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US-Rezession (III) – Arbeitsmarkt

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Arbeitsmarkt gilt als nachlaufender Konjunkturparameter, aber bereits jetzt sind die Schwächen im US-Arbeitsmarkt derart ausgebildet, dass eine Rezession unumgänglich erscheint. ‘Soft-Landing’ Erwartungen sind nur noch die Beschwörungsformeln der Konjunkturoptimisten.

In der wöchentlichen Publikation der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe werden auch Daten zu den kontinuierlichen Arbeitslosen gemeldet. Die Daten stehen zwar nicht im öffentlichen Fokus, eine Betrachtung lohnt allemal. Die jährliche Wachstumsrate hat mittlerweile ein Niveau erreicht – oszillierend um die 10% – Marke – das in den vergangenen sechs Rezessionen immer für ein Auftreten derselben ausgereicht hat.

Warum sollte es diesmal anders sein?

kontinuierlich Arbeitslose

Einzelne Sektoren schwächelten im abgelaufene Jahr; so die Finanzbranche:
Alleine die Entlassungsankündigungen verdreifachten sich in 2007 im Vergleich zu 2006. 153.105 im Gegensatz zu 50.327 lt. Challenger, Gray & Christmas. Der Beitrag der Hypothekenkreditvermittler belief sich dabei auf 86.126 resp. 12.874. Diese wurden besonders gebeutelt, der Stellenabbau verzeichnet zweistellige Zahlen. Eine mildere Variante offenbart die gesamte Baubranche.

Beide Wachstumsraten hier im Bild:

Hypothekenkreditvermittler

Aber inwieweit manifestiert sich die Arbeitsmarktschwäche ausserhalb des Immobiliensektors?

Der Einzelhandel hat im abgelaufenen Weihnachtsgeschäft die geringste Anzahl an zusätzlichen Stellen seit 2003 geschaffen; im Überblick die Entwicklung seit 1997:

Im gesamten US-Arbeitsmarkt beobachtet man bisher:

  • eine gestiegene Arbeitslosenquote (zuletzt 5,0%) und Arbeitslosenanzahl (zuletzt 7655 Tsd.)
  • sinkende Wachstumsraten der aggregierten Wochenarbeitszeit, des Stellenwachstums, der nominalen Löhne.

Inflationsbereinigte Löhne und Gehälter sanken zuletzt im Jahresvergleich.

Der Anteil der Arbeitslosen, denen gekündigt wurde, hat sich in der Vergangenheit als Vorbote der Arbeitslosenquote erwiesen; seit dem Herbst 2006 stieg dieser Anteil, im Frühjahr 2007 hat die Arbeitslosenquote nachgezogen.

Jobloser

Diesen Freitag werden erneut Daten zum US-Arbeitsmarkt publiziert.

6 Kommentare

1 Helmut - 30.01.2008 um 13:37

Die Zeit veröffentlicht heute ein Interview mit A. Grenspan.

DIE ZEIT: Können Notenbanker und Haushaltspolitiker Amerika noch vor einer Rezession retten?
Alan Greenspan: Wahrscheinlich nicht.
ZEIT: Die amerikanische Notenbank hat es also heute schwerer als früher, auf Turbulenzen zu reagieren.
Greenspan: Auf jeden Fall.
ZEIT: Steht die amerikanische Volkswirtschaft am Rand einer Rezession? Oder hat die Rezession gar schon begonnen?
Greenspan: Das ist sehr schwer einzuschätzen. Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mindestens 50 Prozent beträgt, doch bisher gibt es wenig Hinweise dafür, dass wir schon in einer stecken. Eine Eigenschaft von Rezessionen sind Brüche mit dem Vorhergehenden, oft in Form scharfer Veränderungen am Arbeitsmarkt und in der Produktion. In den vergangenen drei Wochen gab es ein paar solche Ereignisse, aber nicht genug, um zu sagen: Die Situation hat sich wirklich verändert. Meiner Meinung nach wird dies wahrscheinlich noch geschehen, aber von den Fakten her ist es noch nicht so weit.
ZEIT: Wenn die USA in eine Rezession gleiten, wird dann die Wirtschaft im Rest der Welt noch weiter wachsen? Anders gefragt: Können sich andere wichtige Volkswirtschaften von der Entwicklung in Amerika abkoppeln?
Greenspan: Auf lange Sicht wahrscheinlich ja. Aber nicht mittelfristig.

