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Die tödlichen D’s

Carmen Reinhart, die zusammen mit Kenneth Rogoff  in einer Studie die Folgen von 18 Finanzkrisen nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht hat, kennzeichnet in einem neuen Artikel die tödlichen Folgen solch einer Krise, die tödlichen D’s. Den ursprünglichen Entwurf hatten wir Anfang Januar  in den Blog gestellt (“The Aftermath of Financial Crises”). Die Studie selbst wird erst im Mai diesen Jahres publiziert und wird mit Spannung erwartet. Wir haben es im Auge.

Zu dem neuen Artikel ‘The economic and fiscal consequences of financial crises’:

The “deadly d’s”: Sharp economic downturns follow banking crises; with government revenues dragged down, fiscal deficits worsen; deficits lead to debt; as debt piles up rating downgrades follow. For the most fortunate countries, it does not end in default.

The economic and fiscal consequences of financial crises

Heute steht zunächst ein Teil des Abschwungs (downturns) im Fokus.

Für die 18 Finanzkrisen wurden gemeinsame Merkmale ausgemacht:

  1. Aktienmärkte kollabieren tief und langanhaltend, durchschnittlich 55% über dreieinhalb Jahre
    reale Hauspreise sinken durchschnittlich 35% gestreckt über sechs Jahren
  2. die Arbeitslosenquote steigt durchschnittlich 7% während der Kontraktionsphase, die durchschnittlich vier Jahre andauert.
    Die Produktion schrumpft während der Rezession durchschnittlich um 9%, dies dauert durchschnittlich zwei Jahre
  3. die inflationsbereinigte öffentliche Verschuldung explodiert in diesen Phasen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist diese durchschnittlich um 86% gestiegen. Ursächlich waren nicht die Konjunkturspritzen oder Subventionen verantwortlich, sondern grossteils die deutlich geringeren Steueraufkommen.

Wenn alles “durchschnittlich” verlaufen wird, wo stehen die USA dann momentan?

Reinhart und Rogoff haben sich angesichts des Ausmaß der aktuellen US Rezession auf systemische Finanzkrisen fokussiert, in der Studie waren unter anderem fünf “ältere” Krisen in Industrieländern enthalten. Dies waren Spanien (1977), Norwegen (1987), Finnland (1991), Schweden (1991) und Japan (1992).  Allerdings wurden auch bereits sechs Staaten für die Krise ab 2007 in die Studie einbezogen.

Für die Aktienmärkte:

Tabellarisch dargestellt der Rückgang einzelner Finanzmärkte; ohne den Kursverlust der vergangenen Monate liegt der isländische Markt weit vorne.

Tabelle

Der S&P500 verbuchte seit seinem Allzeithoch im November 2007 einen Abschlag von maximal 56,8% innerhalb von 18 Monaten. Die preislichen Voraussetzungen für eine durchschnittliche Performance sind somit erfüllt; auf der Zeitachse fehlen allerdings noch knapp zwei Jahren.

S&P500

Für die Arbeitslosenquote:

Eine Arbeitslosenquote von >20% wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen, allerdings notierten die Arbeitsmärkte der Industriestaaten in der Vergangenheit in der oberen Spannbreite.

Tabelle - Arbeitslosenquote

Der Korrekturbedarf des US Arbeitsmarktes scheint weder zeitlich noch preislich abgeschlossen. Von den durchschnittlich erzielten 7% Zuwachs stehen noch 3,8% aus.

Arbeitslosenquote

Für das Bruttoinlandsprodukt; die Autoren verwenden in ihrer Studie das reale, also inflationsbereinigte, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Bis auf Finnland (1991) erreichte der Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im Zusammenhang mit einer Finanzkrise in den Industriestaaten nicht annähernd den Durchschnitt von -9,3%.

Tabelle - Bruttoinlandsprodukt
Das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf erreichte im zweiten Quartal 2008 ein zyklisches Hoch und hat seither -2,23% abgegeben.


Zum Abschluss noch ein Chart, der den S&P500 Index seit 1920 mit den US Rezessionen zeigt:

S&P500 und US Rezessionen

2 Kommentare

1 Der Erste Streich « Am Scheideweg - 11.04.2009 um 1:50

[...] Der Erste Streich Eine Vorschau auf die Dinge die noch kommen werden, findet sich auf dem Markt Daten Blog: http://blog.markt-daten.de/2009/04/10/die-todlichen-ds/ [...]

2 18 Finanzkrisen mit gemeinsamen Merkmalen • Börsennotizbuch - 14.04.2009 um 14:06

[...] Entsprechend stehen die Entwicklung an den Aktienmärkten, der Arbeitslosigkeit und des US-BIP in den Fokus. Mehr: Die tödlichen D’s. [...]

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