Wachstum des US Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal
Aus einer Wachstumsrate des nominalen Bruttoinlandsprodukts in den Vereinigten Staaten (Wert des BIP zu jeweiligen Preisen = Current-Dollar GDP) in Höhe von 3,78% zaubert das BEA ein von 1,82 Prozent aufgerundetes Wachstum des BIP von beachtlichen 1,90 Prozent.
Das ist für eine Volkswirtschaft, die sich in einer Rezession befindet, eine beachtliche Wachstumsrate!
Dieses statistische Kabinettstück vollzieht sich unter Verwendung eines impliziten Preisdeflators, der im zweiten Quartal eine Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahresquartal von 1,92 Prozent ausweist. Der Konsumentenpreisindex, veröffentlicht vom U.S. Department of Labor, indizierte im Juni eine Inflationsrate von 5,0 Prozent, derweil die Erzeugerpreise in USA im gleichen Zeitraum mit einer Rate von 9,1 Prozent davongaloppiert sind.
Zu Illustrationszwecken habe ich die Jahresveränderungsrate des nominalen BIP um die – bekanntlich immer noch sehr modert ausgewiesene Inflationsrate des amtlichen Konsumentenpreisindex – reduziert.
Helmut Wüllenweber
US GDP – Kommentar von Bill King
The GDP Price Index inexplicably tanked to 1.1% in Q2; 2.4% was
expected.
Nominal GDP declined to 3% from Q1’s 3.5%. Government beancounters
boosted ‘real’ GDP by 1.5 percentage points by collapsing the GDP Price
Index to 1.1% from Q1’s 2.6%. Q2 might be the inflation peak, with food and energy prices soaring; yet
the US government wants people to believe that the GDP Price Index
tanked to 1.1% from 2.6%!!!!!
US Hypothekenanträge kollabieren
Die Mortgage Bankers Association meldete für die Woche bis zum 25.7. einen Rückgang der Hypothekenanträge um -14,1% von 489,6 auf 420,8. Bereits in der Vorwoche war ein Abschlag von -6,2% notiert worden. Der Gesamtindex befindet sich deutliche 30,7% unter dem Vorjahresniveau.
Der Refinanzierungsindex gab um -22,9% von 1392,7 auf 1074,4 ab; zum Vorjahresniveau sind dies -37,7% oder auch das tiefste Niveau seit Beginn 2001. Auf das Ende der Refinanzierungswellen hatten wir mehrfach aufmerksam gemacht.
Der Kaufindex fiel moderater um -7,8% von 335,6 auf 309,5; liegt -25,7% unter dem Vorjahresstand und auf dem tiefsten Niveau seit Februar 2003.
Dazu der Chart:

weitere Daten aus dem Immobiliensektor:
- Freddie Mac meldete für die vergangene Woche einen scharfen Anstieg der Hypothekarzinsen für 30-jährige, festverzinslichte Darlehen. Nach 6,26% in der Vorwoche wurden nun 6,63% gesehen. Noch Anfang diesen Jahres notierten die 30-jährigen Zinsen bei 5,48%. Ein höheres Zinsniveau wurde zuletzt im August letzten Jahres beobachtet.
- Einhergehend mit steigenden Zinsen ist eine deutlich geringere Wachstumsrate der Immobilienkredite. In der Woche zum 9.7.2008 lag die jährliche Wachstumsrate bei +4,6%, dem geringsten Stand seit Februar 1997.
Einen historischen Überblick bietet der nachfolgende Chart

US-Immobilienblase – von Japan lernen?
Nein, keine langatmige Analyse, aber wie könnte sich der S&P/Case-Shiller Home Price Index (Comp.-10) weiter entwickeln?
Immer wieder werden baldige Erholungen in den Raum geworfen. Anlass sich das Platzen der japanischen Immobilienblase im Vergleich anzuschauen – auch wenn die verwendeten Indizes nur bedingt vergleichbar sind.
Zur Hilfe wird zusätzlich der ‘Japan Land Prices Urban Nationwide Average’ – Index genommen. Dieser toppte im dritten Quartal 1991 und befindet sich seither in einer Talfahrt. Der Composite-10 hat sein Topp erst vor knapp drei Jahren im Juni 2005 gesehen.
Der Chart dazu:

