbeschäftigte

Der Arbeitsmarktbericht bietet keine Anzeichen der Erholung.

US Rezessionsdauer – längste seit 1929

Mit dem April ist die aktuelle US Rezession nun im 17. Monat und damit die längste Rezession seit 1929.

Seit 1929 betrug die durchschnittliche Rezessionsdauer 12,9 Monate; das NBER hat die US Konjunkturzyklen seit 1857 gekennzeichnet, die durchschnittliche Rezessionsdauer beträgt seit dem 17,4 Monate – zu Konjunkturzyklen.

Laut Moody’s Economy.com sind 44 Bundesstaaten der USA in einer Rezession, der Rest befindet sich am Rande einer Rezession.

Die nachfolgende Grafik zeigt zum einen die Rezessionsdauer seit 1929 wie auch eine Landkarte der USA:

US Rezessionsdauer

Passend zum demnächst erscheinenden US-Arbeitsmarktbericht die US Rezessionen mit der Arbeitslosenquote seit 1929. Für den abgelaufenen März 2009 wird eine Quote von 8,5% nach zuvor 8,1% erwartet. In der Depression der dreißiger Jahre des vorangegangenen Jahrhunderts befand sich die Arbeitslosenquote allerdings mehrere Monate bei 25%.

Rezessionsdauer versus Arbeitslosenquote

US Verschuldung im Ausland – viertes Quartal 2008

Nach der Verschuldung der privaten Haushalte (US Verbraucher: Vermögenswerte pulverisieren sich) folgt heute die US Verschuldung im Ausland im vierten Quartal 2008.

Das Gesamtvolumen der US Kreditmarktinstrumente belief sich zum vierten Quartal 2008 bei 52,593 Billionen USD. Zum Bruttoinlandsprodukt ergeben sich nun 370,4%. Rechnet man den Finanzsektor heraus, so ergibt sich immer noch eine Verschuldung von 236,0% zum Bruttoinlandsprodukt.

Nachfolgend ist der langfristige Verlauf dargestellt:

Die vierteljährliche PDF Dokumentation wurde aktualisiert, daraus der abschließende Kommentar:

Die Kreditmarktinstrumenten, insgesamt, wachsen mit 5,5% gegenüber dem Vorjahr, davon weisen mittlerweile die langfristigen US Staatsanleihen mit 24,3% die höchste jährliche Wachstumsrate auf. Beim Aufbauen der Immobilienblase legten die Agency Bonds am deutlichsten zu, beim Aufräumen derselben wird nach dem Staat und somit den US Treasuries verlangt.

Kreditmarktinstrumente in ausländischem Besitz steigen um 6,3% auf Jahresbasis – Treasuries mit 31,1%, Agency Bonds fallen im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit dem dritten Quartal 1983 um -15,3%.

Der Anteil der US Verschuldung, die vom Ausland gehalten wird, oszilliert seit ein paar Quartalen um die 15% Marke; im vierten Quartal waren es 14,9%.
Weiterhin wird mehr als die Hälfte der US Treasuries von Ausländern gehalten (50,3%). Der Anteil bei den Agency Bonds beläuft sich auf 16,2%, verringert sich sukzessive in dem Maße wie die Fed diese Anleihen aufkauft.

China hat sich als größter Gläubiger der USA etabliert.

Jedes Quartal grüßt das Murmeltier:
Es bleibt dabei, die USA externalisieren ihre Schulden erfolgreich.

US Verschuldung im Ausland (Flow of Funds) Q4 2008 als PDF – Tabellen und Charts.

Im Bild ein Überblick über den Anteil der US Verschuldung, die vom Ausgang gehalten wird:

vom Ausland getragene Schulden

Inflation rate (HICP) in der EU weiter schwach

Die öffentlichen Angaben zur EU Inflationsrate sinken in den Werten weiter. Von Inflation immer noch weit und breit nichts zu sehen. Was man sehen möchte oder munkelt bringt nichts, denn so falsch kann die Mehrheit der Bondkäufer aktuell nicht falsch liegen. Sonst würden die Preise fallen.

So lange die Anleihebesitzer und neuen Käufer mit den aktuellen Renditen “zu frieden” sind, brauchen wir grundsätzlich nicht über neue und höhere Inflationsraten diskutieren.

Der kausale Zusammenhang zwischen “höhere Rohstoffpreise deuten zukünftig höhere Inflationsraten an” ist mir immer noch nicht belegt wurden, aber wer an ein solches Szenarium glaubt/denkt sollte durch die geschilderten Anmerkungen zur aktuellen Inflationsrate auf keine höheren Rohstoffpreise hoffen. Eher das Gegenteil sollte eintreten und die Rohstoffpreise weiter in den Preisen reduzieren. Thomas Wegner