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‘Stagflation’ im Blätterwald

Nachdem wir neulich schon den Rezessionsindikator hatten (‘R-word index – Warning lights’), meldet sich BCA Research mit der Auswertung der Medienlandschaft nach dem Begriff ‘Stagflation’. Zunehmend wurde das Wort in der Finanzpresse gezählt.

    Stagflation Fears Escalate

    The number of articles published that mention “stagflation” have surged in recent weeks to a new extreme, highlighting investor angst and the headwinds for risky assets.
    ……………

    Quelle

Stagflation

US Benzinpreis im Einzelhandel auf Rekordhoch

Die ‘Energy Information Administration’ des US Energieministeriums veröffentlichte für die Woche bis zum 10. März 2008 einen Benzinpreis im US Einzelhandel mit 3,225 USD/Gal. auf Rekordniveau. Das alte Hoch von 3,218 USD/Gal. aus dem Mai 2007 wurde nur knapp übertroffen.

Im Bild die Benzinpreise seit 1991:

Benzinpreise

In der Vergangenheit wirkten hohe Benzinpreise als Konsumbremse der US Verbraucher. Die wöchentlichen Einzelhandelsumsätze (Redbook, ICSC) liegen seit Wochen mit der jährlichen Wachstumsrate bei 1 – 2,5%.

Einzelhandelsumsätze

sentix-Konjunkturindex, März – Neunter Rückgang in Folge!

Der sentix-Konjunkturindex für den März ist erschienen

  • Der sentix-Konjunkturindex für Euroland ist auch im März 2008 zum neunten Male in Folge (!) auf 0,4 Punkte gesunken. Dies ist der niedrigste Wert seit Juli 2005.
  • Entgegen der Indikationen des ifo Index geht die Lagebeurteilung erneut deutlich zurück und notiert mit 22,25 auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Auch die Erwartungen geben weiter nach (-19,25) und befinden sich weiter auf einem Allzeit-Tief (seit sentix-Start 2003).
  • Beide Anlegergruppen teilen diese Einschätzung.
  • Die US-Konjunkturerwartungen verharren auf weiter sehr schwachem Niveau! Es zeigen sich noch keinerlei Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten.
  • Mit Ausnahme Lateinamerikas gehen alle regionalen Indizes zurück, das „GlobalAggregate“ fällt auf -1,5, ebenfalls ein Allzeit-Tief.

zur weiteren Analyse

Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems

Bereits im Juni des vergangenen Jahres äußerte Morgan Stanley die Einschätzung, daß bei Finanzderivaten die größte spekulative Blase in der Wirtschaftsgeschichte entstehen könnte. Damit sei das internationale Finanzsystem anfällig für Veränderungen in der Risikobereitschaft der Investoren und somit auch für eine plötzliche Auflösung der kreditfinanzierten Positionen geworden.

Diese Einschätzung von Morgan Stanley war korrekt und manifestiert sich aktuell in der Sorge der amerikanischen Bankenaufsicht, daß durch zunehmende Verluste bei Krediten und Hypothekenanlagen die Stabilität des amerikanischen Bankensystems bedroht werden könnte. Gefährdete Banken werden zu Aufnahme von Kapital aufgefordert.

Die in Amsterdam börsennotierte Carlyle Capital Corporation (CCC) meldet am 06.03.08, daß die Liquidität der Gesellschaft durch Margin Calls der Kredit gebenden Banken ernsthaft in Gefahr sei. CCC investiert mit 32-fachem Schuldenhebel seine 670 Mio Euro Eigenkapital in 21,7 Mrd Dollar Hypothekenanleihen (agency bonds) von Fannie Mae und Freddie Mac und ist in diese Schieflage geraten, weil die Risikoprämien selbst dieser vermeintlich sicheren Papiere auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen sind.

Die FAZ titelt daraufhin am 8.03.08: „Hedge-Fonds geraten in den Strudel der Finanzkrise“ und zitiert Jochen Felsenheimer, Leiter Kreditstrategie der Großbank Unicredit. „Die Banken haben lange mit “Margin Calls” gezögert, aber wenn der Preisverfall so stark ist wie jetzt, können die Banken nicht mehr abwarten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Banken im großen Stil von Hedge-Fonds höhere Sicherheiten verlangen werden. Dies könnte viele der häufig extrem hoch verschuldeten Anlagegesellschaften in eine Krise stürzen. Diese Gefahr bewegt die Märkte derzeit – es ist eine systemische Gefahr. Wir sind mitten in der schlimmsten Bankenkrise seit 1929. Der Preisverfall greift auf immer mehr Marktsegmente über”.

Der neue Konzernchef von Merrill Lynch John Thain meldete sich gestern zu Wort. Nach Ansicht von Merrill ist die vom US-Hypothekenmarkt ausgehende Kreditkrise nicht überwunden, sondern springt sogar auf andere Bereiche über. “Ausgehend von den schlecht benoteten Immobiliendarlehen hat sie sich auf die Autokredite, die Gemeindekredite und ganz allgemein den Markt für Handelskredite ausgebreitet”. Immer mehr Darlehen würden in den USA nicht bedient. Die Folge sei eine “sehr ausgeprägte Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit”. Als Ursache der Kreditkrise nannte Thain eine “Liquiditätsblase”, weil eine lange Phase niedriger Zinsen zur exzessiven Kreditvergabe verleitet habe.

Es sieht so aus, als ob die Hedge-Fonds-Industrie vor der größten Herausforderung seit der Russland-Krise im Jahr 1998 steht.

Helmut Wüllenweber

‘Fed underrates inflation’ – Interview mit John Williams

John Williams von ShadowStats.com wird von CNNmoney zur Inflation und M3 interviewt.

