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Bailout 2.0

Ok, ich weiß, Herr Paulson ist Investmentbanker und will daher die Wall Street und nicht die Main Street unterstützen. Wäre man etwas sozialer eingestellt, würde man die 700 Mrd Dollar direkt in den Häusermarkt fließen lassen und somit das Problem bei den Wurzeln packen. Man könnte 14 Millionen amerikanischen Haushalten 50.000 Dollar zweckgebunden für die zu erwerbende Immobilie oder zur Schuldentilgung zur Verfügung stellen. Entweder in Form einer Eigenheimzulage in bar oder zur Darlehenstilgung oder aber in Form einer Steuergutschrift. Der Immobilienmarkt würde stabilisiert, das Insolvenzrisiko gesenkt und somit wäre auch den Kreditgebern geholfen.

Ergänzung:

Dirk Schümer betrachtet die aktuelle Situation in der Finanzwirtschaft in seinem Artikel “Gier, die über Leichen geht” aus historischer Perspektive. Ergänzend führe ich einige Zitate an:

“Entscheidend für den kurzfristigen Erfolg – mit langfristigem Zusammenbruch – kreativen Kapitaltransfers ist stets die Neuartigkeit des Produkts, auf welches die ahnungslose Restgesellschaft noch nicht reagiert hat. … Bis solche suizidären Praktiken von einer Obrigkeit, wenn sie nicht ohnehin mit den Bänkern identisch war [siehe dazu die Fußnote], verboten werden konnte, war es damals meist zu spät. Solche planmäßige Abkopplung des Bankwesens von der Logik des alltäglichen Wirtschaftens kennt zahreiche Beispiele.

Ein Gemeinwesen, das es nicht schafft, die Deiche von New Orleans abzudichten, aber eine Million mal eine Million Dollar für notleidende Börsenspekulanten im Handumdrehen der Allgemeinheit auflastet, muss man wohl als Geisel eines durchgeknallten und zu allem entschlossenen Finanzsektors betrachten. Erst wenn alle Dämme der Vernunft brechen, richtet sich die Findigkeit des Kapitalmarktes gegen sich selbst.”

Man wird sehen, wie weit sich die Allgemeinheit in Geiselhaft nehmen lassen wird.

Fußnote: Man denke in diesem Zusammenhang an den Goldman Sachs Abgesandten im US Finanzministerium. John Crudele von der New York Post wirft dem Goldman Sachs Abgeordneten Henry Paulson sogar – und zwar nicht zum ersten mal – Insidergeschäfte vor:

Siehe dazu “Bailout plays into Bernankes deflation fighting theory” sowie “Treasury´s Paulson plays with the plunge protectors” bei nypost.com.

Helmut Wüllenweber

What Happens During Recessions, Crunches and Busts?

Die Ökonomen Stijn Claessens, M. Ayhan Kose und Marco E. Terrones vom IWF haben sich mit ebendieser Frage beschäftigt und zu diesem Zwecke 122 Rezessionen, 112 Kreditklemmen und 114 Phasen mit Immobilienpreisrückgängen sowie 234 Baissephasen am Aktienmarkt von 1960 bis 2007 anhand der Daten von 21 OECD-Ländern ausgewertet.

Zusammenfassend kommen sie zu folgendem Schluß:

In light of these findings, we examine the prospective implications of recent macroeconomic and financial developments in the United States and conclude that there are indications that the current slowdown in U.S. output is not atypical of the onset of previous recession episodes. Yet at the same time, the sharp decline in total investment (mainly driven by a large drop in residential investment), the drop in house prices and, to lesser extent, the credit contraction suggest that the slow down is more severe than in a typical onset of a recession. This suggests that, if a recession were to occur in the United States, its amplitude might be deeper and its duration longer than that of a typical recession.

Rezessionen, die mit sinkenden Häuserpreisen einhergehen, haben mit 4,6 Quartalen die längste Dauer, wobei die Preiskorrektur am Häusermarkt selbst, erst nach durchschnittlich 18 Quartalen beendet ist.

What Happens During Recessions, Crunches and Busts? (pdf)

Helmut Wüllenweber