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Können Zentralbanken Pleite gehen?

Willem Buiter, in den Jahren 1997 bis 2000 Mitglied des Führungsgremiums der Bank von England, lehrt heute an der London School of Economics und beschäftigt sich in einem Diskussionspapier mit den Auswirkungen der Finanzkrise auf die Stabilität der Notenbanken durch Hereinnahme von risikobehafteten Wertpapieren.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Bilanzsumme der FED in Höhe von 900 Mrd Dollar und ein Eigenkapital von 40 Mrd Dollar, wovon Herr Bernanke und Kollegen bereits 29 Mrd Dollar im Zuge der Übernahme von Bear Stearns verwettet haben. Der Kredithebel ist selbst für Hedgefonds beachtlich. Ein Verlust der 40 Mrd Dollar übersteigt, würde das gesamte Eigenkapital der Fed vernichten.

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht beunruhigend, Buiter verweist jedoch darauf, daß die isolierte Bilanzanalyse zur Beurteilung des Risikos der Insolvenz einer Notenbank nicht geeignet ist. Es gilt zu unterscheiden, zwischen der Insolvenz durch Überschuldung (Verbindlichkeiten größer als Eigenkapital) und der Unfähigkeit, fälligen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Letzteres sei für die Solvenz einer Zentralbank und damit die Möglichkeit als Kreditgeber der letzten Instanz einzuspringen, entscheidend und solange gewährleistet, als daß die Verbindlichkeiten nicht in Fremdwährungen bestehen (Island!) oder an einen Index gekoppelt sind.

Verbindlichkeiten in der eigenen Währung können durch die unlimitierte Schaffung von Zentralbankgeld beglichen werden, wobei Buiter die damit unabdingbar steigenden Inflationsraten nachweist.

Fazit: Solange Käufer von Anleihen gewillt sind, Inflationsrisiken durch den Kauf von nominalen Anleihen (nicht an Inflationsraten oder z.B. Goldbestände gekoppelt) zu übernehmen, kann der Steuerzahler seine Funktion als ultimativer und alleiniger Garant der Zahlungsfähigkeit seiner Notenbank wahrnehmen.

Die Unfähigkeit der (Zentral-)Banker zahlen die Verbraucher durch Inflationsrisiken bzw. die Anleger in der Fremdwährung durch Währungskursverluste.

http://www.cepr.org/pubs/PolicyInsights/PolicyInsight24.pdf

Helmut Wüllenweber

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