Das Bild kommt in den Ordner ‘Wiedervorlage”
S&P/Case-Shiller Home Price Indizes – der erwartete Sinkflug
Die heute publizierten S&P/Case-Shiller Home Price Indices für den Mai brachten keine Überraschung. Der Composite-10 notiert wie auch der breiter gefasste Composite-20 jeweils auf einem neuen Rekordtief; ersterer bei -16,9%, letzterer bei -15,8% gegenüber dem Vorjahr. Seit 23 Monaten fallen die Indizes, auf Jahressicht mit zunehmender Geschwindigkeit.
Bei den grössten Verlierern hat sich auch nichts Neues ergeben. Den grössten Abschlag gab es für die Immobilienbesitzer in Las Vegas (-28,4%) knapp gefolgt von Miami (-28,3%). Keine der 20 Metropolen konnte eine positive Wachstumsrate aufweisen, wenn auch Charlotte erneut die unrühmliche Tabelle mit lediglich -0,1% abschliesst.
Die Übersicht in tabellarischer Form:

Immobiliencharts – wie auch der S&P/Case-Shiller Home Price Index
Finanz-Alchimisten am Werk: Kapitalerhöhung bei Merrill Lynch
Merrill Lynch läßt über die Agenturen verbreiten, daß sich die die staatliche Temasek Holding aus Singapur mit 3,4 Milliarden Dollar an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligt.
Die Realität sieht anders aus: Merrill zahlt 2,5 Mrd Dollar an Temasek für die Verluste, die der Staatsholding aus dem verfrühtem Kauf von Merrill Aktien im Dezember 2007 entstanden sind. Temasek verpflichtet sich diesen Betrag zuzüglich 900 Mio. Dollar in Merrill Aktien zu investieren.
In Wirklichkeit erhält Merrill also 900 Mio Dollar von Temasek und überläßt im Gegenzug Aktien im Gegenwert von momentan 3,4 Mrd. Dollar.
Man erkennt, wie verzweifelt Merrill sein muß, um sich auf solche Geschäfte einzulassen.
Helmut Wüllenweber
“Dead Cat Bounce” in Confidence
Die Originalmeldung klingt dann doch pessimistischer als der Anstieg des Verbrauchersentiments der Uni Michigan vermuten lässt. Der Index wurde am Freitag in der endgültigen Fassung für den Juli von ursprünglich 56,6 auf 61,2 nach oben revidiert. Das 28-Jahretief bei 56,4 im Juni wurde verlassen, aber nichtsdestotrotz, in der 52-jährigen Geschichte des Indexes hat dieser weniger ein Duzend Mal tiefer notiert.
Die Erwartungskomponente wurde von 48,3 auf 53,5 revidiert (im Juni 49,2) und die Einschätzung der aktuellen Situation von 69,5 auf 73,1 ebenfalls nach oben revidiert (im Juni zuvor 67,6).
Auszüge aus der Originalmeldung:
“Even after the small July gain, the overall level of consumer confidence is dismal and still points toward declines in the pace of spending in late 2008 and early 2009,” according to Richard Curtin, the Director of the Reuters/University of Michigan Surveys of Consumers. The gains could signal that consumers simply overestimated the extent of the economic damage or even that they now sense that the end of the economy’s decline is on the distant horizon. “It is more likely that the gains in confidence reflect a “dead cat bounce,” a phenomena has been repeatedly observed over the past fifty years: following a steep decline in confidence a small gain is recorded before confidence resumes its downward slide,” Curtin explained.
….
The extent of the economic damage reported by consumers remained sizable. More than half of all consumers reported that their financial situation worsened due to higher food and fuel prices and half anticipated that their overall living standards would decline in the year ahead. While the anticipated declines in inflation-adjusted incomes were mainly due to higher expected inflation, consumers also anticipate shorter work hours, fewer bonuses, and smaller wage gains.
Nine-in-ten consumers thought the economy was in recession, with record numbers citing unfavorable news about rising prices, lost jobs, slowing economic growth, falling stock prices, and the continuing fallout from the credit and housing crises. Six-in-ten consumers expected the unemployment rate to rise and three-in-four anticipated the continuation of bad times financially in the economy during the year ahead. “The appraisals of consumers of their own finances as well as conditions in the national economy remained very negative, near the worst levels recorded in the fifty-year history of the surveys,” Curtin said.
Im Bild schaut es dann so aus