Quintessenz: – die offiziell publizierte Inflationsrate fällt deutlich zu gering aus. Wäre die Berechnungsgrundlage nicht umgestellt worden, hätten die USA jetzt ein Inflationsniveau vergleichbar mit dem der 80iger Jahre.
- die Geldmenge M3 befände sich lt. John Williams Berechnungen auf Rekordniveau, dies sei ein Indiz einer steigenden Inflation.
- die USA werden mindestens eine Rezession erleben.

Hier clicken und einen Umweg nehmen oder auf das Bild clicken um zum Interview zu gelangen.

Greg Hunter and John Williams on screen

Quelle – ShadowStats.com

‘Flow of Funds Accounts’ (I. Teil) – US Verschuldung in ausländischem Besitz

Letzten Donnerstag veröffentlichte das FRB den vierteljährlichen ‘Flow of Funds Accounts’ Bericht. Dies ist sicherlich die umfassenste Vermögens- bzw. Schuldenaufstellung der USA.

Danach ergibt sich eine US Gesamtverschuldung von 48,8 Billionen USD – einschliesslich des Finanzsektors. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt macht dies 346,5% (ohne den Finanzsektor sind es immer noch 221,6%).

Der Chart verdeutlicht den Anstieg im historischen Verlauf.

US Gesamtverschuldung

Das Ausland trägt per viertem Quartal 2007 14,0% dieser Gesamtverschuldung. Auch hier die Entwicklung im Bild:

Gesamtverschuldung getragen vom Ausland

Ein Überblick wie das Ausland im Einzelnen beteiligt ist – in Tabellen und Charts (pdf)
Nachtrag: sorry, hatte vergessen die Datei online zu stellen, nachgeholt am 9.3. 15.15.

Quelle: FRB – ‘Flow of Funds Accounts’

Nächste Woche folgt mehr zur Situation der US Haushalte.

Zentralbanken melden sich zu Wort

Der Auftakt ist gemacht:

Die Bank of Canada hat gerade bekannt gegeben, ihren Leitzinssatzsatz um 50 Basispunkte auf 3,50% zu senken. Man sei zwar mit dem kanadischen Wirtschaftswachstum zufrieden, zudem halte sich die Inflation im Rahmen der eigenen Erwartungen. Aber auch hier spuken die Schreckgespenster US-Rezession und Kreditkrise.
Ein Übergreifen der US-Finanzkrise wie des konjunkturellen Abschwungs auf die globale Wirtschaft wird befürchtet.

Aus der Presseerklärung:

Information received since the January Monetary Policy Report Update (MPRU) indicates that economic growth in Canada through the four quarters of 2007 was broadly in line with expectations. Domestic demand has remained buoyant, as rising commodity prices and high employment have continued to support income growth. Canada’s net exports weakened further in the fourth quarter, reflecting the slowing U.S. economy and the impact of the past appreciation of the Canadian dollar. Overall, the Canadian economy remained above its production capacity at year-end. Core and total CPI inflation – at 1.4 per cent and 2.2 per cent, respectively, in January – have also been consistent with the Bank’s expectations.

At the same time, there are clear signs that the U.S. economy is likely to experience a deeper and more prolonged slowdown than had been projected in January. This stems from further weakening in the residential housing market, which is adversely affecting other sectors of the U.S. economy and contributing to further tightening in credit conditions. The deterioration in economic and financial conditions in the United States can be expected to have significant spillover effects on the global economy. These developments suggest that important downside risks to Canada’s economic outlook that were identified in the MPRU are materializing and, in some respects, intensifying.

Quelle

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Gegensätzlich die heutige Entscheidung der Reserve Bank of Australia, die ihren Leitzinssatz bereits das zweite Mal dieses Jahr um 25 Basispunkte auf nun 7,25% anhob. Ausschlaggebend war eine gestiegene Inflationsrate. Nichtsdestotrotz schaut man auch über den Tellerrand.

The Board took account of events abroad and developments in financial markets. The world economy is slowing and it appears likely that global growth will be below trend in 2008. Recent trends in world commodity markets, however, have further strengthened prospects for Australia’s terms of trade.

Sentiment in global financial markets remains fragile. Australian financial intermediaries are experiencing increases in funding costs, which are being passed on to customers. Some tightening in credit standards for more risky borrowers is occurring.

Quelle

Da lässt sich trefflich spekulieren wie sich die EZB, Bank of England, Bank of Japan und Reserve Bank of New Zealand am Donnerstag/Freitag aus der Affäre ziehen werden. Noch befindet sich der Leitzins der EZB bei 4,00% ……

Deutsche Aktienfonds ebenfalls mit Kapitalabflüssen

Das Volumen deutscher Fondvermögen ist zwar deutlich geringer, als das der gestern erwähnten US Fonds, aber auch hier war im Januar 2008 ein Mittelabfluss bei Aktienfonds zu verzeichnen.

Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) gab gestern folgende Zahlen bekannt:

Wer es noch genauer wissen will – die Originalquelle: BVI (pdf)

US Aktienfonds mit Kapitalabflüssen nahezu auf Rekordniveau

Das Investment Company Institute (ICI) meldete für den Januar Kapitalabflüsse von 44,837 Mrd. USD bei US Aktienfonds. Nach den -52,6 Mrd. USD des Juli 2002 ist dies das zweithöchste erhobene Volumen. Dabei waren zum einen erneut Fonds, die in den USA investieren, betroffen (35,747 Mrd. USD), aber dann auch Fonds, die ausserhalb der USA investieren. Erstere verzeichneten den neunten Abfluss in Folge.

Die Cashquote der Fonds wurde mit 4,1% angegeben nach 4,2% im Vormonat.

Im Bild die monatlichen Kapitalveränderungen der US Aktienfonds und der S&P500

Kapitalabflüsse

Quelle: ICI