http://www.zeit.de/2008/06/Interview-Greenspan

2 Cordula - 30.01.2008 um 16:29

Zumindest auf die letzte Frage hatte der ‘Economist’ vom letzten Wochenende eine Antwort – die US-Wirtschaft lehnt sich an/wird gestützt; wenn’s schlecht läuft, sehen wir weitere Volkswirtschaften wie Dominosteine umfallen:

ECONOMIST

3 Helmut - 06.02.2008 um 14:03

Verwundert lese ich die Kommentare über den US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Januar vom vergangenen Freitag.

Bekanntlich hatte das Bureau of Labor Statitics ein „small January movement in nonfarm payroll employment (-17,000)” gemeldet.

In der Presse und auch von Seiten einiger Analysten wird von einem erstmalig zu beobachtenden Rückgang der Beschäftigtenzahl seit dem Mont August 2003 berichtet.

Das ist jedoch nicht ganz präzise. Die berüchtigten Fantasy-Drehbuchautoren des Bundesamtes für Arbeitsstatistik wussten bereits am 7. September mit der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten die interessierte Öffentlichkeit durch einen vermeintlichen Arbeitsplatzabbau zu überraschen. Gemeldet wurde statt eines erwarteten Zuwachses von 110.000 bis 130.000 neuen Arbeitsplätzen ein Rückgang der Beschäftigtenzahl im August um 4.000. Die zunächst vermeldete Zahl von – 4.000 wurde im Folgemonat auf + 89.000 revidiert.

http://stats.bls.gov/news.release/History/empsit_09072007.txt

Korrekt kann die Situation also wie folgt dargelegt werden: Es wird zum zweiten Mal ein Rückgang bei den Beschäftigten vermeldet, der ersten Meldung im September folgte jedoch eine Aufwärtskorrektur. Bleibt es auch nach der Revision der Zahlen bei einem Jobverlust für den Monat Januar, wäre dies in der Tat der erste Rückgang der Beschäftigtenzahl seit August 2003.

Ein erstmaliger Verlust von Arbeitsplätzen nach einer mehrjährigen Phase des Wachstums am US-Arbeitsmarkt – eine mit der aktuellen Lage vergleichbare Situation -war für den Berichtsmonat Juni 2000 vermeldet worden.

4 Die Kreditkrise als Chance » Beitrag » Kredit und Finanzen - 17.06.2008 um 13:03

[...] Ebenso sehen es Experten wie die Betreiber des Blogs auf Markt-Daten.de, die mehrfach zur US-Rezession gebloggt haben. Würde dies passieren, so würden die Ratenkredite ausfallen und die [...]

5 CoreFinance - 29.06.2008 um 16:10

Vor Ort: USA in der Rezession…

Die letzten Wochen habe ich genutzt, um mir vor Ort ein Bild der Situation in den USA zu machen. Die Frage ist nicht mehr, ob die USA in einer Rezession sind, sondern nur noch, wie lange und wie tief diese sein wird.

Wie schwerwiegend die Probleme ber…

6 Arbeitsmarkt in den USA bricht ein » Beitrag » Kredit und Finanzen - 05.09.2008 um 20:31

[...] als erwartet ausfallenden Zahlen des Arbeitsmarkts in den USA vermuten Analysten in der Folge dort das Abrutschen der Wirtschaft in eine Rezession. Die USA kommt also nicht aus Krise, die Hoffnung war wohl nur ein kurzes Aufbäumen vor dem [...]

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