Diverse, langfristige, inflationsbereinigte Charts
Auf Markt-Daten.de finden sich jetzt langfristige, inflationsbereinigte Charts zum Dow Jones Industrials und diversen Rohstoffen.
Um unterschiedlichen Betrachtungsansätzen gerecht zu werden, wurde als Basis zum einen 2008 wie zum anderen der jeweilige Chartbeginn gewählt.
Dow Jones Industrials seit 1920
Dow Jones Industrials seit 1960
Gold
Silber
Platin
Palladium
Rohöl
Aluminium
Kupfer
Weizen
Mais
Reis
Zucker
Anmerkungen, Ergänzungsvorschläge u.s.w. können zugefügt werden.
Zinsdifferenz von AAA Unternehmensanleihen zu US Staatsanleihen
Nachdem im Juni 2007 der Zinsaufschlag für Anleihen erstklassiger Schuldner des Unternehemenssektors im Vergleich zu Staatsanleihen auf dürftige 64 Basispunkte zusammengeschmolzen war, konnte man am 17. März diesen Jahres – die Krise um Bear Stearns erreichte ihren Höhepunkt – 213 Basispunkte Mehrertrag für Unternehemensanleihen vereinnahmen.
Zwischenzeitlich hatte der Risikoappetit der Anleihekäufer schon wieder zugenommen, wobei man sich in der jüngsten Vergangenheit wieder eines Besseren besonnen hat.
Im Verlauf der Baisse am Aktienmarkt in den Jahren 2000 bis 2003, dargestellt ist der S&P 500 Index, hatte sich die Zinsdifferenz in Krisenzeiten am 21. Sept 2001 und 9. Okt 2002 in der Spitze auf 267 bzw. 251 Basispunkte ausgeweitet.
Helmut Wüllenweber
Bill Gross rechnet mit 1.000 Mrd Dollar Abschreibungen aus US-Immobiliendarlehen
Bill Gross von Pimco schätzt, daß von den ausstehenden US-Hypodarlehen ein Volumen in Höhe von 5.000 Mrd Dollar der Kategorie “risikobehaftet” (Alt-A und Subprime) zuzuordnen sind. 25 Millionen der US Eigenheimbesitzer sähen sich mit dem Risiko konfrontiert, daß die Schulden den Wert der Immobilie überschreiten. Den Abschreibungsbedarf aus den Risikokrediten schätzt er auf 1.000 Mrd. Dollar.
Bloomberg hat errechnet, daß im Bankensektor bislang 467.9 Mrd Dollar an Abschreibungen getätigt wurden, wobei den Banken durch Kapitalmaßnahmen weltweit 344.2 Mrd Dollar zugeflossen sind.
Pimco Investment Outlook August 2008
Das Kursverhalten des S&P Banken Index, es konnte ein Kursanstieg in Höhe von 65 Prozent in sechs Tagen realisiert werden, zeigt typische Muster wie sie beim Platzen einer spekulativen Kursblase zu beobachten sind.
Helmut Wüllenweber
ifo Geschäftsklima Deutschland – Abschwungphase erreicht
Der ifo Geschäftsklimaindex hat im Juli erneut kräftig nachgegeben; der Index sank um 3,7 Punkte auf 97,5 von revidierten 101,2 (zuvor: 101,3). Die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten wird
wesentlich zurückhaltender eingeschätzt. Der entsprechende Index fiel um 4,6 Punkte auf 90,0, dem niedrigsten Niveau seit November 2002. Der Index, der die aktuelle Lage wiederspiegelt, notierte bei 105,7 Punkten nach zuletzt 108,3 Punkten.
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Laut ifo-Institut legen diese Ergebnisse nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht.
Es heisst weiter:
Im verarbeitenden Gewerbe hat der Geschäftsklimaindex fühlbar nachgegeben. Die Zufriedenheit mit der derzeitigen Geschäftslage ist bei den Befragungsteilnehmern zurückgegangen. Ferner rechnen sie mit einem schwächeren Geschäftsverlauf im kommenden halben Jahr. Das Exportgeschäft wird nach Ansicht der Industrieunternehmen nicht mehr ganz so stark expandieren. Ihre Einstellungsbereitschaft lässt etwas nach.
Auch in den weiteren in die Umfrage einbezogenen drei Wirtschaftsbereichen – dem Bauhauptgewerbe, dem Einzelhandel und dem Großhandel – tendierte das Geschäftsklima sichtlich nach unten. In den beiden Handelsstufen Einzel- und Großhandel ist der Geschäftsklimaindex deutlich gesunken. Die Handelsunternehmen bewerten sowohl ihre momentane Geschäftslage als auch ihre Aussichten für die nächsten sechs Monate klar schlechter als im Juni. Im Bauhauptgewerbe hat sich das Geschäftsklima etwas eingetrübt. Die augenblickliche Geschäftslage wird ungünstiger eingestuft, und die Geschäftserwartungen sind zurückhaltender als im Vormonat.
Quelle: ifo-Institut
Der KID Konjunktur-Indikator Deutschland hatte die Richtung bereits mehrfach zuvor angezeigtl
Noch zwei weitere Charts; zum einen der ifo Geschäftsklimaindex und die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes. Das Wachstum von +1,8% zum Vorjahr im ersten Quartal dürfte es erst einmal gewesen sein; der Wachstumsdynamik geht die Luft aus.

