Rückkehr zum Goldstandard
Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclay Capital, zitiert in seinem Beitrag „Der Charme privaten Geldes“ für die FAZ vom 21. Juli Friedrich August von Hayek: “Die Geschichte des staatlichen Geldes sei, mit der Ausnahme einiger kurzer Episoden, eine Geschichte von Lug und Trug.”
Herr Polleit spricht von Politikfehlern, Missbrauch der Notenpresse und dringendem Reformbedarf des Papiergeldsystems. Zur Lösung des Übels schlägt er die Privatisierung des Geldes vor, wobei im ersten Schritt die Geldmenge in einem festen Umtauschverhältnis zum Gold fixiert werden soll. In einem zweiten Schritt sollen die Geschäftsbanken im Wettbewerb miteinander die Möglichkeit bekommen, eigenes Geld anzubieten. „Der Wettbewerb um das beste Geld würde vermutlich dafür sorgen, dass das gute Geld eines ist, das durch ein knappes Gut – Gold oder Silber oder beides (”Bimetallismus”) – gedeckt ist.“
Bei allem Verständnis für die berechtigte Kritik an der Notenbankpolitik der jüngsten Vergangenheit, stellt sich die Frage, ob Volkswirte wie Herr Polleit nichts aus der Geschichte der Weltwirtschaftskrise gelernt haben.
In einer Replik auf einen früheren Beitrag Herrn Polleits „Misstrauen in das Staatsgeld” geht dem Staatsdiener Prof. Dr. Nikolaus K.A. Läufer die Kritik am staatlichen Papiergeldgeldsystem mit zum Rückkehr zum Goldstandard zu weit.
So erinnert er völlig zu Recht an die Erfahrungen mit der grossen Depression, die uns gelehrt haben (sollte), dass es kontraproduktiv wäre, dem Bankensystem in einer Liquiditätskrise die nötigen Geldmittel zu versagen.
http://www.uni-konstanz.de/FuF/wiwi/laufer/Finanzkrise-oder-Geisteskrise.pdf
Wir werden sehen, ob öffentlich zur Diskussion gestellte Vorschläge, wie der Gedankengang von Herrn Polleit, als Ausdruck einer Inflationshysterie zu betrachten sein werden, sollten sich zukünftig nach dem Platzen diverser Preisblasen im Gegenzug Deflationsängste im Verlauf einer weltweiten Rezession breit machen.
Helmut Wüllenweber



2 Kommentare
Wir wissen nicht, ob der Erfinder der “0″ ein Mörder war oder nicht, die “0″ bleibt. Der Hinweis auf Mieses und Hayeks politisch unkorrektes Verhalten berührt nicht deren wissenschaftliche Arbeiten. Der Hinweis zeugt von der Hilflosigkeit der von England ausgehenden Theorien angesichts der Kernschmelze des Weltfinanzsystems.
Lord Keynes 1920
„Mit dem kontinuierlichen Prozeß der Inflation kann der Staat heimlich und unbeachtet einen großen Teil des Reichtums seiner Bürger konfiszieren. Mit dieser Methode können die Regierungen nicht nur konfiszieren, sondern willkürlich konfiszieren. Der Prozeß stellt alle verborgenen Kräfte der ökonomischen Gesetze in den Dienst der Zerstörung, und er macht es auf eine Art und Weise, die nicht einer aus einer Million Menschen zu erkennen vermag.“
Eröffnete dann jeder größere Goldschürfer eine Bank und lagerte dann das Gold praktischerweise da wieder ein, wo das große Loch ist, in dem er es gefunden hat?
Wie kämen denn die privaten Banken in den Besitz bzw. wie würden sie denn zu Eigentümern des Goldes –
würde es zunächst gleichmäßig unter den Privatbänkern aufgeteilt oder gleich ganz gleichmäßig in der Welt?
Wäre dann das “reichste” Land das mit den größten Goldreserven oder -vorkommen?
Wem gehört überhaupt das Gold im Boden?
Was machten eigentlich Staaten, die keine Goldvorkommen/-reserven haben?
Wären dann die Zinsen genau so hoch wie die Menge zusätzlich gefundenen Goldes oder gibt’s dann keine mehr?
Erlebte die Alchemie eine Renaissance?
Fragen über Fragen … ^^
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