Die Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsproduktes bedarf noch einer Nachbetrachtung; eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Daten ist wohl überflüssig, nichtsdestotrotz kann man die Absurditäten zusammenfassen.
Nach einem Anstieg von +0,9% annualisiert zum Vorquartal im ersten Quartal wurde die erste Schätzung des Bruttoinlandsproduktes von +1,9% auf +3,3% nach oben revidiert. Rückläufige Importe, gestiegene Exporten wie private Ausgaben sollen für den Anstieg im zweiten Quartal ausschlaggend gewesen sein. 85% der Revision von zusätzlichen 1,4% gehen auf das Konto der aufwärts gerichteten Revisionen der Exporte und der privaten Lagerhaltung wie der Importrevision nach unten.
Im Barron’s findet Alan Abelson allerlei Merkwürdigkeiten in der jüngsten Veröffentlichung des US-Bruttoinlandsproduktes.
Auszüge:
GDP, IN COMMON PARLANCE, stands for gross domestic product, or the aggregate value of all the goods and services produced on these blessed shores. Or, at least, that’s what it used to mean in those long-gone days of yore, when life was simpler and government statistics credible. These days, alas, those initials more typically signify “gross deceptive pap.”
…
THE ASTUTE ECONOMY-WATCHER for Merrill Lynch, David Rosenberg, also strongly advises digesting the suspect GDP report with a “very large grain of salt.” Among other things, he casts a skeptical eye on how the report treats the decline in corporate profits. (We won’t keep you in suspense: The answer is: “gingerly.”)
More specifically, he notes, “national-account corporate profits declined at a 9.2% rate in the second quarter.” For domestic industries, he goes on, profits are down 14.4% year over year.
But according to the GDP report, domestic nonfinancial profits fell at a much sharper 22% annual rate. The reason the drop in total corporate earnings was limited to 9.2% was that, David relates, profits in the financial sector, so claims the report, surged — get this — at a 27% annual rate.
His wonderfully eloquent comment:
“Are you kidding me?”
Quelle: Sizing Up Sarah
Der BIP-Deflator, also die Inflationsrate, die der Berechnung des inflationsbereinigten (=realen) Bruttoinlandsprodukte zugrunde liegt, bleibt eine Kritikquelle. Je niedriger diese veranschlagt wird, umso grösser das reale Wachstum.
Grund genug diesen BIP-Deflator im Chart abzubilden.
Die annualisierte Inflationsrate von +1,2% wird im zweiten Quartal folgend beeinflusst:
- priv. Verbrauch +2,93%
- Anlageinvestitionen +0,17%
- Änderung der Lagerhaltung -0,06%
- Exporte +1,37%
- Importe -4,56%
- Staatsausgaben +1,34%
Im Klartext, die hohen Ölpreise, die sich in den Importen wiederspiegeln, reduzieren den BIP-Deflator und erhöhen somit die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes. In der Historie der Datenreihe ist dies der grösste Prozentsatz, der je bedingt durch die Importe abgezogen wurde (rote Säulen).
Ob wir allerdings bei jetzt sinkenden Ölpreisen einen höheren BIP-Deflator und geringeres Wachstum sehen?
Wie verhält sich die BIP-Inflation zu den Erzeuger- und Verbraucherpreisen?
Verwendet wurden jeweils die Veränderungen zum Vorjahr, beim BIP-Deflator auf Quartalsbasis, ansonsten auf Monatsbasis.
Erstaunliche Ergebnisse, so ergeben sich für
BIP-Inflation – tiefster Stand seit dem vierten Quartal 2002
Erzeugerpreise – höchster Stand seit 27 Jahren
Verbraucherpreisen – höchster Stand seit 17 Jahren
Der Chart dazu
