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US Arbeitsmarkt im Januar 2009

StellenabbauDer Stellenabbau im Januar kam nun den dritten Monat infolge bei nahezu 600 Tsd. ein. Nach revidierten -577 Tsd. (zuvor: -524 Tsd.) publizierte das BLS 598 Tsd. vernichtete Stellen. Die Anzahl der Beschäftigten schrumpft im Jahresvergleich mit zunehmender Geschwindigkeit, zuletzt um -2,5% zum Vorjahresmonat, der höchsten Rate seit November 1982 (-2,6%).
Im Januar war vorzugsweise das produzierte Gewerbe getroffen; so das Baugewerbe mit -111 Tsd. und das verarbeitende Gewerbe mit -207 Tsd. Stellen. Da laut BLS im Gesundheitswesen Stellen geschaffen wurden (+ 54 Tsd.) hielt sich der Dienstleistungssektor mit -279 Tsd. Stellen.
Die Zeitreihe wurde einer alljährlichen Revision unterzogen; insgesamt wurde  die Beschäftigtenzahl tendenziell nach unten revidiert. Das Ergebnis ist in dem rechts nebenstehenden Chart zu sehen.

US ArbeitslosenquoteDie offizielle Arbeitslosenquote lag mit 7,6% nach zuvor 7,2% auf dem höchsten Niveau seit September 1992 (ebenfalls 7,6%).
Nebenstehend ist diese zusammen mit der vom Gnom bereits erwähnten alternativen Arbeitslosenquote abgebildet. Mit 13,9% wurde das Allzeithoch des Vormonats ausgebaut.

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Am interessantesten erscheinen mir wieder die zwei folgenden Charts. Zum einen ist der Anteil der ‘Jobloser’, also die Menschen die arbeitslos sind, da sie ihre Stelle verloren haben, mit 61,1% auf den drittgrößten je gemessenen Stand geklettert. Nur der Oktober und November 1982 lagen geringfügig höher. Diese Daten haben zur Arbeitslosenquote eine Vorlaufzeit von ein paar Monaten; wir dürfen gespannt sein, wie weit die Quote noch läuft.

Die Korrelation ist in folgendem Chart zu beobachten:

Markant ist die rückläufige Arbeitszeit. Die Wochenarbeitszeit liegt für den gesamten Beschäftigungssektor bei 33,3 Stunden. Die jährliche Wachstumsrate der aggregierten Wochenarbeitszeit stürzt weiter ab; -4,6% im Jahresvergleich. Dieser Tatbestand ist immerhin dafür verantwortlich, dass die US Produktivität schwarze Zahlen schreibt. Das diese Woche gemeldete Produktivitätswunder (Gesamtproduktion pro Arbeitsstunde) von + 3,2% für das vierte Quartal 2008 kam letztendlich zu Stande, da bei sinkender Produktion die Arbeitszeit sank, sprich Menschen entlassen wurden.

Zur aggregierten Wochenarbeitszeit:

Fazit:

Der Arbeitsmarktbericht weist keinerlei Erholungstendenzen auf.  Zusammengenommen haben seit Rezessionsbeginn 3,5 Mio. Menschen ihren Job verloren oder arbeiten zunehmend bei geringerer Stundenzahl.

US Arbeitslosenstatistik U6 13,9 %

Schon mal vorab... ;-) 

U-6 Total unemployed, plus all marginally attached
       workers, plus total employed part time for
       economic reasons, as a percent of the civilian
       labor force plus all marginally attached workers..
NSA Jan08 9,9%  Jan 2009 15.4%      SA Jan08 9,0   Jan09 13.9 %

Harry Markopolos vs. Bernard Madoff: Ein Mann blickt durch

Der Fondsmanager Harry Markopolos hat bekanntlich seit Jahren vergeblich versucht, die Beamten von der SEC davon zu überzeugen, dass Madoff ein Betrüger ist. “Ich habe ihnen das größte Schneeballsystem der Geschichte in Geschenkpapier verpackt geliefert, aber irgendwie machten sie sich nicht die Mühe für anständige und gründliche Ermittlungen”. Markopolos hatte sich mit Madoff beschäftigt, weil man ihn aufgefordert hatte, die Investmentstrategien von Madoff nachzubilden.

Weiterhin gibt er in seiner Anhörung in Washington zu Protokoll, dass er innerhalb von fünf Minuten gewusst habe, dass Madoff ein Betrüger sei. Weitere vier Stunden mit genauerer Prüfung der Gewinnentwicklung und Zahlen hätten seine Vermutungen bestätigt.

Wie geht das denn? Alle Welt fällt auf Mr. Madoff herein, aber Harry holt schon mal den Gefängnis-Wagen für Madoof? Ist Herr Markopolos unglaubwürdig? Nein, der Mann versteht einfach nur sein Geschäft! Man braucht wirklich nicht länger als fünf Minuten mit einem solchen Chart wie Madoof es simuliert hat, zu verbringen, weil es solche Kursverläufe von risikobehafteten Anlagen nicht geben kann.

Siehe dazu die simulierte Kapitalkurve des Herrn Madoff, am Beispiel des Hedge Funds “Fairfield Sentry Fund”, der zu hundert Prozent in das Madoff System investiert war. Ein solcher Kurvenverlauf hätte jeden Investmentprofi stutzig machen müssen, weil es solche Kursverläufe von risikobehafteten Anlagen nicht geben kann! Die Grafik stammt aus dem sehr lesenswerten Anlagekommentar der Wegelin Bank. Ponzi regiert

Die Abbildung einer solchen Kapitalkurve ist nicht sonderlich aufwendig. Diejenige von Phönix Kapitalvernichtungsmanagement sah übrigens sehr ähnlich aus. Ein Vorschlag meinerseits zur künstlerischen Gestaltung einer Kapitalkurve: Anfragen bezüglich der gezeigten Handelsstrategie, richten Sie bitte an mein Büro auf den Cayman Islands. :-)

Die Urangst des Anlegers vor dem bunten Nichts

Der Regisseur Sebastian Schipper äußert sich über das Filmemachen gegenüber der FAZ  (Über die Urangst des Filmemachers vor dem bunten Nichts) wie folgt: “Um dieses seltsame Geschäft ansatzweise zu erklären, sage ich: Na ja, du musst dir vorstellen, es kostet wahnsinnig viel Geld, es hat ganz viel mit Träumen und Sehnsüchten [im Falle Madoff: Gier] zu tun – und am Ende ist es nichts weiter als buntes Licht, [nichts weiter als heisse Luft] das auf eine Wand fällt. Sonst ist nichts. Es ist erst was, wenn es in den Köpfen der Leute [Anleger] zu etwas wird.” Hans-Christian Schmid ergänzt: “Ich stelle mir manchmal die Frage, wie das wäre, wenn man mit seinem eigenen Geld losziehen müsste.” Diese Frage sollte sich mancher Vermögensverwalter sicherlich auch ab und zu stellen.

Fazit

Betrügerische Schneeballsystemen wie Madoff oder Phönix waren relativ leicht zu durchschauen, anders sieht es allerdings aus, bei impliziten Ponzi Schemen mit Potential zur Bösartigkeit, wie zum Beispiel Staatsanleihen. Es bleibt zu hoffen, dass sich eigene Kapitalanlagen bei Banken, in Fonds oder festverzinslichen Papieren, die man heute noch als sicher erachtet, nicht als bösartiges Ponzi System entpuppen werden.

Helmut Wüllenweber