Des weiteren ein Chart, der den rückläufigen Index der Geschäftserwartungen wie die 6-monatige Differenz des EZB-Leitzinssatzes darstellt – Zinssenkungen kämen danach nicht überraschend.

Rückkehr zum Goldstandard
Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Barclay Capital, zitiert in seinem Beitrag „Der Charme privaten Geldes“ für die FAZ vom 21. Juli Friedrich August von Hayek: “Die Geschichte des staatlichen Geldes sei, mit der Ausnahme einiger kurzer Episoden, eine Geschichte von Lug und Trug.”
Herr Polleit spricht von Politikfehlern, Missbrauch der Notenpresse und dringendem Reformbedarf des Papiergeldsystems. Zur Lösung des Übels schlägt er die Privatisierung des Geldes vor, wobei im ersten Schritt die Geldmenge in einem festen Umtauschverhältnis zum Gold fixiert werden soll. In einem zweiten Schritt sollen die Geschäftsbanken im Wettbewerb miteinander die Möglichkeit bekommen, eigenes Geld anzubieten. „Der Wettbewerb um das beste Geld würde vermutlich dafür sorgen, dass das gute Geld eines ist, das durch ein knappes Gut – Gold oder Silber oder beides (”Bimetallismus”) – gedeckt ist.“
Bei allem Verständnis für die berechtigte Kritik an der Notenbankpolitik der jüngsten Vergangenheit, stellt sich die Frage, ob Volkswirte wie Herr Polleit nichts aus der Geschichte der Weltwirtschaftskrise gelernt haben.
In einer Replik auf einen früheren Beitrag Herrn Polleits „Misstrauen in das Staatsgeld” geht dem Staatsdiener Prof. Dr. Nikolaus K.A. Läufer die Kritik am staatlichen Papiergeldgeldsystem mit zum Rückkehr zum Goldstandard zu weit.
So erinnert er völlig zu Recht an die Erfahrungen mit der grossen Depression, die uns gelehrt haben (sollte), dass es kontraproduktiv wäre, dem Bankensystem in einer Liquiditätskrise die nötigen Geldmittel zu versagen.
http://www.uni-konstanz.de/FuF/wiwi/laufer/Finanzkrise-oder-Geisteskrise.pdf
Wir werden sehen, ob öffentlich zur Diskussion gestellte Vorschläge, wie der Gedankengang von Herrn Polleit, als Ausdruck einer Inflationshysterie zu betrachten sein werden, sollten sich zukünftig nach dem Platzen diverser Preisblasen im Gegenzug Deflationsängste im Verlauf einer weltweiten Rezession breit machen.
Helmut Wüllenweber
KID Konjunktur-Indikator Deutschland im Juli
Nichts Neues auf dem Weg nach Süden
… zeigt leider heute der KID.
Zwar gab es mehrere Stabilisierungsversuche am Linienkreuz A/B (roter Pfeil in der oberen Grafik) seit dem Juni, bis dato und per Stichtag heute sind sie aber alle schnell wieder gescheitert. Damit gilt weiter die Erkenntnis vom Wonnemonat Mai: Die dritte Abwärtswelle der deutschen Konjunktur rollt.
Der DAX schloß sich erwartungsgemäß an und zeigte zwischenzeitlich für einige Minuten die 5 ganz vorn vor dem Komma, bevor diese Woche eine erste Erholung inform zunächst der klassischen Short-Squeeze einsetzte. Ein volumiger Sell-Off fand nicht statt. Wenige Punkte oberhalb der Kombination aus gleitendem 4-Jahresschnitt und optisch-psychologischer 6.000er-Marke endete der aktuelle Baisse-Schub, ohne dabei den unteren Rand des Abwärtstrendkanals etwa parallel der fallenden 200-Tage-Linie bei aktuell knapp 5.500 Punkten überhaupt in näheren Augenschein zu nehmen. Das ist kurzfristig ein technisch positives Zeichen, genau wie der erfolgreiche Test der “Fangzone 6.000″.

Markttechnik: Kurzfristiger Ausblick positiv, mittelfristig neue Tiefs zu erwarten.
Auf kurze Sicht kann man deutliches Erholungspotential für die Wall Street erkennen.
Während für eine nachhaltige Bodenbildung noch ein Ausverkauf mit Volatilitäten jenseits der 35 Prozent aussteht. Monate, in denen die implizite Volatilität [VIX] die Marke von 35 Prozent überschritten hat, sind im Chart rot markiert. Neue Tiefs sind auf Sicht der nächsten sechs Monate vorprogrammiert.



































